Auf alten Schienen: Der „Brain-Train“ von Aachen bis nach Jülich

Auf alten Schienen : Der „Brain-Train“ von Aachen bis nach Jülich

Es empfiehlt sich nicht generell, alten und scheinbar „unmodernen“ Besitz zu früh abzuschreiben oder gar zu entsorgen. Manchmal ist er von großem Wert. Die Gleise der alten Kreisbahnstrecke von Jülich nach Puffendorf könnten dafür ein wunderbares Beispiel werden.

Der Kreis Düren und die Gemeinde Aldenhoven – unterstützt von den Städten Jülich und Linnich – wollen eine Renaissance der Kreisbahnstrecke, von der viele Kilometer Gleise noch liegen. Die Vertreter der Region haben das Ziel, die Strecke aufleben zu lassen und mit einem neuen Trassenteilstück an Siersdorf anzubinden, wo der Weg nach Aachen über die Euregiobahn schon beschlossene Sache ist. Damit gäbe es wieder einen direkten Weg von Jülich nach Aachen – und einen alternativen vom Dürener Bahnhof aus.

Das ist noch Theorie, aber kein Wolkenkuckucksheim. Diese weitere Verbesserung der ÖPNV-Infrastruktur im unmittelbar vom Strukturwandel betroffenen Sektor liegt als „Projekt-Steckbrief“ bereits der sogenannten Kohlekommission vor. Das sagte Landrat Wolfgang Spelthahn am Donnerstag in Siersdorf, wo er gemeinsam mit Bürgermeister Ralf Claßen (Aldenhoven) das Vorhaben erstmals öffentlich präsentierte. Die beiden Verwaltungsspitzen der Städte Jülich und Linnich, Axel Fuchs und Marion Schunck-Zenker, gaben „Flankenschutz“ und erklärten ihre Unterstützung dieses für die gesamte Region wichtigen Projektes.

Das „Kind“ hat auch schon einen Namen: „Brain-Train“. Das ist eine Anspielung auf die wichtigsten Wissenschaftsstandorte der Region, die erstmals direkt über die Schiene miteinander verbunden würden: vom Campus Aachen über den entstehenden Campus Aldenhoven (Automotive Testing Center/Testbereich für autonomes Fahren) bis zum Campus Jülich mit Forschungszentrum, Fachhochschule und dem innovativen Gewerbegebiet „Brainergy-Park“. „Wir müssen idealerweise die großen Forschungsstandorte miteinander verbinden“, erklärte Wolfgang Spelthahn.

Die Trasse der alten Kreisbahn mit dem geplanten Anschluss an die Trasse Siersdorf in Richtung Alsdorf. Foto: grafik

In einer groben überschlägigen Rechnung, erstellt im Kreishaus Düren, wurden Kosten von rund 45 Millionen Euro ermittelt (siehe auch Infobox unten). Das sei im Vergleich zu anderen Infrastrukturmaßnahmen eine vergleichsweise „kleine Investition“, mit der viel für Berufspendler und Bürger erreicht werde, sagte der Landrat. Ganz wesentlich sei, dass nach Ansicht des Kreises, der wiederum Experten befragt hat, 75 Prozent der alten Jülicher Kreisbahnstrecke genutzt werden könnten und der neu zu schaffende Ast Richtung Siersdorf etwa 25 Prozent ausmache. Weil die frühere Trasse nie entwidmet worden ist, könne bei dem Projekt auch planungsrechtlich nicht viel schief gehen. Entscheidend sei aber, dass nun als Erstmaßnahme eine Machbarkeitsstudie (Kosten etwa 800.000 Euro) gefördert werde und über die Kohlekommission für Maßnahme des Strukturwandels ein Sonderbereich empfohlen wird, in denen größere und wichtigere Vorhaben schneller realisiert werden können als üblich.

„Wir müssen uns verstärkt Gedanken machen, wie der Strukturwandel gestaltet werden kann. Und wir müssen agieren“, sagte am Donnerstag Bürgermeister Ralf Claßen. Für ihn gehören regionale Projekte, die eine wirtschaftliche Entwicklung ermöglichen und unterstützen, unzweifelhaft dazu. Von Siersdorf aus könnte mit dem „Brain-Train“ der Weg sowohl nach Düsseldorf und Mönchengladbach als auch über Düren nach Köln erschlossen werden. „Wir unterstützen das in Gänze und sehen das auch vor dem Hintergrund der Wachstumsoffensive des Kreises“, erklärte der Jülicher Bürgermeister Axel Fuchs.

Seine Kollegin Marion Schunck-Zenker aus Linnich, in deren Stadt ebenfalls ein Gleisprojekt (der Lückenschluss der Rurtalbahn nach Baal) sehnlichst erwartet wird, bezeichnete sowohl den Lückenschluss als auch den „Brain-Train“ als „Projekte von großer Strahlkraft“. Die Renaissance der alten Kreisbahnstrecke würde überdies auch den Linnicher Ortsteil Ederen an die Gleise anbinden.

Im nächsten Schritt wird das Vorhaben im Kreisentwicklungsausschuss bewertet. Ob die Kohlekommission sich ebenfalls auf den „Brain-Train“ schwingt, ist die kurzfristig spannendste Frage.

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