Jülich: Demografiebericht: Wandel rückt auch in Jülich immer näher

Jülich: Demografiebericht: Wandel rückt auch in Jülich immer näher

Das Jahr 2030 klingt wie eine sehr ferne Zukunft. So fern ist sie aber nicht. Und bis dahin hat sich vieles schleichend verändert. Wer in 17 Jahren durch die Jülicher Innenstadt spaziert, der findet insgesamt deutlich weniger Menschen, da die Einwohnerzahl um mehr als 10 Prozent sinkt. Außerdem: Die Bummler und Einkaufswilligen haben ein stattliches Alter erreicht, denn dann ist jede(r) Dritte über 65 Jahre alt.

So ist die nahe neue Welt im aktuallisierten Jülicher Demografiebericht der Stadt beschrieben. „Jeder Zehnte ist hochbetagt“, zitierte Dezernentin Katarina Esser aus dem Zahlenwerk im Ausschuss für Kultur, Integration und Soziales. In Klischees gefasst: Auf die Generation Dreirad folgt die Generation Golf und der wiederum die Generation Rollator...?

Aber das haben Klischees so an sich: Sie passen nie ganz, denn die älteren Semester werden sich guter bis ordentlicher Gesundheit erfreuen, ist es in allen Prognosen ebenfalls zu lesen.

Wenn aber ihre Zahl insgesamt und damit auch die der Hilfebedürftigen steigt, ist es wichtig, dass die Infrastruktur geeignet ist: von abgesenkten Bordsteinkanten bis zum Buseinstieg oder den Rampen vor Geschäften oder Behörden. Von passenden Wohn- und Betreuungsangeboten ganz zu schweigen.

Die Herausforderungen sind groß und bestehen aus Sicht der Dezernentin aus: zunehmenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen, zunehmender Pflegebedürftigkeit, fehlender familiärer Unterstützung, fehlenden finanziellen Mitteln (Altersarmut) und einer deutlichen Zunahme der Sin-glehaushalte.

Die Stadt hat sich vor diesem Hintergrund um eine Projektförderung des Bundes beworben, die bewilligt worden ist. Berlin gibt 18.000 Euro, damit hier das „Netzwerk ambulante Hilfe“ aufgebaut werden kann. Dahinter verbirgt sich der Ausbau praktischer Hilfe für ältere Semester, die es in Jülich zentral schon gibt, aber in den Stadtteilen bislang nicht ausreichend.

Katarina Esser: „Gerade im ländlichen Bereich zeigt sich ein schleichender Verfall der infrastrukturellen Basis und kleinen Dienstleistungseinheiten.“ Im Spätherbst beginnend, soll daher das neue Projekt mit fünf Stützpunkten in Jülicher Ortschaften starten, die jeweils Beratungsangebote und unterstützende Leistungen in der Wohnumgebung umfassen.

Die vorhandenen zentralen Maßnahmen (wie der ehrenamtliche Reparaturdienst, „Senioren ins Netz“, der Seniorenbeirat) sollen ausgeweitet werden. „Wir wollen ein Netz über Jülich legen, das in der Zukunft ausgebaut werden kann“, fasst die Dezernentin zusammen.

Ziele sind es, die Lebensqualität älterer Menschen zu erhöhen, ein möglichst langes Leben in vertrauter Umgebung zu ermöglichen und Angehörige zu entlasten. Die Zielgruppen: Seniorinnen und Senioren, Demenzkranke und ihre Angehörigen, ältere Migrantinnen und Migranten. Das klingt ehrgeizig und wird mit 18.000 Euro Förderung allein nicht zu stemmen sein.

Die Anschubfinanzierung des Bundes könnte aber dazu beitragen, dass Jülich einen weiteren wichtigen Schritt vorankommt, denn im Gegensatz zu anderen Städten vergleichbarer Größe gibt es hier schon Strukturen, die dem größer werdenden Anteil der Senioren Rechnung trägt.

Mehr noch als die veränderte Altersstruktur dürfte die vorhergesagte „Schrumpfung“ der Stadt alle relevanten Gruppen — von der Politik über die Geschäftswelt bis zu den Vereinen — beschäftigen. Denn die Prognosen des Demografieberichtes gehen im Jahr 2030 von nur noch 29.000 bis 30.000 Einwohnern aus (2012: 33.108). Das wirkt sich auf Umsätze, Steuereinnahmen und Nachfrage nach Sport und Spaß gleichermaßen aus: negativ.

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