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Jülich: Die Papierkunst ist keineswegs von Pappe

Jülich : Die Papierkunst ist keineswegs von Pappe

Ist Petrus doch eine Frau? Zumindest ließ das Wetter beim 11. Kunsthandwerkerinnenmarkt auf dem Jülicher Schlossplatz dies vermuten. Pünktlich zu diesem Ereignis schloss er die Regenschleusen.

Und einmal ganz ehrlich: Ein Bummel durch die ausgedehnten Budenstraßen macht besonders bei schönem Wetter Spaß. In Ruhe konnten die Besucher die ausgestellten Waren begutachten, einen Plausch mit den Künstlerinnen halten und so manchen Kauf tätigen.

Hinzu kommt noch, dass die Sonne das vielfältige und farbenfrohe Angebot erst so richtig in Szene setzte. Kühle Getränke, Kaffee und Kuchen sowie internationale Spezialitäten, die auf dem Platz frisch zubereitet wurden, schmecken ebenfalls im Sonnenschein besser.

Dabei durfte man sich an der Musik der Gruppe „Pro Secco” erfreuen und später der Squaredance Gruppe „Run away boots” beim Tanz zusehen.

Doch selbst Regen hätte das in diesem Jahr bevorzugte Arbeitsmaterial der Künstlerinnen, „Papier”, nicht in Gefahr gebracht. Es fand in den verschiedensten Bereichen Anwendung und war durchweg wetterfest gemacht. Papier zu Schmuck verarbeitet, als Handtaschen und Tragetaschen, Fotoalben und Tagebücher aus selbst gepresstem Papier, Fotografien und Bilder, Raumobjekte und vieles mehr.

Aufsehen erregten die bunten, lebensgroßen Pappmaché-Figuren der Künstlerin Helen Wissen. Der Clou war zweifellos das Brautkleid aus Textilpapier von den beiden Modedesignerinnen Heike Keutzer und Diana Mulia Dharma. Sie schneidern und entwerfen sowohl Alltagskleidung als auch große Abendgarderobe, alles aus Papier. Sie garantieren, dass ihre Modelle absolut wetterfest und sogar waschbar sind.

Zumeist auf Bestellung arbeitet Sabine Grotten-Thal, die auf dem Markt allerdings lediglich ihre Armstulpen, Handtaschen und handbemalte Schirme mit gebracht hatte. Natürlich durften einige Hutmacherinnen und Designerinnen nicht fehlen, denn vieles drehte sich in diesem Jahr um die Mode.

Daneben gab es wieder eine reiche Auswahl der verschiedensten Kunstgewerbe, von der Seidenmalerei über Keramik, Schmuck bis hin zur Floristik und vieles mehr.

So manche Künstlerin hatte ihr Handwerkszeug gleich mitgebracht und ließ sich bei der Arbeit über die Schulter schauen. Da waren beispielsweise drei Damen aus Aachen, die seit 30 Jahren die tollsten Sachen aus Peddigrohr fertigen und sogar Stuhlsitze neu bespannen. Der Erlös ihrer Arbeit wird für Hilfsprojekte in Brasilien und Peru verwandt.

Ein gutes Händchen bei der Auswahl der Gewerke durfte man mit Fug und recht den beiden Organisatorinnen Brigitte Habig und Katarina Esser bescheinigen, die von Margarete Wassenhoven unterstützt wurden. Sie hatten die Qual der Wahl, denn ihr Markt hatte mittlerweile so weite Kreise gezogen, dass sie unter 400 Bewerberinnen nur jede zweite berücksichtigen konnten. Teilweise reisten sie von weither an,. Auch die Besucher, die in Scharen kamen, hatten teilweise weite Wege auf sich genommen.