Titz: Der Krieg hat auch das friedliche Weihnachtsfest zerstört

Titz: Der Krieg hat auch das friedliche Weihnachtsfest zerstört

Saad Raed ist mit seiner Frau und seinen drei Söhnen aus Syrien geflohen, hat Zuflucht in Deutschland gesucht. „Vor dem Bürgerkrieg haben wir Christen sehr gut in Syrien gelebt“, sagt er, doch jetzt sei alles vorbei, die aktuellen Lebensumstände katastrophal.

Die Familie versucht, die schrecklichen Erlebnisse in der Heimat hinter sich zu lassen, ist als Asylsuchende der Gemeinde Titz zugewiesen. Früher habe es ein friedliches Miteinander von Christen und Muslimen, gegeben, stellt Raed klar und erzählt im Gespräch von den Weihnachtstraditionen seiner Heimat. Anders als in Deutschland feierte die christliche Minderheit das Weihnachtsfest groß und öffentlich. Er kommt ins Schwärmen: „An Heiligabend gab es überall große Partys, ganz Syrien war geschmückt“. Die Feierlichkeiten gingen mit einem Umzug los, einer Art Karneval, von einem christlichen Dorf zum nächsten. Menschen in Santa Claus-Kostümen, Autos und auch Esel reihten sich hintereinander auf den Hauptstraßen ein, jeder sei glücklich gewesen. Geschenke erhielten vor allem die Kinder, das traditionelle Festessen war Kubbeh, ein Nationalgericht aus Hackfleisch, Zwiebeln und Bulgur. Am späteren Abend öffneten Restaurants, boten Livemusik mit Tanz, die syrischen Christen begingen ein fröhliches Weihnachtsfest. Am nächsten Tag folgte der Kirchgang, anschließend besuchten sie ihre Familien und Freunde. Sie wünschten sich „Happy Chrismas“ und reichten Süßigkeiten. Alle Türen waren geöffnet, wer am 25. noch nicht besucht wurde, war am 26. dran. Auf Besuche folgten Gegenbesuche.

Heute sei das alles vorbei, niemand ist glücklich, sagt Raed, der von Beruf Ingenieur ist und mit seiner Familie aus der Nähe von Homs stammt. Die Christen in Syrien gehören zu einer Minderheit, sitzen zwischen allen Stühlen, dem Regierungslager, der IS und der Al-Nußra, einer dschihadistisch-salafistischen Organisation in Syrien. Der Druck sei immens, das Alltagsleben voller Gewalt. Raed erzählt von Nachbardörfern, in denen Frauen vergewaltigt und Menschen umgebracht wurden. In seinem Dorf seien die meisten Menschen mit einem Gewehr bewaffnet. Mit Unterstützung der Regierung ist es den Christen in seiner Heimatregion gelungen, die Islamisten zu vertreiben. Davor habe seine Familie vor Angst oft nicht schlafen können.

Eine Bombe explodierte in seinem Haus, sein Sohn ist verletzt worden. Wer in Syrien bleibt, muss kämpfen, sagt er ausdrücklich. Seinen drei Söhnen wollte er das ersparen und flüchtete über die Türkei nach Deutschland. Früher sei Syrien ein gutes Land gewesen, heute gebe es keine Elektrik, kein Gas und kein Benzin. Sein erstes Weihnachten in Deutschland wird Raed mit einem festlichen Essen in der Familie feiern.

(dmd)
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