Jülich: Eifler Platt funktioniert auch in Jülich

Jülich : Eifler Platt funktioniert auch in Jülich

Rund 140 Zuschauer lachten Tränen bei der letzten Soloveranstaltung der „Heimatbühne der Eifeler Mundartfreunde“ in der Stadthalle. Wegen zwei krankheitsbedingter Ausfälle des beliebten Eifeler Mundartensembles war allerdings eine Programmänderung von Nöten.

Weil „sie das tolle Jülicher Publikum“ nicht versetzen wollten, boten fünf Darsteller aus Bad Münstereifel in verschiedenen Besetzungen je zehn Sketche pro Halbzeit, etliche davon traditionell aus der Feder von Karl Roberz.

Der 80-jährige Kopf des Ensembles stand zudem in fast jedem Sketch auf der Bühne, zusätzlich zu seinem Rollen schlüpfte er in die des im Krankenhaus befindlichen Kollegen Michael Küpper. „Wahnsinn, wie er den langen Text im Kopf hat, ohne einmal zu Stocken...“, raunten Frauen aus dem Publikum einander zu. Edith Leßenich übernahm ebenso souverän die Rollen der erkrankten Ilsemie Fleischhauer.

Lauter Missverständnisse

Charakteristisch für die lachmuskelstrapazierenden Sketche war ihr Mix aus Unwissenheit, Missverständnissen, Wortspielen und dem Überraschungsmoment, gewürzt mit Eifeler Platt. Nicht selten mimte Karl Roberz entweder den gewieften Verkäufer oder den nervtötenden Kunden, der sich dumm stellt. So schenkt ihm Juwelier Kalle Leßenich letztendlich die Uhr und Apothekerin Edith Leßenich das gewünschte Beruhigungsmittel, damit er endlich den Laden verlässt.

Etwas anders geartet war eine humoristische Szene mit Martin Otten als Ökotrophologe im Gespräch mit der Apfel schälenden Mariele Braun. Sie sorgte schließlich dafür, dass Otten besser „Nasologe“ geworden wäre.

Ein Zwangserzeuger

Zu den humoristischen Höhepunkten des Abends zählten Roberz und Kalle Leßenich als Engel nach ihrem gemeinsamen Ableben, Leßenich erfror in einer Tiefkühltruhe! Oder der zweideutige Sketch „Von Amts wegen“, in dem die kinderlose Edith Leßenich ihren Besucher Karl Roberz, einen Fotografen, für einen gesetzlich vorgeschriebenen Zwangserzeuger hält.

Ein Highlight ist zweifelsohne „Die Booz“, wo eine echte Hose etliche Male um mehrere Zentimeter gekürzt wird. Immer wieder eine echte Lachnummer ist auch Roberz‘ Solo, in dem er als „Bürgermeeste“ im Anzug mit Zylinder und Bürgermeisterkette zur Kirmes den Festzug ankündigt. „Nit, dat dat widder so wit wie im vürije Jahr...“, warnte er mit rollendem „R“ vor der Wiederholung irrwitziger Vorfälle beim vergangenen Festzug wie vor auf Pferdeäpfeln ausgerutschten „gefallenen Jungfrauen“ oder der Beteiligung der Prominenz an der anschließenden „Keilerei“.

„Dat is ja schade, dat dat Ding zujemaat wit“, bedauerte Karl Roberz aus vollem Herzen die Schließung der Stadthalle. Seit gut zwei Jahrzehnten ist die „Heimatbühne“ dort zweimal jährlich Gast der gemeinsamen Veranstaltungen der Mundartfreunde des Jülicher Geschichtsvereins und der VHS. Kein Zuschauer hatte im Übrigen vom Angebot des moderierenden ehemaligen VHS-Leiters Günter Vogel Gebrauch gemacht, sich wegen der Programmänderung das Eintrittsgeld erstatten zu lassen.

Herzhaftes Gelächter und kräftiger Applaus belohnten die überzeugend komischen Darsteller aus der Eifel.

(ptj)
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