Linnich: Deutschland-Debüt des Pianisten in Linnicher Salon

Linnich: Deutschland-Debüt des Pianisten in Linnicher Salon

Eine schöne Idee, wenn der Verein „Kultur ohne Grenzen“ recht regelmäßig junge internationale Künstler für Konzerte in musikbegeisterten Linnicher Haushalten engagiert.

Damit ist dem hochbegabten Nachwuchs, dem jede Aufführungsmöglichkeit willkommen ist, gedient, aber auch den vielen Gästen, die in den kostenlosen Genuss hochwertiger Konzerte kommen und zugleich in der privaten Atmosphäre der Gastgeber zusätzliche Kontakte pflegen können. Diesmal traf man sich im geräumigen Wohnzimmer der Familie Gutrath, und an den Steinway setzte sich mit dem gebürtigen Vietnamesen Quang Hong Luu ein junger Mann, der bereits auf zahlreiche Wettbewerbserfolge und internationale Auftritte inklusive Asien und Australien zurückblicken kann. In Linnich gab er sein Deutschland-Debüt.

Und der Musiker schenkte sich angesichts des anspruchsvollen Programms nichts. Angefangen von der spieltechnisch überschaubaren, aber gestalterisch schwierigen Beethoven-Sonate op. 3 Nr. 2, gipfelnd in den virtuosen Husarenritten von Franz Liszts 1. Mephisto-Walzer. Mit Werken von Beethoven, Rachmaninow, Skrjabin, Chopin und Liszt präsentierte er eine umfassende Visitenkarte seines Repertoires, die nicht nur die Fähigkeiten des Pianisten extrem fordert, sondern auch den Flügel und die räumlichen Bedingungen. Und da setzt selbst ein üppiger Salon wie der der Familie Gut­rath gewisse Grenzen, wenn dem Instrument, wie im Falle des Liszt-Leckerlis, geradezu orchestrale Opulenz entlockt werden soll.

In Kauf nehmen muss man dabei schon, wenn Quang Hong Luu auf diesem Instrument nicht alle nötigen Anschlagsnuancen umsetzen kann, die man sich für Chopins melancholische Mazurka op. 17 Nr. 4 wünschen mag. Und auch der Chopin-Polonaise op. 53 bleibt das Instrument ein Rest an klanglicher Brillanz schuldig. Was natürlich auch für schillernde Miniaturen wie die „Deux Poèmes“ op. 32 des russischen Komponisten und Mystikers Alexander Skrjabin gilt.

An spieltechnischer Versiertheit mangelte es dem Vietnamesen in keinem Takt. Gleichwohl stellte Beethoven mit seiner frühen Sonate op. 3 Nr. 2 die größte musikalische Herausforderung. Ein formal groß dimensioniertes, vor allem im Kopfsatz thematisch recht zersplittertes Werk, das einerseits nach einer individuellen Prägung der vielen unterschiedlichen Motiv-Segmente verlangt, andererseits nach einer stilistischen Geschlossenheit. Was den ersten Teil der schwierigen Aufgabe angeht, ließ die Interpretation keinen Wunsch offen. Allerdings setzte Quang Hong Luu so starke klangliche, dynamische und stilistische Kontraste, dass der formale Zusammenhalt nicht immer gelingen wollte, was einem jungen Musiker wie ihm freilich nicht angelastet werden kann. Die Beschäftigung mit den Beethoven-Sonaten, egal aus welcher Schaffensperiode, bleibt für jeden Pianisten eine Lebensaufgabe.

Ein Konzert in einer angenehmen Atmosphäre, das die Gäste mit reichlichem Beifall bedachten.

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