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Jülich: Der „Sheriff” verlässt das Jülicher Rathaus

Jülich : Der „Sheriff” verlässt das Jülicher Rathaus

Eine Institution geht von Bord, verlässt das Rathaus. Wenn am kommenden Mittwoch Günther Kuhn ab 10.30 Uhr im Kleinen Sitzungssaal seinen Ausstand gibt, dann enden fast fünf Jahrzehnte Verwaltungstätigkeit.

Im 48. Dienstjahr scheidet der Jülicher Ordnungsamtsleiter aus dem aktiven Dienst. Der Stadtverwaltungsrat tritt in die Freizeitphase der Altersteilzeit ein und wird Pensionär.

„Do kütt de Stadtdirektor.” Wie oft Günther Kuhn diesen Spruch in seiner Dienstzeit gehört hat, will er gar nicht zählen. Auch über den von „de zwei von de Stadt” oder dem „vom Sheriff van Jülich” möchte er nicht nachdenken. Obwohl, und dies gesteht er ein, es ihm manchmal als Kompliment erschien. Damit waren der verstorbene Stadtdirektor Albert-Eduard Schröder und eben jener Günther Kuhn im Volksmund gemeint.

„Fast immer war ich dabei, wenn unser damaliger Stadtdirektor Termine wahrnahm”, sagt Kuhn rückblickend. Nichts Ungewöhnliches damals in den 70er Jahren. „Herr Schröder hat mich als seinen persönlichen Mitarbeiter eingesetzt”, denkt der Fast-Pensionär über die Anfänge seiner Tätigkeit in der Jülicher Verwaltung nach.

Dort begann der 63-Jährige am 12. April 1961 als Verwaltungslehrling, wurde bei der Übernahme in das Angestelltenverhältnis zuerst im Einwohnermeldeamt, später beim Personalamt als Sachbearbeiter eingesetzt. Schnell erkannte der damalige Stadtdirektor Schröder Kuhns Talent, sich schnell in ein Sachgebiet einzuarbeiten, Organisation zu übernehmen, anstehende Entscheidungen auf dem Weg zu bringen.

„Damals stand die Stadt vor großen Herausforderungen”, erinnert sich Günther Kuhn noch sehr genau an die ersten Anfänge des Tagebaus Hambach. „Ja, der Tagebau”, lacht Kuhn, „der war nicht so mal eben abzuarbeiten.” Wie auch nicht die Erstellung eines Ansiedlungskonzeptes für die damalige Kernforschungsanlage. Nicht zu vergessen die Kommunale Neugliederung 1972.

Doch damit nicht genug, die Schröderischen Sonderaufgaben wuchsen weiter, denn der Stadtdirektor wurde zum Verbandsvorsteher des Finkelbachverbandes gewählt. „Und da war ich dann plötzlich ab 1973 der dortige Geschäftsführer.” Arbeiten, die sozusagen neben der normalen Tätigkeit erledigt werden mussten. „Eines haben sie mir aber gebracht, ich erhielt überall Einblicke, wusste direkt, wie und wo man Aufgaben anpacken musste, wie die Gesetzeslage ist.”

Die ihm übertragenden Aufgaben und Pflichten wurden nicht weniger, als Kuhn ab 1. Januar 1981 die Leitung des Ordnungsamtes mit über 30 Mitarbeitern übertragen wurde. Es folgten der Aufbau des Rettungsdienstes unter Einbindung der AOK, DRK und MHD mit Aufbau jeweils einer Wache bei der Hilfsorganisationen in Jülich und einer Rettungsnebenwache in Linnich. Seiner Verantwortung oblag auch die Berufs- und Freiwilligenwehr.

Neben den vielfältigen Aufgaben des Ordnungsamtes waren Kuhn das Einwohnermeldeamt, Gewerbe-, Fund- und Friedhofsamt, Kirmes und das Marktwesen unterstellt. Hinzu kamen ehrenamtliche Verpflichtungen. Neben dem Sport über 20 Jahre lang die des Geschäftsführers des Ortsverbands Jülich des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge. Und, und, und.

Waren die vielfältigen beruflichen und ehrenamtlichen Pflichten der Grund, warum Günther Kuhn erst mit 44 Jahren in den Hafen der Ehe segelte? „Sagen wir es einmal so. Ich habe vorher nicht die passende Frau gefunden”, lacht der Gefragte, der eines betont. „Ich habe immer sehr gerne gearbeitet, habe versucht, alle Aufgaben und Pflichten sehr gewissenhaft zu erfüllen.”