Jülich: Doch kein Kahlschlag im Jülicher Trommelwäldchen?

Jülich: Doch kein Kahlschlag im Jülicher Trommelwäldchen?

Entgeht das Trommelwäldchen im Jülicher Nordviertel doch noch der schon beschlossenen Rodung? Diese Frage tut sich nach der jüngsten Sitzung des Bürgerausschusses auf. Denn das Gremium verwies einen Antrag, den entsprechenden Beschluss aufzuheben, an den zuständigen Fachausschuss mit der Bitte „um wohlwollende Prüfung.“

Der Abstimmung waren eine lange Diskussion und einige zum Teil emotionale Redebeiträgen vorangegangen. Rund 20 Zuhörer, die meisten davon Anwohner des Trommelwäldchens, verfolgten aufmerksam den Tagesordnungspunkt. Das Kleinod soll — so sieht es ein Ratsbeschluss vor — gerodet und gleich im Anschluss wieder aufgeforstet werden.

Nach Bekanntwerden regte sich in der Jülicher Bevölkerung nicht nur Unmut, sondern es entstand eine öffentliche Debatte. Tenor in jüngster Zeit: Das Wäldchen muss erhalten werden, die von Förster Moritz Weyland „heraufbeschworene Gefahr durch umstürzende Bäume“, sei, betonte ein Bürger, mehr als übertrieben. Er zweifelte gar die Kompetenz des „jungen Försters“ an, wie nach ihm noch andere Redner. Doch auch Ausschussmitglieder, so Dr. Lutz Baumgarten (Bündnis 90/Grüne), als auch Margarete Esser-Faber (CDU) zielten in diese Richtung und deuteten an, dass mittlerweile andere Fachleute eine andere Sicht der Dinge hätten mit Blick auf das Gefährdungspotenzial einiger Bäume.

Amtsleiter Thomas Mülheims (Immobilienmanagement der Stadt) verwahrte sich gegen die Aussagen „von fehlender Kompetenz des jungen Försters“ und erinnerte, dass der Forstfachmann schließlich zwei Alternativen im Ausschuss für Bauen, Planen und Umwelt vorgestellt habe. Eine davon sei die komplette Rodung gewesen. Zum anderen habe er die Möglichkeit vorgestellt, nur die gefährdeten Bäume zu entfernen. In den Folgejahren drohe dann aber die Abholzung auch des Restbestandes, weil sie dann ebenfalls in ihrer Standfestigkeit gefährdet seien. Lösung zwei war mit deutlich höheren Folgekosten verbunden, erinnerte Mülheims. Vor diesem Kostenhintergrund habe der Rat für die Komplettrodung gestimmt.

Der Amtsleiter wies zudem Mutmaßung zurück, die in der Öffentlichkeit zu hören sind, die Stadt Jülich verdiene mit dem Verkauf des Holzes Geld. „Der eventuelle Verkauf deckt in keiner Weise die Kosten für die Rodung und die Neuaufforstung.“

Ausschussvorsitzender Helmuth Hoen (CDU) gab weiteren Zuhörern ausgiebig Rederecht, wovon auch Gebrauch gemacht wurde. Das Wort ergriffen insbesondere Anwohner, die sich alle für den Erhalt des Wäldchen aussprachen. Es handele sich nicht nur um ein schönes und interessantes Stück Jülicher Stadtgeschichte, sondern sei mit all seinen Pflanzen von unschätzbarem Wert für die Filterung der Atemluft der Menschen in Jülich. So ist es auch im diskutierten Bürgerantrag formuliert.

Grundsätzliche Einigkeit bestand darin, dass die überhängenden Äste einiger Bäume zu den Privatgrundstücken entfernt werden sollen. „Aber kein Kahlschlag!“, sagte ein Anwohner.

Eine Anwohner-Aussage überraschte sowohl den Ausschussvorsitzenden als auch Rechtsrätin Kerstin Schippers-Haffner: „Lassen Sie die Finger von diesem Wald, das ist auch ein Friedhof.“ Der Mann deutete an, dass dort, wo jetzt das Trommelwäldchen steht, nach dem schweren Luftangriff vor 70 Jahren auf Jülich auch verschüttete Leichen begraben worden seien, die vorwiegend in der Düsseldorfer Straße begraben worden waren. „Das ist mir völlig neu“, bekannte Schippers-Haffner auf Nachfrage.

Die Mehrheit des Ausschusses folgte anschließend dem Beschlussvorgang von Dr. Lutz Baumgarten, dass der Bürgerantrag an den Fachausschuss überwiesen wird. Mit der Empfehlung, diesen nochmals zu überdenken, neu zu beraten. Denn, so formulierte es Helmuth Hoen, „die Kompetenz, einen Ratsbeschluss aufzuheben, die haben wir nicht.“

(hfs.)
Mehr von Aachener Zeitung