Jülich: Ein Austausch, der für beide Seiten wertvoll ist

Jülich: Ein Austausch, der für beide Seiten wertvoll ist

An der diesjährigen IFF-Ferienschule des Forschungszentrums Jülich nehmen erstmals auch neun Palästinenserinnen und Palästinenser teil. Zwei Wochen lang sind die Nachwuchswissenschaftler der Universitäten Al Quds, Birzeit und An Najah derzeit zu Gast in Jülich.

Ein Ziel ist es, die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Palästina im Bereich Bildung und Forschung zu stärken. Den Gästen aus Palästina gefällt die Ferienschule sehr gut. „Alles ist neu und so anders, aber es ist noch besser, als ich es mir vorgestellt habe”, sagt Nidaa Hamamera, die das erste Mal so weit von ihrem Heimatland entfernt ist. Auch Hamza Abudayyeh findet die Ferienschule in Jülich „großartig”, besonders beeindruckt ist er von der technischen Ausstattung: „Wir konnten auch schon ein paar Labore besichtigen - die Forscher haben hier wirklich faszinierende Instrumente zur Verfügung.”

Der Anlass für einen Austausch zwischen dem Forschungszentrum und palästinensischen Wissenschaftlern war ein Workshop in Ramallah, den das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gemeinsam mit palästinensischen Kollegen im November 2011 organisiert hatte. Das Treffen diente hauptsächlich dazu, sich auszutauschen und erste Ideen für eine deutsch-palästinensische Forschungskooperation zu erarbeiten.

„Die Teilnahme palästinensischer Nachwuchswissenschaftler an der IFF-Ferienschule ist eine konkrete Maßnahme, um diese Ziele in die Tat umzusetzen”, erklärt Dr. Ghaleb Natour, Leiter des Jülicher Zentralinstituts für Technologie (ZAT). Gemeinsam mit dem Jülicher Wissenschaftler Prof.Claus Schneider und Dr. Sybille Krummacher von der Unternehmensstrategie nahm er an dem Workshop teil. Während des Aufenthalts in Palästina konnten sie erste Kontakte zu Universitäten knüpfen.

Dr. Natour, selbst Palästinenser, versteht die Kooperation mit den dortigen Universitäten als eine Form der Aufbauhilfe. „Palästina ist eine Region mit viel Potenzial, aber es gibt keine funktionierende Forschungsinfrastruktur und keine ausreichende technische Ausstattung. Die Universitätsausbildung ist zwar solide, jedoch nur theoretisch”, fasst er seine Eindrücke zusammen. Wenn junge Palästinenser nach einer Promotion im Ausland zurück in ihr Heimatland kämen, würden ihnen dort oft die Möglichkeiten fehlen, in ihrem Forschungsgebiet weiterzuarbeiten.

Ein längerfristiges Ziel ist es deswegen, Doktorandenprogramme auf den Weg zu bringen und parallel dazu in Palästina eine Forschungsinfrastruktur aufzubauen. Palästinensische Nachwuchswissenschaftler sollen eine Ausbildung in Deutschland erhalten und auf dieser Basis in ihrer Heimat weiterarbeiten können. „Wir müssen diesen Regionen beibringen, sich selber zu helfen”, sagt auch Schneider, der Leiter des Jülicher Peter Grünberg Instituts für elektronische Eigenschaften. „Und davon profitieren letztendlich beide Seiten, schließlich erhalten wir so qualifizierte Fachkräfte, die auch die Jülicher Forschung vorantreiben.”

250 Nachwuchsforscher

Die IFF-Ferienschule sei für eine beginnende Kooperation ideal. Sie sei international ausgerichtet, dieses Jahr nehmen rund 250 Nachwuchsforscher aus 30 Ländern teil. Das seien ideale Rahmenbedingungen, findet Michael Beißel, der Organisator der IFF-Ferienschule: „Wir freuen uns, ein neues Land in Jülich begrüßen zu dürfen.”

Das diesjährige Thema sind Streumethoden, mit denen sich der Aufbau von Materialien untersuchen lässt. Zwei Wochen dauert die Jülicher Ferienschule , sie wird wissenschaftlich betreut von Prof. Thomas Brückel, dem Leiter des Peter Grünberg Instituts für Streumethoden.