Lich-Steinstraß: Der Möhnewinkel im rot-weißen Taumel

Lich-Steinstraß : Der Möhnewinkel im rot-weißen Taumel

Es war das Kölsch-Event schlechthin. Die KG „Maiblömche“ Lich-Steinstraß lud zur großen Kostümsitzung in das prächtig rot-weiß geschmückte Festzelt, Sitzungspräsident Mike Schmitz ließ im über fünfstündigen Programm fast ausschließlich Kölner Karnevalsgrößen auf seine Bühne.

Entsprechend bombig war die Stimmung unter den 1000 Besuchern.

Die — darunter natürlich viel Lokalprominenz— dürften sich die Augen gerieben haben, als nach dem Einmarsch des 101-köpfigen Traditionskorps „Treuer Husar“ samt „Maiblömche“-Elferrat an Programmpunkt 2 bereits das Finale anstand. So schien es jedenfalls, denn der als bester „Kölsche Sänger“ angekündigte Micky Nauber übernahm mit seinen „Domstürmern“ das Regiment. Flankiert von den Mädchen der „Maiblömche“-Tanzgarden und begleitet vom Orchester Markus Quodt sowie Schmitzes Mike Gitarre, wagte auch der Elferrat den einen oder anderen „Ausfallschritt“. „So was habe ich ja noch nie erlebt“, entfuhr es Nauber, dem man anmerkte, dass sich die „Domstürmer“ sauwohl fühlten. „Ihr seid fantastisch“, dankte er in Richtung Sitzungspräsident, der direkt die erste von drei Raketen zünden ließ.

Bevor es allerdings zur zweiten ging, stand Martin Schopps in der Bütt. Jener vom Schicksal gebeutelte Beamte, der als Lehrer morgens in triste und müde Gesichter blickt, denen Merksatz, Dreisatz oder Satzbau völlig fremd sind. Lehrer Schopps weiß allerdings wovon er spricht. Nämlich von dem ganz normalen Wahnsinn an und in Deutschlands Lehranstalten — sehr zum Ergötzen der Narrenschar.

Dass es Lieselotte Lotterlappen - alias Joachim Jung aus Limburg an der Lahn — vorbehalten war, mit der zweiten Rakete bedacht zu werden, stand nach einem mehr als halbstündigen Auftritt außer Frage. Mit dem „Zungenschlag eines Leguans“ beherrschte sie Situationskomik, ohne sich aus ihrem Redekonzept bringen zu lassen.

„Ihr seid zu intelligent für meine Rede, Dööfere sind besser“, meinte Jürgen B. Hausmann, im normalen Leben Ex-Pauker, ebenfalls prädestiniert für Anekdötchen aus dem Schüleralltag oder aber dem Leben schlechthin mit all seinen Fallstricken und Tücken. Hausmanns Pointen forderten aber auch das Mitdenken, da dauerte es schon mal Sekündchen, bevor der Groschen fiel. Erkenntnis des Redners: „Den kann ich dann in Linnich aber nicht bringen.“

Genialer Überbrücker

Persönlich wurde auch F.M. Willizil, Frontmann der „Kölsch Fraktion“. „Wir sind seit 30 Jahren im Karneval unterwegs, ich kenne keinen Sitzungspräsidenten, der aus dem Stand 30 Minuten einen Programmhänger überbrücken kann“, lobte er Mike Schmitz. Dem Lob war freilich eine Schelte vorangegangen. „Jeetz hänn ich schon dree Literate, und die losse mich et ischte Mol in 29 Johr om Schlauch stonn“, reagierte er, als er das Tanzpaar der KG ankündigte, dieses aber nicht bereit stand.

Die Verärgerung dauerte nicht lange, denn der Auftritt von „Querbeat“ stand an, einer 15-köpfigen Brass & Marching Band aus Bonn, die eine neue Karnevalskultur präsentiert, vor allem Kombinationen aus alten Karnevalsliedern und Rock- und Sambarhythmen spielt. Die jungen Narren im Zelt flippten geradezu aus, denn die Hits wie „Tschingderassabum“ oder „Nie mehr Fastelovend“ schienen in ihren Kreisen schon Ohrwürmer zu sein. Entsprechend lautstark zündete die letzte Rakete des Abends, an dem die beiden Tanzgruppen der KG, die Solo-Mariechen Mariella Schumacher, Jil Hamacher und Sarah Weihrauch sowie das Tanzpaar Katharina Kalisch und Hannah Rassouli ebenfalls umjubelt wurden.

Dass der Einmarsch des „Maiblömche“-Dreigestirns mit Prinz Guido (Tirtey), Jungfrau Franzi (Werner Schönen), Bauer Stefan (Hamacher) und Prinzenführer Elmar Schumacher zum grandiosen Show-Lauf geriet, wurde den drei Repräsentanten gerade zu gerecht, „verkörpern sie doch auch im wahren Leben Gemeinsinn, Vereinsgefühl und Zugehörigkeit zum Dorfleben“, wie Schmitz meinte. Wozu graziöse Mädchen und gestandene Mannsbilder in der Lage sind, zeigten die „Höppemötzjer“, 18 Paare aus Köln, die tänzerischen Hochleistungssport im närrischen Gewand boten.

Cover-Musik auf die eigene Art präsentierten die „Mennekrather“ zum Abschluss der Kostümsitzung der „Maiblömche“, die als die größte im weiten Umkreis den Endspurt in die närrischen Tage einläutete.

(hfs.)
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