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Jülich/Berlin: Der Zweite sagt, er sei der Erste gewesen...

Jülich/Berlin : Der Zweite sagt, er sei der Erste gewesen...

Er meldete sich am Montag als Zweiter zu Wort, war aber schon als Erster da, wie er anmerkte: Dietmar Nietan aus Düren, SPD-Bundestagsabgeordneter.

Es geht um das Systeminstandsetzungszentrum (SIZ) 800 in Jülich, das Nietans Konkurrent, CDU-MdB Thomas Rachel - auch aus Düren - am Freitag besucht hatte. Nietan war bereits am 14. Oktober in derselben Mission beim Personalrat, hielt sich aber vereinbarungsgemäß in der Öffentlichkeit zurück.

Beide Male ging es unter anderem um das so genannte Leistungslohnverfahren und drohende gravierende Einbußen in Höhe von bis zu 25 Prozent für die Arbeiter, weil das Werk möglicherweise nicht mehr ausgelastet wird.

Rachel will in einer Anfrage ans Verteidigungsministerium Näheres klären und sich für die Beschäftigten einsetzen. Nietan hat schon an den Parlamentarischen Staatssekretär Wagner geschrieben - am 19. Oktober. Bei der Anfrage geht es neben Leistungslohnverfahren und Auftragsauslastung auch um die Möglichkeit von Altersteilzeit.

Die „sachgerechte Antwort” und die damit verbundenen eingehenden Recherchen nehmen aber „einige Zeit in Anspruch”, ließ der zuständige Referatsleiter Oberst Ingbert Herzog zwischenzeitlich Nietan wissen.

Ob Rachel einen Durchschlag der Antwort an Nietan erhält oder umgekehrt? Nun, das „Hase-und-Igel-Spiel” sollten die beiden Parlamentarier untereinander ausmachen...

Zur Sache: Nietan betont, dass es „keinen Automatismus” in Sachen Auftragsvergabe gebe. Die weitgehende Privatisierung der Heeresinstandsetzungslogistik und die Partnerschaft mit der Industrie - das SIZ ist daran nicht beteiligt - habe nicht zur Folge, dass die Jülicher in die Röhre gucken. „Da geht es um ganz andere Aufgaben”, so Nietan. So befasse sich das SIZ ohnehin nicht mit Panzer- bzw. Kettenfahrzeugen.

Und ein Seitenhieb Richtung Rachel folgt sogleich. Nietan freue sich zwar, dass Rachel gegen Einkommensverluste der SIZ-Arbeiter kämpfe. Allerdings fordere Rachel „als Vertreter eines Wirtschaftsverbandes” und seitens der CDU generell die Rückkehr zur 40-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich. Laut SPD-Abgeordnetem solle sich Rachel besser konsequent für den Erhalt der 38,5-Stunden-Woche einsetzen.

Und was wäre aus Sicht der SIZ-Beschäftigten das Beste? Rachel und Nietan zögen an einem Strang.