Jülich: Die Stimulation mit Magnetströmen soll Depressionen ausschalten

Jülich : Die Stimulation mit Magnetströmen soll Depressionen ausschalten

Es sind zwischen 16 und 20 Prozent der Weltbevölkerung, die im Lauf ihres Lebens mindestens einmal an Depressionen erkranken. Sie können unter anderem ausgelöst werden durch Tod, Verlust des Arbeitsplatzes oder Gewalterfahrungen, aber auch genetisch bedingt sein.

Depressionen sind schwer zu erfassen und reichen von leichten Verläufen über schwere Erkrankungen bis zum Suizid. Depressionen können in wenigen Tagen behoben sein, sich aber auch über Jahre hinziehen. Schlafstörungen, Antriebslosigkeit und Freudlosigkeit sind erste Anzeichen.

Gängige Behandlungsmethoden sind in erster Linie psychotherapeutische Behandlungen und der Einsatz von Antidepressiva. Mittlerweile werden auch eine Reihe von technischen Verfahren eingesetzt, beispielsweise die Elektrokrampftherapie. Unter Narkose werden mit Elektroschocks epileptische Anfälle ausgelöst, mit denen Nervenzellen wieder ins Gleichgewicht gebracht werden sollen. Dies ist sehr aufwendig und kommt nur in speziellen Zentren zum Einsatz.

Ähnlich sieht es bei Hirnschrittmachern aus, die noch in der Erprobung sind. Eine ebenfalls recht neue Therapieform, aber weniger aufwendig als die oben erwähnten, ist die Transkranielle Magnetstimulation (TMS), wie sie auch an der LVR Klinik in Düren angeboten wird. Vor drei Jahren wurde der dort tätige Neurologe Dr. Dieter Schnabel bei einem Kongress auf diese Behandlungsmethode aufmerksam, besuchte einige Fortbildungen und erreichte die Anschaffung dieses Gerätes für sein Krankenhaus. Seit zwei Jahren wird die TMS dort stationär angewendet und rund 100 Patienten wurden zum Teil sehr erfolgreich behandelt. „Ein Drittel der Patienten zeigen sehr gute Erfolge, ein Drittel gute und bei einem Drittel bleibt eine Verbesserung leider aus“, berichtete Dr. Dieter Schnabel beim 4. Jülicher Themenabend „Psychische Gesundheit“ im Neuen Rathaus.

Regelmäßig seit 2013 lädt der Sozialpsychiatrische Dienst des Kreises an der Nebenstelle Jülich zu solch einer Infoveranstaltung ein. Ziel des Teams mit Susanne Becker, Petra Schmitz-Blankertz und Gerhard Staisch ist es dabei, sich und ihre Arbeit vorzustellen, ihre Dienststelle bekannter zu machen und für Betroffene oder Angehörige die Hemmschwelle zu senken, sich dort Rat und Hilfe zu holen. Der Sozialpsychologische Dienst ist Anlaufstelle für psychisch Kranke und ihre Angehörigen bei akuten psychischenProblemen sowie Suchtproblemen — in erster Linie bei Alkohol- und Tablettenabhängigkeit. Eng arbeitet man daher mit dem Freundeskreis Harmonie zusammen.

War die Beratungsstelle bisher im Neuen Rathaus untergebracht, ist sie umgezogen und im Alten Rathaus, Marktplatz 1, zu finden. An diesem Abend stand die TMS im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses und zahlreiche Zuhörer folgten den Ausführungen von Dr. Schnabel. Er stellte kurz sich und die LVR Klinik vor, die über mehr als 700 Betten verfügt und jährlich rund 6000 Patienten behandelt. Er leitet den neurologischen Fachbereich und beschäftigt sich mit Störungen des Gehirns und des Nervensystems im organischen Bereich.

Fünf Behandlungsplätze

Depressionen zählen zu den neuronalen Netzwerkstörungen und werden in Düren psychotherapeutisch und medikamentös behandelt. Mit fünf Behandlungsplätzen können indes nicht alle Erkrankte auch mit TMS behandelt werden. In einem kurzen Film verdeutlichte Schnabel, wie zunächst der Dorsolaterale Prefrential Cortex, der Zugang zur Gefühlsebene des Gehirns gesucht wird, durch den anschließend die Magnetströme geleitet werden. Fünf Sekunden dauert eine Stimulation, dann folgen eine 25-sekündige Pause und eine erneute Stimulation. Eine Behandlung dauert rund 20 Minuten immer im Wechsel. Zwei bis sechs Wochen lang wird dies täglich wiederholt.

Nach zwei Wochen sollten sich erste Erfolge einstellen. Außer vielleicht einmal leichte Kopfschmerzen, die schnell wieder vergehen, hat diese Behandlung keine Nebenwirkungen. Allerdings sei vieles noch nicht erforscht, sagte der Mediziner. So ist auch noch nicht klar, wie lange diese Behandlungserfolge anhalten.

Groß war das Interesse der Zuhörer an dieser Therapie und Dr. Schnabel hatte im Anschluss an seinen Vortrag noch viele Fragen zu beantworten.

(Kr.)
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