Barmen: „Die 12 Geschworenen“: Dramatisch-drastische Bühnenkunst

Barmen : „Die 12 Geschworenen“: Dramatisch-drastische Bühnenkunst

Der Literaturkurs des Gymnasiums Haus Overbach (GHO) hat die Ergebnisse der Arbeit eines Schuljahres auf die Bühne gebracht. Da der Kurs mit über 30 Schülern außerordentlich gut besucht gewesen sei, wie Literaturlehrer Henning Achenbach sagte, widmeten sich die Teilnehmer des Schulfaches gleich mehreren Themen.

Das Hauptprojekt bildete das Stück „Die 12 Geschworenen“, im Original „Twelve Angry Men“ von Reginald Rose. Dabei saßen die zwölf Schauspieler, die eben jene Geschworene darstellten, in einem Halbkreis an ihren Arbeitstischen zum Publikum.

Nach einigen Tagen im Gerichtssaal mussten sie ihr Urteil fällen: Hat der Junge, namenlos wie die Geschworenen, den Mord an seinem Vater durch Erstechen begangen, oder nicht? „Stimmen wir für schuldig, schicken wir den Angeklagten auf den Elektrischen Stuhl“, ließ der erste Geschworene, gespielt von Philipp Langen, verlauten und zog an seiner Zigarette. Während der Qualm emporstieg, stimmten die Geschworenen ab. Nur eine Stimme für unschuldig. Der Rest der Geschworenen hielt den Jungen für einen Mörder und nahm die Todesstrafe in Kauf.

Allerdings muss das Urteil der Geschworenen einheitlich sein, um wirksam zu werden. Die Diskussion entbrannte. Dabei kristallisierte sich der Streit zwischen zwei Geschworenen heraus.

„Dieser Junge ist ein allgemeingefährlicher Mörder“, trat die Geschworene Nummer drei (Leah Biermann) in ihrer aggressiven Art dem Votum „unschuldig“ entgegen. Der Ursprung der Stimme für den Freispruch ist die Nummer acht (Luna Wooning). „Ich weiß nicht, ob ich den Aussagen des Jungens glaube. Ich kann nicht einfach jemanden in den Tod schicken. Es geht um ein Menschenleben.“ „Den hätte ich auch geschlagen“, sagte die Nummer sieben (Bernardo Reinartz) nach einem Plädoyer der Nummer acht über die schwierige Jugend des Jungens, in der er auch geschlagen worden sei. Die größte Sorge von Nummer sieben: Er ist im Begriff, das Baseballspiel zu verpassen.

Mehr und mehr tauchten Zweifel an vermeintlichen Beweisen auf. „Warum hat der Junge die Mordwaffe, die ihm klar zuordenbar ist, bei seinem Vater gelassen?“, wunderte sich einer. Weitere Geschworene plädieren aufgrund begründeten Zweifels nun auf unschuldig.

Aufkommende Zweifel

Auch an Aussagen von Zeugen, die den Jungen am Ort des Geschehens gesehen haben wollen, kommen Zweifel auf, bis schließlich nur noch Geschworene Nummer drei brüllte: „Ihr habt jeden Beweis einmal rumgedreht, bis das Gegenteil stimmte. Der Junge ist ein verkommenes Subjekt. Mein Sohn hat mich erstechen wollen. Der Junge ist doch genauso.“ Andere Geschworene hielten die Wütende vor Nummer acht zurück, um eine Prügelei zu verhindern. Dann setzte sich Drei wieder an den Tisch, vergrub das Gesicht in den Händen und sagte: „Nicht schuldig.“ Das Urteil war gefällt. Unter dem Applaus des Publikums verließen die Akteure die Bühne. Neben den Genannten spielten die weiteren Geschworenen Lukas Schultz-Balluff, Chiara Longobucco, Robin Timberg, Lena Rau, Marc-André Hein, Nils Follmann, Lisa Stockem, Lea Kehren, Sophie Oellers, Gina Dahmen und Timo Schyns.

Der Literaturkurs hatte noch mehr vorbereitet. Zum einen brachte eine Gruppe unter dem Motto „Aus Alt mach Neu“ bekannte Szenen aus „Pygmalion“ von Shaw und „Romeo und Julia“ von Shakespeare dar. Auf der Bühne spielten hierbei Anna Spelthann, Lisa Schmitz, Ronja Ziegenhagel, Ana Lena Dreßen, Sarah Küppers und Lucien Gittner.

Gittner mimte dabei, nach dem Original, den Romeo in einer Balkonszene aus „Romeo und Julia“. „Theater als Fach ist eine interessante Erfahrung“, sagte er zu dem Literaturkurs und weiter: „Besonders die erste Jahreshälfte, als wir die Grundlagen des Schauspiels gelernt haben, war cool.“

„Eine Verfremdung dieser Balkonszene spielte in der DDR und BRD, wo die Liebenden durch die Mauer getrennt sind“, erklärte Lehrer Achenbach die Modulation der Originalszene. In Gegenwart versetzt, kommunizierten Romeo und Julia per Telefon von ihren Wohnzimmern aus — die Bühne durch eine Mauer zweigeteilt.

Die Filmgruppe zeigte ihre Show „Trashtalk“ die sich in zwei Videosequenzen mit den Debatten zum Veganismus und Frauenrecht beschäftigten. Bei dem Teil zu Veganismus etwa saß eine Gruppe von fünf Personen im Fernsehstudio. „Tiere töten auch andere Tiere. Bis jetzt hat sich noch kein Tier bei mir beschwert, dass ich gegessen habe“, sagte ein Fleischliebhaber in der Show — das Publikum kicherte zu den eingespielten, überdrehten Lachern im Video. Drastisch und nicht jedermanns Geschmack waren Szene des Metzgers mit Blut verschmiertem Gesicht oder der einem Veganer aufgezwungene Verzehr eines Mettbrötchens.

„Zu unseren Themen gibt es viele Missverständnisse und verschiedene Meinungen. Indem wir Extreme vorstellen, zeigen wir, dass sie nicht richtig sind“, sagte Rodon Prikhodovsky, der im Film mitspielte. Des Weiteren waren in der Talkshow die Rollen mit Leah Biermann, Niklas Krahe, Mira Küpper, Noa Jansen und Philipp Reichhart besetzt.