Jülich: Ehemaliger evangelischer Friedhof ist die älteste Ruhestätte Jülichs

Jülich: Ehemaliger evangelischer Friedhof ist die älteste Ruhestätte Jülichs

Friedhöfe sind nicht nur Ruhestätten, sondern auch historische Informationsquellen. Das lässt Rückschlüsse auf die Geschichte der Stadt zu. So auch in Jülich. Hier sind ein Soldatenfriedhof, ein jüdischer Friedhof und ein ehemaliger evangelischer Friedhof nahezu in direkter Nachbarschaft zu finden.

Der Bürgerbeirat Historische Festungsstadt Jülich lud jüngst Interessierte zu einer Begehung ein. Dr. Peter Nieveler und Wolfgang Gunia erklärten die Anlagen. Los ging es am Ehrenfriedhof.

Friedhofsbegehung in Jülich: Der Jüdische Friedhof wurde weitestgehend von Vandalismus in der Zeit des Nationalsozialismus verschont. Foto: Mengel-Driefert

Er besteht seit 1830, Beerdigungen sind seit 1894 dokumentiert. Jülich war von 1600 bis 1919 Garnison-Stadt, die Grabstätte ein ehemaliger Garnison-Friedhof. Bis 1955 wurden rund 500 Tote begraben. Darunter befinden sich nicht nur deutsche, sondern auch fremdländische Soldaten des 1. Weltkriegs. Nach einer Neugestaltung wurde die Anlage in der heutigen Form 1955 eröffnet. Man entfernte alle alten Grabmale, gestaltete mit den Kreuzen des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge die Anlage einheitlich und neu.

Der benachbarte ehemalige evangelische Friedhof ist der älteste Friedhof in Jülich. Er diente als Grabstätte von 1622 bis 1975. Im Zentrum befand sich ein Rondell mit einer Stele. Das Rondell war Priestergrabstätte. 1975 verkaufte die evangelische Gemeinde das Grundstück an die Stadt Jülich, baute für die geflossenen Gelder das Bonhöffer-Haus.

Die Stadt übernahm die Verpflichtung der Pflege des Friedhofs für dreißig Jahre. 2005 wurde die Ruhestätte dann endgültig aufgegeben. Im Laufe der Jahre hatten viele Angehörigen ihre Verstorbenen umbetten lassen. Vor einigen Monaten kaufte der evangelische Kirchenkreis das Grundstück von der Stadt zurück. Geplant ist an dieser Stelle ein Verwaltungsgebäude.

Der Jüdische Friedhof stammt aus dem Jahre 1816. Anders als viele jüdische Friedhöfe in der Region wurde er von Vandalismus in der Zeit des Nationalsozialismus verschont. Auch den Krieg überstand er relativ unbeschadet. Heute sind rund siebzig Gräber erhalten, die letzte Beerdigung erfolgte 1941.

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