Geschäfte an der Aachener Straße: Die Parkscheibe ist auch für Kunden Pflicht

Geschäfte an der Aachener Straße: Die Parkscheibe ist auch für Kunden Pflicht

Unser Leser ist schon betagt und war empört, als er sein Erlebnis schilderte. Er wohnt zwar inzwischen in Linnich, hatte aber einen Discounter an der Aachener Straße in Jülich angesteuert.

Als er nach seinem Einkauf zum Wagen zurückkam, prangte eine Knolle unter dem Scheibenwischer. 30 Euro sollte der Senior zahlen. Es wimmelte von Leuten, die sich beschwert haben, erinnert er sich an seinen „teuren“ Einkauf.

Er gehört damit zu den Opfern einer Regelung, die zunehmend um sich greift. Damit ihre Parkplätze nur noch von Kunden und für eine beschränkte Zeit genutzt werden, gehen immer mehr Geschäfte dazu über, ihren Parkraum zu bewirtschaften.

Drei Läden teilen sich Parkplatz

An der Aachener Straße in Jülich sind das der Textildiscounter kik, die Getränkemarkt-Kette trinkgut und Lebensmittel-Discounter Norma, die sich einen gemeinsamen Parkplatz teilen. Da dieser nahe der Innenstadt liegt, waren offenbar viele versucht, hier unentgeltlich ihr Fahrzeug abzustellen, statt für die Benutzung städtischen Parkraums einen Parkschein zu erwerben.

Das ist nun kaum noch möglich. „Unsere Parkplätze werden kontrolliert“, prangt auf den Schildern an den Eingangstüren der drei genannten Geschäfte, wo auch gleich das „Strafmaß“ ausgewiesen ist: „Widerrechtliches Parken wird mit einer Vertragsstrafe von mindestens 30 Euro belegt.“ Dazu noch die Aufforderung: „Bitte legen Sie Ihre Parkscheibe aus und vermeiden Sie so unnötige Kosten.“ Die Höchstparkdauer mit Scheibe beträgt eine Stunde.

Klare Ansage: Kunden werden beim Betreten der Geschäfte unmissverständlich auf die neue Regelung hingewiesen, die von Überwachungskräften mit Verwarnungen geahndet wird. Foto: Wolters

Zusätzlich sind auf dem Parkplatz insgesamt sieben große Schilder aufgestellt worden, die auf die Parkscheibenpflicht hinweisen, die nach Angaben von Beschäftigten seit Mitte Dezember gilt.

Übernommen worden ist die Bewirtschaftung des Parkraums, die auch die genannten Kontrollen einschließt, von der Stuttgarter Firma Park & Control, die ihre Parkraumlösungen für die Optimierung von Flächennutzung und Auslastung bundesweit anbietet.

Das Unternehmen ist auch Ansprechpartner für Kunden, die mit dem Parkentgelt gar nicht einverstanden sind, weil sie vor dem Einkauf die Beschilderung eben nicht wahrgenommen haben. Auf der Homepage www.park-control.de gibt es über die Kontaktmöglichkeit die Chance, das geforderte Geld zurück zu bekommen. Dazu müssen lediglich das amtliche Kennzeichen und ein Scan der Kaufquittung nebst Name und Anschrift übermittelt werden.

Kunden nicht abschrecken

Diese Möglichkeit wird echten Kunden allein deshalb eingeräumt, um mit der lästigen Parkscheibenpflicht die Leute nicht nachhaltig abzuschrecken. Schließlich ist es schnell passiert, dass ein Hinweisschld überlesen wird oder man nur schnell eine Kleinigkeit besorgen wollte. Zudem sind 30 Euro bei einem Verstoß schon ziemlich happig, zumal es in geringer Entfernung einen Discounter gibt, der seinen Parkplatz (noch) nicht auf diese Weise ausschließlich für seine Kunden reserviert.

Besagter Senior hat die 30 Euro überwiesen und den Vorfall „inzwischen vergessen“. Ob er weiter bei Norma einkauft, darf aber bezweifelt werden.