Linnich: Demenzstation gewachsen: 18 Betten für Patienten

Linnich: Demenzstation gewachsen: 18 Betten für Patienten

„Wir behandeln hier keine Demenz, sondern Menschen mit Demenz, die internistische oder chirurgische Probleme haben“, umreißt Dr. Gerhard Mertes, ärztlicher Direktor am St. Josef Krankenhaus in Linnich die Arbeit auf der Demenzstation in seinem Haus.

Über lange Jahre wurde sie aufgebaut und steht in der Region als richtungsweisend und beispielhaft da. Vor zehn Jahren wurde erstmals die Idee geboren, Patienten, die an Demenz leiden, besondere Pflege und Aufmerksamkeit zukommen zu lassen. Gerade für sie ist es sehr schwer, sich bei einem Krankenhausaufenthalt auf ihre neue Umgebung einzustellen.

Sie sind desorientiert und häufig extrem verwirrt durch diese Umstellung. Marisol Da Lanca, Birgit Dohmen und Alexandra Backes, drei examinierte Krankenschwestern, entschlossen sich, eine Ausbildung zu Demenzexperten zu durchlaufen und mit dem neu erworbenen Wissen wurde begonnen, die Demenzstation aufzubauen.

Zunächst einmal wurden zwei Zimmer auf der Station B2 in direkter Nähe des Schwesternzimmers für Demenzpatienten hergerichtet. Wohnlich und farbenfroh sollten sie sein, damit sich die Patienten dort wie zu Hause fühlen konnten. Mittlerweile umfasst die Demenzstation 18 Betten.

Gemütliches Wohnzimmer

Neben den gemütlichen Zimmern steht ein Einzelzimmer für Patienten mit speziellen Bedürfnissen oder als Übernachtungsmöglichkeit auch für Angehörige zur Verfügung. Es gibt außerdem ein gemütlich eingerichtetes Wohnzimmer, in dem sich die Patienten tagsüber aufhalten. Hier wird gespielt, gebastelt, gesungen und auch, wenn möglich, gemeinsam gegessen.

Große Badezimmer erleichtern dem Pflegepersonal die Pflege. Doch was noch wichtiger ist als die bauliche Gestaltung ist die personelle Ausstattung. Neben drei bis vier examinierten Kräften stehen eine Reihe von Pflegehelfern und Helferinnen zur Verfügung, die sich nicht nur um die pflegerischen Belange, sondern auch um das geistige Wohl der Patienten kümmern.

So wird dem Bewegungsdrang vieler Demenzkranken Rechnung getragen. Er kann sich auf der Station frei bewegen und eine elektronische Sicherung an den Stationseingängen sowie ein Chip am Handgelenk des Kranken sorgen dafür, dass er nicht unbeobachtet die Station verlassen kann. Neben dem Beschäftigungsprogramm mit basteln, spielen und singen wird Gedächtnistraining angeboten, eine Aromatherapie, Handmassage und Bewegungstherapie.

Es gibt einen sogenannten Snoezelwagen, der in die Krankenzimmer geschoben werden kann. Er ist mit Lichteffekten, eine Wassersäule und vielen anderen Dingen ausgerüstet, die sich beruhigend auf die Patienten auswirken. Im Flur hängt eine Tastwand, an der sich viele Patienten gerne beschäftigen und Mobilitätsstühle.

Sinnvoller Krimskram

Immer gerne genutzt werden die sogenannten Kramschränke. Sie sind mit allerlei Krimskram gefüllt und die Erfahrung hat gezeigt, dass Demenzkranke gerne in Schubfächern und Schränken räumen. Vieles hat sich im Laufe der Jahre ergeben und so manches hat das Pflegeteam durch praktische Erfahrung hinzugelernt. So gibt es mittlerweile schon spezielle Menüs für die Kranken und sogar sogenanntes „Fingerfood“, denn viele essen einfach gerne mit den Händen. Ein ganz wesentlicher Bestandteil der Arbeit für Stationsleiterin Schwester Marisol und ihr Team ist das Gespräch mit Angehörigen.

„Dies ist oft sehr zeitintensiv, aber auch sehr nötig“, sagt Schwester Marisol. All dies wäre nicht möglich ohne das große Engagement des Fördervereins, der sehr intensiv das Projekt „Demenzstation“ unterstützt. Noch, so berichtete der kaufmännische Direktor Alexander Weisser, der stolz auf die Vorreiterfunktion seines Hauses ist, werden Demenzpatienten trotz des höheren Pflegebedarfs wie alle anderen Patienten abgerechnet.

Er denkt aber, dass sich dies in den nächsten Jahren ändern wird und die Kassen eine andere Vergütung vornehmen. Die stellvertretende Pflegedirektorin Marlies Jansen bringt die Sache auf den Punkt: „Unser Ziel ist es stets, dass die Patienten nicht schlechter nach Hause gehen als sie zu uns kommen.“

Sie findet es außerdem wichtig, dass sich die Gesellschaft in Zukunft dieser Krankheit öffnet und nicht mehr als Tabuthema behandelt. Mehr Anerkennung der Pflegeberufe wünscht sich Schwester Marisol. „Wir sind für die Menschen da und haben uns dafür entschieden“, meint sie und ihre Kollegin Schwester Birgit sieht in ihrer Arbeit mit Demenzkranken eine besondere Tätigkeit. „Sie gibt uns auch sehr viel zurück“, erklärt sie.