Der Wochenmarkt in Jülich bekommt ab September eine neue Ausrichtung

Neue Ausrichtung : Ein „kleiner Wurf“ für den Jülicher Wochenmarkt

Der Jülicher Wochenmarkt soll zunächst keine neue Infrastruktur bekommen. Ab September soll es aber wohl eine neue Ausrichtung geben.

Donnerstag, 11 Uhr. Ja, es ist Wochenmarkt. Auch, wenn man ihn suchen muss. Auf dem Marktplatz herrscht gähnende Leere, der Wochenmarkt als belebendes Element funktioniert an diesem Tag nicht. Anders sieht es in der Kölnstraße aus: Textilienstände, ein Käsestand, ein Fleischstand und mittendrin ein Infostand einer Kita, an dem ganz viele Kinder rumwuseln. Dass der Wochenmarkt attraktiver sein könnte, weiß man auch bei der Stadt Jülich.

Rückblende: Im August vor einem Jahr hat eine kurze Mitteilung in unserer Ausgabe durchaus für Wirbel gesorgt. Damals teilte die Stadt mit, dass der Markt in Richtung Kirchplatz erweitert werden würde. „Auf diese Weise wird der Markt gestreckt und eine angenehmere Atmosphäre geschaffen. Dazu gehören ein Stand mit Textilien, ein Blumenstand sowie ein Stand mit Uhren, die an die Stände auf dem Marktplatz und an der Mariensäule anschließen. Die Umstellung erfolgt testweise und in Absprache mit den Marktbeschickern“, hieß es damals. Nur: Die Marktbeschicker waren sauer, fühlten sich nicht ausreichend eingebunden.

„Seitdem treffen wir uns regelmäßig mit den Vertretern der Marktbeschicker“, sagt Jülichs Dezernent Richard Schumacher. Mit ihm Boot ist mit Hans Pinell der Leiter des Ordnungsamtes, das Jülicher Stadtmarketing, die Werbegemeinschaft und die Straßengemeinschaft Kleine Rurstraße. Das erklärte Ziel: Den Wochenmarkt so attraktiv wie möglich zu gestalten – für eine Übergangszeit.

Kunden und Marktbeschicker

Dezernent Richard Schumacher: „Wir sind als Stadt natürlich sehr daran interessiert, einen Wochenmarkt anzubieten, der alle zufriedenstellt – Kunden und Marktbeschicker. Der große Wurf kann aber erst mit dem Integrierten Handlungskonzept kommen.“ Erst dann lohne es sich beispielsweise, in die Infrastruktur einzugreifen, für ausreichend Strom- und Wasseranschlüsse zu sorgen, Marktstände konzeptionell neu anzulegen. Bis dahin muss es der kleine Wurf tun.

Bei dem ist der Handlungsspielraum begrenzt, wie Hans Pinell verdeutlicht: „Natürlich hat es schon viele Überlegungen gegeben. Etwa die Stande so anzuordnen, dass sie Rücken an Rücken stehen und man um sie herumgehen kann. Das scheitert aber momentan daran, dass wir Fluchtwege freihalten müssen.“

Was die Belebung des Marktes ebenfalls aus Sicht der Stadt erschwert, ist ein ganz anderer Punkt. Die Zahl der Bewerber hält sich eher in bescheidenen Grenzen. Pinell: „Wir wollen einen grünen Wochenmarkt anbieten, also nicht den dritten oder vierten Marktbeschicker mit Textilien neu aufnehmen.“ Aber gerade im Bereich der Versorgung mit Lebensmitteln ist die Nachfrage bei den Kunden nicht so hoch, dass weitere Anbieter in Jülich Geld verdienen könnten.

Versuche hat es in der Vergangenheit bereits gegeben, und sie sind sehr unterschiedlich verlaufen. Zwar gibt es auch die Erfolgsgeschichte, dass ein Marktbeschicker sich ob der guten Verkaufszahlen in Jülich ein eigenes Geschäft zu eröffnen, umgekehrt konnten lokale Anbieter bei Lebensmitteln, die bereits mit einem Laden in Jülich vertreten sind, auf dem Wochenmarkt keine zusätzlichen Kunden gewinnen.

Den Feierabendmarkt

Dabei gibt es noch ganz andere Erfolgsstorys: Den Feierabendmarkt etwa, der in schöner Regelmäßigkeit nahezu überrannt wird. Richard Schumacher: „Der spricht eine andere Zielgruppe an, lockt viele jüngere Menschen aus den Ortsteilen an und hat auch deshalb Erfolg, weil die Veranstalter mit dem Wetter bisher richtig Glück hatten.“ Das zeigt, dass die Werbegemeinschaft mit der Mischung aus Musik, einer Kleinigkeit zu Essen und alkoholischen Getränken den richtigen Weg beschreitet.

Schumacher: „Natürlich können wir nicht für den Wochenmarkt jetzt auch Essen oder Bier und Wein anbieten. Dann würden wir uns gegenseitig Konkurrenz machen. Aber einzelne, kleine belebende Elemente sind vorstellbar.“ Das sieht Hans Pinell genauso: „Wir sind für viele Ideen offen.“

Einen weiteren Test zur Belebung des Wochenmarktes wollen Schumacher und Pinell in Absprache mit den Partnern ab dem 14. September starten. Dann sollen die Stände möglichst so angeordnet werden, dass der Bereich vom Alten Rathaus und der gegenüber liegenden Bäckerei bis zur Marktplatzmitte an jedem Markttag das Zentrum bilden und daran anknüpfend die weiteren Stände aufgebaut werden.

„Wir wollen damit verhindern, dass wie bisher Lücken entstehen, wenn an einzelnen Tagen ein Marktbeschicker nicht kommt“, erklärt Richard Schumacher Für diesen „kleinen Wurf“ bis zur kompletten Neugestaltung des Marktplatz will man dann auch in Kooperation mit Werbegemeinschaft, Marktbeschickern  und Stadtmarketing ein Fest veranstalten und für den neuen Wochenmarkt werben – und zwar bei den potenziellen Kunden, immerhin sind sie es, die mit der entsprechenden Nachfrage auch das Angebot bestimmen können.

Mehr von Aachener Zeitung