Der SC Jülich 1910 war vor 50 Jahren drei Mal Meister der Amateurliga

Trippel-Triumph : Vor 50 Jahren waren die „Zehner“ drei Mal Meister

Am Freitag ist es genau 50 Jahre her, dass sich der SC Jülich 1910 die Deutsche Meisterschaft im Amateurfußball sicherte, was bekanntlich den „Zehnern“ auch in beiden Folgejahren gelang. Sportclub und Stadt begehen dieses Goldjubiläum mit einem festlichen Empfang um 17 Uhr im Großen Sitzungssaal des Neuen Rathauses.

Um zu ermessen, welche Auswirkungen der Trippel-Triumph auf die Kicker hatte und hat, sprach unsere Zeitung mit dem damaligen Außenverteidiger Peter Kosprd. Der 73-Jährige war zwar „nur“ am Titelgewinn 1969 beteiligt, verkörpert aber als „Urgestein“ des SCJ die weitere Geschichte des Traditionsvereins  wie kaum ein Zweiter.

Kosprd hat zwar die längste Zeit seines Lebens in Jülich gewohnt, ist aber kein echter „Muttkrat“. Er entstammt dem SV Schwarz-Weiß Huchem-Stammeln. Bei dessen 100-Jahr-Feier am Wochenende erinnerte Vorsitzender Peter Holzkamp das Eigengewächs daran, dass er schon seit 60 Jahen als Trainer fungiere. So leitete Kosprd schon als 13-Jähriger das altersgemischte Jugendteam der Schwarz-Weißen an.

In Jülich begegnete ihm mit Martin Lupper ein Meister dieses Fachs, der aus Spielern, die aus dem Jülicher Umland kamen, eine schlagkräftige Truppe formte, die nach dem Gewinn der ersten Amateurmeisterschaften zwei Jahre lang ungeschlagen blieb. „Wir hatten einen großen Zusammenhalt. Jeder hat seine Stärken eingebracht, und wir haben uns immer gegenseitig gepusht“, beschreibt Peter Kosprd das unbändige Willen und Wollen der damaligen Mannschaft, wenn es um den Erfolg ging.

Dem ordnete sich auch der damals 23-Jährige unter, der zwar am liebsten im Mittelfeld agierte, nach zweijähriger Fußball-Pause während des Wehrdienstes aber an Heinz Hoss nicht vorbeikam, der im Spielaufbau der „Zehner“ die Fäden zog. Also wechselte er auf die Verteidigerposition, die er schon damals sehr offensiv interpretierte, was Taktik-Fuchs Luppen in die Karten spielte. „Gemeinsam trainiert wurde seinerzeit nur zweimal in der Woche – heute undenkbar“, erinnert sich Kosprd an die damaligen Vorbereitungen. Doch er und seine Mitspieler hätten sich ohnehin ständig fit gehalten. „Ich habe immer Fußball gespielt“, erzählt der positiv Fußballverrückte, der in der Sporthalle oder auf der Liegewiese des Freibades gegen jeden Ball trat, der ihm vor die Füße rollte.

Die drei Meisterwimpel des SC Jülich 1910, die der DFB 1969, 1970 und 1971 überreichte. Foto: Wolters

Nach einer Stippvisite beim Bonner SC kehrte der Fußballspieler Kosprd nach Jülich zurück, wo ihm Bürgermeister Karl Knipprath, gleichzeitig „Boss“ der „Zehner“, eine Stelle als Hausmeister vermittelte. „Das waren damals andere Zeiten“, erinnert er sich daran, wie durch Knippraths Hilfe der SCJ in der Öffentlichkeit ein ganz anderes Gewicht erhielt, was die drei Amateurmeisterschaften in der Außenwirkung für die Herzogstadt noch unterstrichen.

Kosprd selbst hatte so „mit 27 Jahren das erste Jugendcamp“. Als Hausmeister öffnete er die in den Ferien leer stehenden Sporthallen für junge Leute, die nicht in Urlaub fahren konnten. Zunächst in der Kurfürstenstraße, später an der Berliner Straße. Das gefiel dem damaligen Stadtdirektor Schröder zwar nicht, doch Kosprd stand letztlich dafür gerade. Der „Virus“ hatte seinerzeit nicht allein die Jugend infiziert, am Abend kickten unter der Oberaufsicht des Herrn Hausmeister in der Halle weitere Fußballbegeisterte. Legendär sind die Fußballspiele alljährlich an Heiligabend, die bei den Mitkickenden eine verschwitzte Bescherung und manchen heimischen Ärger nach sich zogen.

Nach seiner Laufbahn als Spieler verlegte sich Peter Kosprd in seiner Freizeit ganz der Trainertätigkeit: Als Langzeitcoach wirkte er bei Düren 99, Schwarz-Weiß Düren, zweimal beim Gürzenicher FC, in Kirchberg, Broich und auch mehrfach bei seinen „Zehnern“. Letzte Station war der FC Inden/Altdorf, wo ihm vor allem die familiäre Atmosphäre zusagte. Seit gut 20 Jahren ist der 73-Jährige mit Uwe Dymowski und Andreas Ryzynski bei den „Zehnern“ auch als „Kümmerer“ unterwegs, um das Clubheim zu vollenden, den Traditionsverein nach der zwischenzeitlichen Insolvenz wieder auf die Beine zu stellen. Und er hat mit Hans Scheiba das Fußball-Feriencamp aus der Taufe gehoben, das längst eine eigene Erfolgsgeschichte schreibt.

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