Jülich: Drogenberatung kämpft weiter um Zuschussgelder der Stadt

Jülich: Drogenberatung kämpft weiter um Zuschussgelder der Stadt

Am Donnerstag entscheidet der Rat der Stadt Jülich ob der Drogenberatungsstelle tatsächlich die Zuschüsse gestrichen werden. Fünf Tage noch. Fünf Tage, an denen die Mitarbeiter, vorne an Marita Grossmann, die Fraktionen um Gegenstimmen bitten wollen.

„Diese Beratungsstelle weist einen Schatz an Erfahrungen auf. Das Netzwerk, welches wir geschaffen haben, ist Gold wert“, betont Wilfried Pallenberg, Leiter der Drogenberatung. Es sei unverantwortlich die Schließung, zu der es zwangsläufig kommen würde, zuzulassen.

Thomas Müller,Vorsitzender des Caritasverbandes: „Wir als Trägerschaft sind der Meinung, dass öffentliche Einrichtungen auch von öffentlichen Ämtern finanziert werden sollten.“ Die Stadt Jülich möchte die 36 Prozent Zuzahlung zur Finanzierung der Anlaufstelle für Drogenabhängige gänzlich streichen und den Kreis Düren mit den Zuschüssen beauftragen. Dieser zahle aber laut Pallenberg bereits 60 Prozent: „Es gab eine Vereinbarung. Die Stadt müsse auch etwas dazu tun. Schließlich ist es ja auch zum größten Teil ein Problem der Stadt, dass es hier so viele Klienten von uns gibt. Immerhin 70 Prozent der Abhängigen kommen aus der Stadt selbst.“

Bei den beiden Ausschüssen, in denen dieser Antrag bereits aufgefasst wurde, erhielten die betroffenen Mitarbeiter striktes Redeverbot. „Wir konnten uns bisher nicht einmal öffentlich wehren.“ Und auch die Eigeninitiative vieler Eltern, deren Kinder die Beratungsstelle aufsuchen, seien auf keinerlei Reaktionen gestoßen.

„Die Stadt entzieht sich der Verantwortung. Man kann doch solch eine Einrichtung nicht mit einem Schützenverein vergleichen, dem man die Gelder streicht“, entzürnt sich ein Vater. Wenn es doch bloß nur die üblichen 10 Prozent seien, so wie bei allen anderen Vereinen, aber hier gehe es um einen Betrag von 24.500 Euro. Dies seien die Hälfte aller anfallenden Kosten.

Bisher habe es zwar schon viele Rückmeldungen gegeben, aber weiterhin dagegen anzugehen und mehrere Mitstreiter zu finden sei unumgänglich. „Die Politiker sollten doch einfach mal daran denken, dass Drogenabhängigkeit jeden treffen kann. Auch sie selbst und ihre Familien“, schimpft ein Klient. Und weiter: „Ohne diese Stelle hier wüsste ich nicht wo ich jetzt wäre. Und wir können einfach nicht bis Düren fahren. Es dauert nicht nur zu lange, uns fehlt auch das Geld für die Bahnkarte.“

Im Gästebuch der Nebenstelle gibt es weitere solcher Reaktionen und Meinungen sind momentan sehr gefragt: www.endart.de/spz/drogeninfos/gaestebuch

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