Jülich: Dicht ist das Freifunk-Netz noch nicht

Jülich: Dicht ist das Freifunk-Netz noch nicht

„Wir wollen freies Internet für alle“. Das sagt Funkspezialist Jürgen Rinne von der Jülicher Freifunk-Community und spricht in diesem Zusammenhang sogar von Nächstenliebe. Von Wissen und Kontaktmöglichkeiten des Internets sollen auch diejenigen profitieren können, die es sich nicht leisten können.

Dazu zählen natürlich auch die vielen Flüchtlinge — diese Ansicht habe sich inzwischen auch im Landtag durchgesetzt.

Denn: „Das soziale Spannungsgefüge muss aufgelöst werden, sonst knallt es irgendwann“, da sind sich die Freifunker einig. Zur Kerngruppe der Jülicher Community, die in der Kuba-Kneipe regelmäßige Treffen installieren will, zählen zudem Programmierer Gerd Heidenreich, die IT-Experten Benedikt Hoss und Uwe Weitz und nicht zuletzt Klaus Pfeiffer, der sich unter anderem für mehr Demokratie und Sparsamkeit engagiert. Die Sparsamkeit ist hier der Überschneidungspunkt: „Wir bekommen ein dichtes Netz, wenn viele mitmachen“.

„Zickzackverbindungen“

Auf der Achse Kleine Rurstraße — Kölnstraße gibt es bereits einige erfolgreiche „Hotspots“, aber von einem dichten Netz sei die Jülicher Innenstadt noch weit entfernt. So sei etwa die Kölnstraße anbindungsmäßig „ein harter Brocken“. Für ein stabiles WLAN-Netz werden „Zickzackverbindungen gebraucht“, wie Pfeiffer auf der Übersichtskarte „Zugangspunkte“ der Internetseite „freifunk juelich.de“ zeigt. Hier sind grüne Linien „gute Verbindungen“, rote „ganz schlimm“ auf der Vernetzungsebene. Freifunkanbieter erwerben lediglich einen freifunk-kompatiblen Router und installieren darauf die regionale Freifunk-Software. Der WLAN-Router wird an den bisherigen Router angeschlossen. Auch ohne eigenen Internetanschluss kann er als Brücke zwischen benachbarten Routern eingesetzt werden. So wird die Vermaschung (Mesh) des Netzes erhöht.

Unterstützung aus Linnich

Die Jülicher Freifunk-Community besteht seit Januar und wird von vier aktiven Linnicher Freifunkern unterstützt. Ihr sei es gelungen, dass der allgemeine Ratsbeschluss für freies WLAN in Jülich spezifiziert wurde „und nun Freifunk meint“. Die Community betreibt Server, pflegt die Freifunk-Software, berät Interessierte gerne beim Kauf von Freifunk-kompatibler Hardware, richtet Router ein und unterstützt „digitale Gastgeber“ bei der Installation der Router in bestehenden Netzen.

Sie ist über ihre Mitglieder eng mit dem „Freifunk Rheinland“ verbunden, einem gemeinnützigen Verein, der sich über Mitgliedsbeiträge und Spenden finanziert. Beim Aufruf „Werden Sie auch ein digitaler Gastgeber“ zitiert Pfeiffer den Vorsitzenden des Stadtmarketingvereins, Wolfgang Hommel. Der „Witz daran sei: „Verlässt ein Gastgeber seine Wohnung, kann er selbst zum Gast werden, und sich, sofern das Netz dicht genug geknüpft ist, frei in der Stadt und frei im Internet bewegen“.

Mit einmaligen Anschaffungskosten von rund 60 Euro und minimalem Wartungsaufwand, ohne teure Lizenz- oder Supportverträge, ohne Passwortvergabe und, ganz wichtig, ohne Störerhaftung können Unternehmer ihren Kunden und private Haushalte ihren Gästen freies WLAN bieten.

Weitere Vorteile sind automatische Software-Updates. Die Jülicher Community kümmert sich um Freifunkanbindungen auf der gesamten „Autobahnseite Richtung Jülich“. Die Nutzung des Freifunks ist im Übrigen ganz einfach. Der „Gast“ wählt in den WLAN-Einstellungen seines Handys, Laptops oder Tablets das Netzwerk „Freifunk“ aus und ist barrierefrei im Netz. Übertragene Daten werden nicht aufgezeichnet!

Großes Interesse

Das erste Treffen der Community in der KuBa-Kneipe, wo sich ein leistungsstarker Router im Technikraum befindet und drei weitere kleine Router im Gebäude, stieß bei der Jülicher Community bereits auf großes Interesse. Einige der zahlreichen Käufer von Karten für die „Lametta-Sitzung“ ließen sich einen Flyer aushändigen oder setzten sich sogar gleich in die Runde der IT-Experten, um sich zu informieren.

Kontakt: www.freifunk-juelich.de, Telefon 02461/317 4595, E-mail: kontakt@freifunk-juelich.de.

(ptj)