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Jülich: Die Rückkehr jüdischen Lebens

Jülich : Die Rückkehr jüdischen Lebens

Aus Anlass des Tages der Befreiung von Auschwitz (27. Januar 1945), der am 3. Januar 1996 durch die Proklamation des Bundespräsidenten Prof. Dr. Roman Herzog zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus erklärt wurde, veranstaltete die Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz gemeinsam mit dem Mädchengymnasium Jülich (MGJ) einen „Tag der Begegnung”.

Zum Thema „Begegnungen” erstellten Schülerinnen des MGJ eine Ausstellung, die am Dienstagabend im Neuen Rathaus eröffnet wurde und bis zum 24. Februar zu besichtigen ist.

Zur Vernissage zitierte Bürgermeister Heinrich Stommel in Anlehnung an den Gedenktag Fritz Bauer, der als hessischer Generalstaatsanwalt den Auschwitz-Prozess vorbereitete, mit den Worten: „Wir können aus der Erde keinen Himmel machen, aber jeder von uns kann etwas tun, dass sie nicht zur Hölle wird.”

Stommel dankte allen Beteiligten für ihr Engagement für die Menschlichkeit und gegen das Vergessen, besonders aber der Jülicher Gesellschaft und dem MGJ, die diesen Gedenktag mit Sinn erfüllte.

MGJ-Schulleiterin Ines Nagelschmitz gab Erläuterungen zu den Werken der Schülerinnen der Grundkurse 13 und 11, die sich im Unterricht mit dem Thema „Begegnungen” auseinander setzten und unter Verwendung verschiedener Materialien in Bildern, Skulpturen und Drucken umsetzten.

Im Rahmen der Vernissage referierte der TV-Journalist Micha Guttmann, in den Jahren 1989 bis 1992 Generalsekretär des Zentralrates der Juden, zum Thema „Jüdisches Leben heute - unter Polizeischutz?”. Bildhaft berichtete er über die Vertreibung der Juden aus Deutschland und ihre Motivation zur Rückkehr nach Deutschland.

Jüdisches Leben in Deutschland war für Jahrzehnte „unsichtbar”. Nur wenige Juden fanden nach den Morden der Nazis den Weg zurück nach Deutschland, doch der Zusammenbruch des Ostblocks veranlasste viele wieder nach Deutschland zu streben.

Gefährdet

Guttmann sprach über seine eigenen Jugenderlebnisse und davon, dass das jüdische Leben in die deutschen Innenstädte zurückgekehrt sei. Doch auch jetzt ist das jüdische Leben wieder gefährdet. Personen- und Objektschutz gehören zur traurigen Wirklichkeit des Alltags. Er stellte die Frage, ob jemals wieder auf Polizeischutz verzichtet werden könne.

Bevor die Vernissage mit einem Beitrag des MGJ-Mittelstufenchores endete, ließ es sich die Jülicher Gesellschaft gegen das Vergessen und für die Toleranz nicht nehmen, die Schülerinnen der Klasse 10c und ihren Lehrer Alfred Kupper für ihr Engagement zur Andacht an der Gedenktafel (9. November) auszuzeichnen. Ein besonderer Dank galt Anne Gatzen, die die Vernissage vorbereitet und organisiert hat.