Jülich: Das Weihnachtsgeschäft hat sich verändert

Jülich: Das Weihnachtsgeschäft hat sich verändert

Ausgestorben ist das Weihnachtsgeschäft nicht. „Ganz bestimmt nicht“, sagt Ute Werner, Inhaberin eines Hut- und Strumpf-Modengeschäfts am Marktplatz und neue Vorsitzende der Werbegemeinschaft Jülich. „Ich mache rund einen Drittel meines Jahresumsatzes im November und Dezember“, sagt Werner.

„Aber das Weihnachtsgeschäft ist nicht mehr das, was es früher war“, sagt Werner mit Blick auf die Anfänge ihres Geschäfts vor neun Jahren. „Nach dem schwachen Weihnachtsgeschäft im vergangenen Jahr haben wir gedacht, dass es in diesmal wieder besser wird. Wird es aber nicht“, schildert Werner. Das klingt nach dem üblichen Klagelied des Einzelhandels alle Jahre wieder, ist es aber nicht. Jammern über die übermächtig erscheinende Konkurrenz Internet gilt nicht, das führt zu keinem Ergebnis. Die Werbegemeinschaft und die Stabsstelle Stadtmarketing haben den Dezember umstrukturiert und am Abend vor Nikolaus die Geschäfte lange geöffnet. Mit mäßigem Erfolg, wenn die ortsansässigen Einzelhändler in ihre Kassen gucken.

Trotzdem wertet Werner den Abend vielleicht als Erfolg, zumindest aber als Idee, die weiterentwickelt werden muss. „Die Atmosphäre in den Straßen war an dem Abend zauberhaft“, sagt Werner. Es brauche eben einen langen Atem, um die Besucher der Innenstadt am Nikolausvorabend dazu zu bringen, nicht nur die Unterhaltungsangebote auf der Straße wahrzunehmen, sondern Jülich auch als Möglichkeit zu erkennen, Weihnachtseinkäufe zu erledigen. Über Jahre hatte es den verkaufsoffenen Abend Anfang Dezember nicht mehr gegeben. „Aus unseren Reihen kam die Anregung, künftig fest den ersten Freitag im Dezember für diesen Anlass zu nehmen“, sagt Ute Werner für die Werbegemeinschaft. Denn der Nikolaus wandert, was den Wochentag angeht. Im kommenden Jahr ist der Vorabend ein Samstag, da haben die Geschäfte ohnehin länger geöffnet.

Wenn sie denn mitmachen. Denn der eine oder andere Filialist zieht nicht mit. Ändern könne man daran nichts, wenn die Filialen von Ketten trotz Aktion pünktlich ihre Läden abschließen.

Stark sei der verkaufsoffene Sonntag am 3. Advent gewesen. Werner spricht von „Himmel und Menschen“, um ausdrücken, dass die Innenstadt rappelvoll gewesen sei. Die Idee, Kunsthandwerkerinnen in leerstehenden Lokalen ausstellen zu lassen, habe gut funktioniert. „Und verkaufsmäßig war der Tag auch okay“, sagt Werner.

Die alten Zeiten des Weihnachtsgeschäfts mit großen Umsätzen sei allerdings vorbei. „Das hat lange nicht nur mit dem Internet zu tun“, schildert Werner aus ihrer Erfahrung. „Viele Menschen sagen sich: Ach, wir schenken uns nichts“, nennt sie einen Grund. Und wenn geschenkt wird, dann meist nicht vorausblickend, sondern bedarfsorientiert. Da spiele beispielsweise das Wetter eine Rolle. „Heute kommt doch im Oktober keiner auf die Idee, eine warme Winterjacke zu kaufen, wenn es draußen noch so warm ist, dass man in Flipflops laufen kann“, beschreibt Werner. Früher sei das anders gewesen, da sei mehr vorausschauend gekauft worden.

Auf der anderen Seite gebe es Klassiker, die nicht kaputt zu kriegen seien. Beispielsweise der Kauf von Socken zu Nikolaus. „Außerdem haben die Leute an Weihnachten dann doch gerne was zum Auspacken“, spricht Werner über die Geschenk-Tradition.

Die Chance, die Jülich als Einkaufsstadt hat, um sich gegen die Internet-Konkurrenz zu behaupten, sieht Werner in einer Art Rundum-Angebot. „Es wäre gut, wenn es gelingt, dass der Kunde alles, was er braucht, in Jülich findet“, sagt sie. Dieses Rundum-Angebot müsse mit einem Erlebnis-Charakter verbunden werden, so wie am Nikolaus-Vorabend oder dem verkaufsoffenen Sonntag in diesem Dezember. Dieses Erlebnis könne das Internet nicht bieten.

Deswegen bleiben noch Hausaufgaben, die Jülich und seine Händler noch machen müssen. Die Einkaufs-Erlebnisse müssten ausgebaut werden. „Außerdem fehlt uns in Jülich im Moment ein Haushaltswarengeschäft“, sagt Ute Werner.

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