Linnich: Die Rurstraße im Wandel der Zeiten

Linnich : Die Rurstraße im Wandel der Zeiten

Der Linnicher Geschichtsverein 1987 konnte über 70 Gäste bei der Vortragsveranstaltung zur Geschichte der Rurstraße begrüßen. Referent Heinz-Martin von dem Broch ist in der Rurstraße aufgewachsen. Sein Interesse an der Geschichte seiner Heimatstadt hat er von seiner Mutter geerbt, die Linnich vor und nach dem Krieg fotografierte bzw. fotografieren ließ. Kurzes Stück

Die ursprüngliche Rurstraße hatte keineswegs die Ausdehnung von heute. Sie reichte von der Kreuzung Altwyk/Löffelstraße gerade einmal bis zur Stadtmauer. Außerhalb befand sich lange Zeit nur die Mühle.

Linnich war ein verwinkeltes Städtchen. Bild oben zeigt die Rurstraße mit der Mühle Weitz, dem heutigen Sitz des Glasmalerei-Museums. — Gänzlich verschwunden aus dem heutigen Stadtbild sind das Elektrizitätswerk an der Rur (unten links) und die Bürgerhalle mit Café auf dem heutige Sparkassengelände. Foto: Archiv von dem Broch

Nach der ersten „Ausbauphase“ bildeten um 1820 der spätere Rheinische Hof und das Haus Matzerath/Kastenholz den Schlusspunkt. 1898 entstand auf dem Gelände des heutigen Hausarztzentrums die Molkerei, 1913 in direkter Nachbarschaft das Postgebäude.

Linnich war ein verwinkeltes Städtchen. Bild oben zeigt die Rurstraße mit der Mühle Weitz, dem heutigen Sitz des Glasmalerei-Museums. — Gänzlich verschwunden aus dem heutigen Stadtbild sind das Elektrizitätswerk an der Rur (unten links) und die Bürgerhalle mit Café auf dem heutige Sparkassengelände. Foto: Archiv von dem Broch

Um 1900 entstand an der Rurbrücke das Linnicher Elektrizitätswerk. Mitte der 1920er Jahre übernahm allerdings RWE die Stromversorgung für Linnich.

Heinz-Martin von dem Broch ließ eine große Besucherzahl teilhaben an seinem Blick in die Vergangenheit. Foto: Patrick Schunn

Die Rurstraße war über lange Zeit auch wirtschaftliches Zentrum der Stadt. Hier befanden sich neben der Mühle und der Molkerei auch Gerbereien, Wagenbauunternehmen, eine Kaffeerösterei sowie eine Vielzahl von Gastronomen und Einzelhändlern. Dort, wo sich heute die Sparkasse befindet, stand die erste Linnicher Bürgerhalle mit Café und Außengastronomie. Auf der anderen Rurstraße, auf dem heutigen Gelände der SIG, stand der Schützenhof. In dessen Tanzsaal war zeitweise eine Näherei der Firma Flörsheim und Co. untergebracht. Kriegsschäden

Während des Zweiten Weltkriegs befand sich auf der Höhe des heutigen Kreisverkehrs vor SIG Combibloc ein Bunker. Bei einem alliierten Luftangriff am 8. Oktober 1944 wurden die obere Rurstraße, die Löffel- und Marktstraße sowie der Kirchplatz schwer beschädigt.

Nach dem Krieg entschied sich die Stadt, die Löffelstraße und die obere Rurstraße, die an den Kirchplatz grenzte, zurückzuversetzen. An dieser Straßenflucht hat sich bis heute nichts verändert.

Der Linnicher Geschichtsverein setzt sich im Rahmen der Innenstadterneuerung dafür ein, die alte Straßenführung beziehungsweise den alten Standort des Rurtors kenntlich zu machen. Denn: Wer die Zukunft gestalten will, der muss in der Vergangenheit blättern.

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