Jülich: Der Tag als Jülich ausradiert wurde: Großer Zuspruch bei einer Gedenkminute

Jülich : Der Tag als Jülich ausradiert wurde: Großer Zuspruch bei einer Gedenkminute

Es war wie in jedem Jahr und trotzdem aufs Neue bewegend: Um 16.25 Uhr läuteten die Kirchenglocken in der Jülicher Innenstadt, um an den Angriff der britischen Luftwaffe auf Jülich zu erinnern, bei dem die Stadt innerhalb von einer halben Stunde fast völlig zerstört wurde und viele Menschen ihr Leben verloren.

Blickte man in die Gesichter der Vielen, die sich am Donnerstag anlässlich einer Gedenkminute am Mahnmal auf dem Schlossplatz versammelten, dann konnte man feststellen, dass die Menschen, die sich erinnern, älter geworden sind. Für die Erinnerungen an die größte Katastrophe in der Geschichte Jülichs, dass in einem Handstreich mit Düren angegriffen wurde, gilt das nicht.

Sie sind erschreckend lebendig im Gedächtnis der Augenzeugen. Viele Nachgeborene halten das Andenken wach. In seiner Ansprache sagte Bürgermeister Axel Fuchs, dass die lange Zeit von über 70 Jahren Frieden auch heute keine Selbstverständlichkeit sei. „Die Flüchtlinge, die heute zu uns kommen, erinnern uns daran.“ Mit mahnenden Worten erwähnte er das Erstarken populistischer Agitatoren in Deutschland, Europa, den USA oder Nordkorea.

„Damals hat Jülich quasi aufgehört zu existieren“, sagte Fuchs. Den todbringenden Angriff der britischen Luftwaffe müsse man vor dem Hintergrund der NS-Verbrechen sehen, die auch in Jülich tief verwurzelt gewesen seien. Auch hier seien Juden verfolgt und Zwangsarbeiter eingesetzt worden, beispielsweise im Reichsbahnausbesserungswerk. Schließlich dankte Fuchs den Menschen des Wiederaufbaus, vor allem den sogenannten Trümmerfrauen.

(jan)
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