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An Inde und Rur: Dioxin-Suche wird intensiviert

An Inde und Rur : Dioxin-Suche wird intensiviert

Die Altlasten der Inde sind da. Und sie werden auch so schnell nicht verschwinden. Das haben Michael Krämer und Norbert Schnitzler vom Kreis Düren in ihrem Vortrag zum Thema Dioxin- und Schwermetallbelastung an der Inde vor dem Bau- und Vergabeausschuss der Gemeinde Inden erklärt.

„Da kommen Sie mit Jahrzehnten nicht hin“, sagte Krämer vom Kreisumweltamt auf die Frage eines Ausschussmitglieds, wie lange es dauert, bis sich das Problem aufgelöst hat. Die Experten vom Kreis Düren machten aber auch klar, dass die Belastung kein Problem sei, für das es keine Lösung gebe.

Die Empfehlungen, dass Kinder in den betroffenen Bereichen keinen unmittelbaren Kontakt zum Erdreich haben sollten, plus eine Liste von Nahrungsmitteln, die nicht oder nur vorbehandelt verzehrt werden sollten, bleiben bestehen. „Bis auf weiteres, bis wir genaue Werte kennen“, sagte der Gesundheitsamtsleiter Schnitzler. Auf einem Rasen könnten Kinder auch im möglicherweise belasteten Gebiet laut Krämer sorglos spielen.

Kürbisgewächse meiden

Die meisten Gewächse nähmen die Belastung nicht über ihre Wurzeln auf. Das Problem sei anhaftendes Erdreich, das belastet ist. Also: Möhren schälen, keine Pellkartoffel essen und alle erdnahen Gewächse gut waschen. Die Ausnahme seien Kürbisgewächse wie Gurke, Melone oder Zucchini, die Schadstoffe über die Wurzel aufnehmen und einlagern.

Vom Verzehr der im betroffenen Gebiet angebauten Kürbisgewächse rät Schnitzler derzeit dringend ab. „Bis die konkreten Ergebnisse vorliegen, müssen wir vorsichtig sein“, sagte er und bot an, dass verunsicherte Bürger sich jederzeit an ihn wenden könnten. Das Risiko bestehe, dass der langfristige und übermäßige Kontakt mit den Schadstoffen und der Verzehr der Schadstoffe gesundheitsschädlich sein kann.

Ob diese Sorge für Inden berechtigt ist, müssen die Untersuchungen zeigen. Schließlich sei bisher nicht mal klar, mit welchen Dioxinen das alte Überschwemmungsgebiet belastet sei. Das sei wichtig, weil der Körper die Dioxine unterschiedlich in unterschiedlicher Quantität aufnimmt.

Krämer und Schnitzler betonten aber auch, dass die Arbeit jetzt erst beginne, mit der die konkrete Belastungslage ermittelt werden soll. Bisher ist das Überschwemmungsgebiet im Bereich des Indeverlaufs vor der Begradigung in den 50er Jahren auf dem Gebiet der Gemeinde Inden untersucht worden. „Wir werden uns jetzt auch die Inde bei Kirchberg anschauen müssen“, sagte Krämer.

Aus einem einfachen Grund. Der letzte Kilometer der Inde vor der Mündung in die Rur entspricht noch dem alten Verlauf. Wenn erhöhte Dioxin- und Schwermetallwerte in Inden da gefunden wurden, wo der Fluss früher war, sei es möglich, dass das auch für die Indemündung gilt. „Und damit könnte das auch für die Rur gelten. Da werden wir von der an Indemündung abwärts auch kontrollieren müssen.“

Im Moment beginnt ein vom Kreis Düren beauftragtes Prüflabor mit dem Sammeln und Auswerten von Bodenproben, die es auf Grundstücken entnimmt, die im einstigen Überschwemmungsgebiet des alten Indeverlaufs gebaut worden sind. Das Labor schreibe die Eigentümer an und bitte um Erlaubnis, Problem sammeln zu dürfen.

Sobald reichlich Zusagen vorliegen, werden die ersten Proben genommen. Beim Kreis Düren rechnet man mit ersten Ergebnissen bis Anfang 2019. Dann sei klar, ob und wie stark die Grundstücke und hier vor allem die Gärten belastet seien. „Bis dahin gelten die Sicherheitsmaßnahmen, zu denen wir schon geraten haben“, sagte Schnitzler. Die seien aus reiner Vorsicht so gewählt, dass sie auch bei größtmöglicher Belastung greifen.

Auf Nachfrage sprach Schnitzler eine Empfehlung aus. „Im Moment würde ich im fraglichen Gebiet kein Grundstück kaufen. So lange, bis klar ist, wie die Sachlage genau ist. Dann wissen wir, was zu tun ist, dann gibt es Möglichkeiten, sich auf diesen Grundstücken zu helfen.“