1. Lokales
  2. Jülich

Freialdenhoven: Dorfgemeinschaft Freialdenhoven stützt Brandopfer mit Spendenaktion

Freialdenhoven : Dorfgemeinschaft Freialdenhoven stützt Brandopfer mit Spendenaktion

Brand zerstört Wohnhaus in Freialdenhoven

„Über den Brand können wir nicht viel erzählen außer, dass wir eine große Rauchwolke gesehen haben und wussten, dass es sehr schlimm ist“, sagt Astrid Wittek über die Feuerkatastrophe, die am 11. August ein Reihenhaus in Freialdenhoven komplett zerstört hat.

„Am Samstagnachmittag hörten wir die Sirene eines Feuerwehrautos, danach noch eine und noch eine“, erzählt Simone Poch, „es war beängstigend“. Bevor die Martinshörner den ruhigen Sommertag durchdrangen, bemerkten Martin Walter und seine Ehefrau im direkten Nachbarhaus die ungewöhnlich dunklen Rauchwolken.

„Ich dachte noch, es wäre vielleicht beim Grillen etwas schiefgelaufen, doch im Garten der Nachbarn war niemand zu sehen“, schildert Walter die Geschehnisse. Die Eingangstür des Hauses war abgeschlossen, und auf das Klingeln erfolgte keine Reaktion. Vom eigenen Balkon aus versuchten die Eheleute Walter die Hausbewohner auf das Feuer aufmerksam zu machen.

„Dann hörten wir es. Eine junge Frau, die im Obergeschoss eingeschlossen, panisch von Rauch und Flammen im unterem Bereich schrie“, erinnert sich Martin Walter. „Wir zogen sie über das Balkongeländer in unser Haus rüber.“ Geistesgegenwärtig nahm diese Betreuerin der 87-jährigen Hauseigentümerin ihre Handtasche mit und darin den rettenden Hausschlüssel. „Wir wussten jetzt, da ist noch jemand drin“, berichtet der Nachbar, „nachdem wir die Tür aufgemacht haben, duckten wir uns nach unten, um den Flammen auszuweichen“.

Dank dieses Duckens konnte man „noch bis zu knapp 50 Zentimetern über dem Boden etwas sehen“. Der Rest des Eingangsbereichs war von schwarzem Qualm und dichtem Rauch gefüllt. „Ich habe nur ein Paar Füße gesehen, die Luft angehalten und bin reingegangen“, schildert der Nachbar den Verlauf der nächsten Sekunden. Sehen konnte er nichts, doch er bekam die ältere Dame zu fassen und zog sie aus dem Haus. „Zwischenzeitlich hat jemand die Feuerwehr gerufen und ich glaube, binnen dreieinhalb Minuten waren die Feuerwehrmänner schon da“, sagt er, „für uns, die das Haus brennend sahen, hat es ewig gedauert“. Während seiner Rettungsaktion hatte Walter keine Angst verspürt, „danach schon“. „In solch einem Moment weiß man nur, da ist jemand drinnen, also versucht man, ihn herauszuholen“, erklärt er, „einige Nächte danach träumte ich noch davon“.

Schutt und Asche

Bei dem Brand in Freialdenhoven wurden zwei Leben gerettet, doch das Feuer machte gleichzeitig zwei Personen zu Obdachlosen, die ältere Dame und ihre 20-jährige Enkelin. Zur Zeit des Brandes machte diese junge Frau eine Reise, die ein letztes Geburtstagsgeschenk ihres im Juli dieses Jahres verstorbenen Vaters war. „Meine Oma hat mich großgezogen, seit meiner frühsten Kindheit wohnte ich bei den Großeltern“, sagt sie. Beide verkraften die momentane Trennung nur schlecht und können sich die Zukunft in Anbetracht des niedergebrannten Heims noch kaum vorstellen. Für sie kann es nur eine gemeinsame Zukunft geben, doch diese bleibt in Ermangelung einer geeigneten Wohnung fraglich.

„Wenn Menschen von einem Tag auf den anderen mit nichts zurückbleiben, muss man doch reagieren“, war der Gedanke von Astrid Wittek und Simone Poch nach dem Unglück.

„Die beiden Frauen, die noch gar nicht lange in unserem Dorf leben, ergriffen sofort die Initiative. Ich habe mich dieser angeschlossen und auch mit den Leuten gesprochen“, erläutert Ortsbürgermeister Hans Ackens. „Sie haben Unglaubliches geschafft“, sagt er, „sind zwei Wochen von Haustür zur Haustür gelaufen, über die Situation aufgeklärt und um Hilfe für die Brandopfer gebeten“.

Mitfühlend und hilfsbereit

Sie ließen keinen von den 400 Haushalten aus und wurden meistens mit Mitgefühl und Hilfsbereitschaft konfrontiert. „Als ich am Tag nach dem Brand einschlief, stellte ich mir vor, wie es für mich wäre, von heute auf morgen nichts mehr zu besitzen und keinen eigenen Platz zum Schlafen zu haben“, erinnert sich Wittek. Dass man in solch einer Situation helfen muss und es in einer Gemeinschaft wirklich schaffen kann, war auch für Simone Poch selbstverständlich. Beide Frauen kannten die vom Unglück betroffene Familie vor dem Brand nicht. „Die Reaktionen der Dorfbewohner waren überwiegend positiv“, meinen die Spendensammlerinnen und erinnern sich gerne an einen Mann, der zuerst die Türklingel nicht gehört hat. „Er ist uns nachgelaufen, hat eine Geldspende überreicht und nur darum gebeten, das gleiche im Falle eines Falles auch für ihn zu tun“.

Das Ergebnis der Spendenaktion macht den Ortsbürgermeister stolz über den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft. „Wir können heute 2800 Euro von den Bewohnern an die Enkelin überreichen“, sagt er, „und 200 Euro kommen von unseren Vereinen noch hinzu. Für alle, die noch helfen möchten, bin ich gerne der Ansprechpartner “.

Sichtlich gerührt bedankte sich die junge Frau bei ihren Helfern, denn gegenwärtig besitzen sie und ihre Oma lediglich ein paar vom Ruß geschwärzte Familienfotos, die nach dem Brand aus dem Haus mitgenommen werden konnten.