Drohne bei der Rübenernte im Einsatz

Drohne bei der Rübenernte im Einsatz : Die Ernte aus der Vogelperspektive

Sonntagmittag, kurz nach 13 Uhr, blauer Himmel, die strahlende Sonne lässt die Lufttemperatur auf frostige sieben Grad steigen, ein herrlicher Novembertag – auf Gut Marienfeld warten die Rübenroder auf ihren Einsatz.

Severin Hogen und seine Leute starten die Maschinen, die sich langsam in Richtung Feld aufmachen. Daneben auf dem Feldweg hockt Olaf Kiel. Aus seinem schwarzen Rucksackkoffer holt er vorsichtig eine Maschine, winzig im Vergleich zum Rübenroder. Klar, dieses Gerät hat eine andere Aufgabe, bei der Größe nur hinderlich wäre.

Auf grazilen Füßen steht er nun auf dem Boden, nur noch die Rotoren müssen befestigt werden, dann ist der „Typhoon H“, eine mit einer hochwertigen Kamera bestückte Drohne, fast schon startklar. Olaf Kiel kontrolliert auf der Fernsteuerung die Daten, passt diverse Parameter den Lichtverhältnissen und der geplanten Flugroute an.

Heute filmt er für die Imdahl-Hogen GBR (Oberzier/Titz) die Rübenernte und anschließend das Gut Marienfeld von oben. Später wird sich zeigen, dass das Ergebnis die Erwartungen sogar übertrifft. Die Verwandlung des grünen Feldes in eine braune Strukturenlandschaft ist für Olaf Kiel ein neues Motiv, das später, mit Musik unterlegt, eine meditative Wirkung ausstrahlt. Severin Hogen sieht erstmals den Erntevorgang aus der Vogelperspektive, vielleicht werden sich irgendwo Optimierungsmöglichkeiten zeigen, die vom Boden aus nicht zu erkennen waren.

Was hat bei Olaf Kiel die Begeisterung für das Drohnenfliegen geweckt? Lange ist es her, dass der in der IT-Branche beschäftigte Barmener Spaß an der Beschäftigung mit Modellflugzeugen, später mit fernlenkbaren Hubschraubern, gefunden hatte. Die Freude am Fliegen und der Technik erhielt neuen Auftrieb, als verstärkt Drohnen angeboten wurden, die einerseits für einen Hobbyflieger erschwinglich und zudem technisch so konzipiert waren, dass sich die Bedienung relativ leicht erlernen ließ. „Sollte man mit der Anschaffung einer Drohne liebäugeln, reicht es nicht, beim nächstbesten günstigen Angebot zuzuschlagen. Vorher sollte man sich unbedingt einige Fragen beantworten“, rät Kiel Kaufinteressenten, die bisher keine Erfahrungen gesammelt haben.

Welche Voraussetzungen und Bedingungen müssen erfüllt sein, damit ich eine Drohne fliegen darf? Wie sehen die rechtlichen Beschränkungen aus? Muss eine Versicherung abgeschlossen werden? Eine große Rolle spielen nicht erst seit der DSVGO Persönlichkeitsrechte, zudem gilt es, Belange der öffentlichen Sicherheit zu respektieren. In der momentanen Jahreszeit ist sicher auch eine Frage wert, ob Drohnen sich als Weihnachtsgeschenk eignen.Diese Frage kann nur individuell beantwortet werden. Man sollte sich aber hinreichend Gedanken machen, damit es nach verzweifelten ersten Flugversuchen und andauernden Kollisionen mit der Zimmerdecke oder -wand nicht zu Tränen unter dem Weihnachtsbaum kommt.

„Es gibt hier in der Region so viele Motive, man muss nur die Augen offen halten, dann wird man sie auch entdecken“, sagt Olaf Kiel und weiß, welche wunderbaren Fotos und Videos sich daraus zaubern lassen. So hat er kürzlich beispielsweise die Brücken über der Rur von oben fotografisch festgehalten. Entstanden sind Dokumente, die eindrucksvoll den Kontrast zwischen den spielerischen Linien der Natur und der strengen technischen Geradlinigkeit der vom Menschen geschaffenen Bauwerke widerspiegeln.

Zurück zu Gut Marienfeld. Die Rüben sind eingefahren. Die Ketten der Roder haben im Boden symmetrische Muster von eigenartiger Schönheit hinterlassen. Olaf Kiel packt seine Drohne voller Vorfreude auf die Sichtung der Bilder sorgfältig ein. Während der vergangenen zwei Stunden war am Rand des Geschehens zu beobachten, dass vorbeifahrende Autofahrer das Tempo deutlich drosselten. Eins hatten sie gemeinsam: Die PKW-Kennzeichen waren nicht der hiesigen Region zuzuordnen. Für Menschen aus der Jülicher Börde ist der Anblick der riesigen Maschinen auf den Feldern in dieser Jahreszeit nichts Ungewöhnliches. Für Fremde hingegen ist es ein Schauspiel, wie wendig, fast schon elegant, sich die klobigen und massigen Ungetüme auf ihren eng beieinander liegenden Kettenrädern bewegen. Fast winzig scheint der Mensch zu sein, der in der Fahrerkabine das Kommando in den Händen hält.

Einige „Jülich-Flüge“ von Kiel sind auf seiner Facebook-Seite „Jülich und Umgebung von oben“ zu sehen.

(jago)
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