Jülich: Der Jazz hat Paul Heller schon in der Wiege in Jülich gelegen

Jülich: Der Jazz hat Paul Heller schon in der Wiege in Jülich gelegen

Seine Mutter hat gesungen und Saxophon gespielt, sein Vater ist immer noch als Trompeter aktiv, und Bruder Ingmar zupft den Bass in der NDR Big Band. Bei solch einer musikalischen Kindheit in Jülich wundert es nicht, dass auch Paul Heller Berufsmusiker geworden ist. Im Interview mit Antonius Wolters erzählt er auch über die frühere Jülicher Jazzszene.

Herr Heller, Sie wurden am 21. April 1971 in Jülich geboren. Was verbinden Sie heute mit der Herzogstadt außer der Tatsache, dass diese als Geburtsort in Ihrem Personalausweis eingetragen ist?

Paul Heller: Wir sind aus Jülich weggezogen, als ich drei Jahre alt war, aber durch die musikalischen Aktivitäten meiner Eltern in Jülich habe ich immer einen besonderen Bezug zu meiner Geburtsstadt. Mein Vater war Wissenschaftler in der Kernforschungsanlage und hatte zusammen mit seinem Kollegen Helmut Hoven das damalige KFA-Tanzorchester zur Jazz Big Band umgeformt — zur Big Band Jülich. Meine Mutter war die Sängerin der Band und zeitweise war auch mein späterer WDR Big Band Kollege Heiner Wiberny Mitglied der Big Band Jülich. Bei uns im Musikkeller hingen immer die schönen Fotos von den Konzerten in der Zitadelle und der Stadthalle Jülich. Meine Eltern so aktiv als Jazzmusiker zu sehen, obwohl sie ja beide Amateure sind, hat meinen Bruder und mich immer sehr inspiriert und letztlich sicher auch dazu geführt, dass wir professionelle Jazzmusiker wurden.

Sie stammen aus einer sehr musikalischen Familie und waren schon früh mit zwölf Jahren als Musiker erfolgreich. Den Preis haben Sie seinerzeit jedoch als Schlagzeuger erhalten. Wie ist es überhaupt zur Wahl dieses Instruments gekommen, und wer hat Sie damit vertraut gemacht?

Heller: Wie gesagt, meine Eltern waren musikalisch schon immer sehr aktiv und als kleines Kind war ich auch davon überzeugt, dass mein Vater nur zum Hobby Professor für Elektrotechnik und eigentlich Jazztrompeter war und nicht umgekehrt. Wir hatten schon immer viele Instrumente im Musikkeller, auch weil es der Proberaum für die verschiedenen Bands meiner Eltern war. Es hat meinen Bruder und mich als erstes zum Schlagzeug gezogen. Ingmar ging dann weiter zum Piano und später zum Bass, ich bin bis zu meinem sechzehnten Lebensjahr beim Schlagzeug geblieben. Es war eine ganz tolle Zeit mit all den begeisterten Amateurmusikern bei uns im Haus, die uns bei unseren ersten Gehversuchen im Jazz inspiriert und unterstützt haben.

Inzwischen haben Sie sich als Tenorsaxophonist national und international einen Namen gemacht. Der Wechsel von den Trommeln zu einem Blasinstrument liegt ja nicht gerade auf der Hand. Wie ist es dazu gekommen?

Heller: Meine Mutter hat Mitte der achtziger Jahre, nachdem sie schon lange als Sängerin aktiv war, angefangen Altsaxofon zu lernen. Ich fand das Instrument sehr faszinierend und spannend. Gleichzeitig fing ich auch an, immer mehr auf Saxofonisten zu achten auf den unendlich vielen Jazzplatten, die wir zu Hause hatten und merkte immer mehr, dass das Saxofon zu mir gehört und mein Instrument ist.

Sie scheinen ja weiterhin ein Faible für Drummer zu haben, wenn man sieht, dass Sie häufig mit Größen wie Wolfgang Haffner, Bruno Castelucci, Charly Antolini oder Adam Nussbaum zusammengearbeitet haben. Ist das Schlagzeug über die Jahre ihre heimliche Liebe geblieben?

Heller: Auf jeden Fall! Ich glaube auch, dass das eigene Schlagzeug spielen und das automatische, sehr genaue Wahrnehmen der Schlagzeuger, mit denen ich spiele, mein Saxofonspiel sehr beeinflusst. Die rhythmische Komponente in meinem eigenen Spiel hat für mich einen sehr hohen Stellenwert. Ich bin sehr glücklich, mit all meinen Helden gespielt und Aufnahmen gemacht haben zu können. Al Foster, Billy Hart, John Engels und Horacio „El Negro“ Hernandez möchte ich auch noch gerne miteinreihen in die Liste der absoluten Drum-Legends, mit den ich in meinen Projekten spielen konnte. Al Foster hat mich umgekehrt auch schon einige Male für sein eigenes Quartett eingeladen.

Als Mitglied des „Masha Bijlsma Sextett“ treten Sie am kommenden Donnerstag bei den Dürener Jazztagen auf. Auf welche Art von Jazzmusik dürfen sich die Besucher an diesem Abend freuen?

Heller: Natürlich allen voran die fantastische niederländische Sängerin Masha Bijlsma, wunderbar swingender Straight Ahead Jazz, tolle Arrangements und fantastische Musiker wie der großartige Posaunist Bart van Lier, vielen ja noch von Peter Herbolzheimer bekannt, mein langjähriger musikalischer Weggefährte und Deutschlands Mainstream Jazz Pianist Nummer 1, Martin Sasse, Bassist Ruud Ouwehand, der mit Chet Baker und Toots Thielemans gespielt hat und natürlich Dries Bijlsma, Papa von Masha, am Schlagzeug, der seit vielen Jahren diese Formation sehr erfolgreich organisiert und durch seinen kraftvollen, von Art Blakey und Elvin Jones beeinflussten Schlagzeugstil der Band ein starkes rhythmisches Fundament verleiht.

Über mehrere Jahre hat der Jazzclub Jülich die Zitadellen-Jazznacht veranstaltet, bei der ebenfalls renommierte Ensembles und Einzelinterpreten auf diversen Bühnen der Festungsanlage aufgetreten sind. Hat es da jemals die Möglichkeit oder Kontakt gegeben, als Jülicher in Ihrer Geburtsstadt aufzutreten?

Heller: Bisher nicht, würde mich aber sehr freuen, vor allem auch wegen der musikalischen Vergangenheit meiner Eltern, die auch mit der Zitadelle verbunden ist.

Mehr von Aachener Zeitung