Jülich: Der Napoleonische Brückenkopf muss saniert werden

Jülich : Der Napoleonische Brückenkopf muss saniert werden

Der Napoleonische Brückenkopf muss gut 20 Jahre nach seiner jüngsten Sanierung wieder ertüchtigt werden. Die große Festungsanlage weist insgesamt einige Schadensbilder auf, vor allem aber in der sogenannten Mittelbastion, was auch nicht weiter verwundert, denn hier wurden die Arbeiten im Rahmen des Investitionsprogramms ‘98 aus Kostengründen nicht oder nicht vollständig umgesetzt.

Das erklärte der Jülicher Historiker Guido von Büren im Ausschuss für Kultur, Wirtschaftsförderung und Stadtmarketing, der auch einen „Fahrplan“ präsentierte, an dessen Anfang ein Gutachten steht.

Weit und breit einmalig: eine denkmalgeschützte Festung zum Durchfahren. Um den Napoleonischen Brückenkopf dauerhaft zu erhalten, sind Sicherungen der Mittelbastion notwendig. Foto: Ulrich Eckardt

Vor der Landesgartenschau 1998 wurde mit dem Napoleonischen Brückenkopf das zweite große Festungsbauwerk in der Stadt Jülich neben der Zitadelle „umfassend in Wert gesetzt“, so von Büren. Nach Jahrzehnten eines regelrechten Dornröschenschlafs zuvor sorgte die Sanierung und Einbeziehung der Anlage in die „LaGa“ für eine Wiederentdeckung eines ungewöhnlichen Erbes, denn solch große Spuren der französischen Besetzung Jülichs unter Napoleon (1794 bis 1814) im Département de la Roer gibt es außerhalb von Frankreich so wie nirgends. Allerdings reichten die Mittel damals nicht aus, die gesamte Anlage umfassend zu sanieren, erklärte von Büren als Vertreter des „denkmalteam-Netzwerk Ingenieure“.

Es gibt einige und zum Teil gravierende Schäden, die nun 20 Jahre danach in einem weiteren Anlauf angepackt werden müssen. Feuchtigkeit setzt dem Bauwerk natürlich zu. Daran erinnern sich gewiss auch viele Besucher der Landesgartenschau, die nach anfänglich frenetischer Begeisterung über die Nutzungsmöglichkeiten der Südbastion später deren jahrelange Sperrung erleben mussten, weil es reintropfte. Das hat sich inzwischen geändert, so dass das ansonsten gut erhaltene Gemäuer wieder bestimmte Veranstaltungen beherbergen kann: den Adventsmarkt oder die Herbstlichter zum Beispiel.

Große Mauerspaltungen

Anders sieht es auf den Bastionen aus, wo eine fehlende Feuchtigkeitssperre den Holzpalisaden das Schicksal des Vermoderns bescherte. Hier sind Brückenkopf-Bereiche seit Jahren durch Bauzäune gesperrt. Die Mittelbastion, die auch den „Ort der Stille“ am Weiher beherbergt, weise laut Guido von Büren inzwischen auch großflächige Mauerabspaltungen auf. Dadurch sei die Standfestigkeit in Frage zu stellen. Zu den üblichen kleineren Wehwehchen bei einem Bauwerk, das 218 Jahre alt ist, gehören ausgewaschene Fugen. „Die dauerhafte Pflege ist eben das Problem eines großen Denkmals“, sagte von Büren.

Die Experten wollen nun ein Gutachten erstellen lassen, für das im Haushalt 15.000 Euro vorgesehen sind. Neben einer aktuellen Schadensbeschreibung sollen Maßnahmen aufgezeigt und Kosten ermittelt werden. Auch ein Finanzierungskonzept werde vorgelegt, das mögliche Zuschüsse und Zuschussgeber beinhaltet. Natürlich bleibt ein Eigenanteil bei der Stadt — in welcher Höhe ist noch unklar. Es bestehe aber die Möglichkeit, die Maßnahmen über einige Jahre zu strecken, erklärte Guido von Büren im Ausschuss unter Vorsitz von Peter Capellmann. Der Wert sei unstrittig, denn es handele sich um eine „der wenigen Anlagen aus dieser Zeit, die erhalten sind“.

Joseph Krott (CDU) hofft, dass das Konzept Lösungen aufzeigt, die wenig pflegeintensiv sind und „wenigstens für eine Generation Ruhe“ einkehren lassen.

Mit dem „Programm ‘98“ hat das ja fast geklappt.

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