Das Ship of Tolerance ist im Jülicher Brückenkopf-Park angekommen

Ship of Toleranz : 120 bunte Segel für Menschlichkeit und Toleranz

„Wer den Hafen nicht kennt, für den ist kein Wind der richtige“. Dieser Satz wird dem römischen Philosophen Seneca zugeschrieben. Das „Ship of Tolerance“ kannte den Weg und hatte den richtigen Wind, denn es hat in seinem Heimathafen angelegt. Seit Sonntag liegt der 18 Meter lange und elf Tonnen schwere Einmastsegler im Brückenkopf-Park Jülich vor Anker.

Seit Sonntag liegt der 18 Meter lange und elf Tonnen schwere Einmastsegler im Brückenkopf-Park Jülich vor Anker.

Der Wind allein war es aber nicht, der dies möglich machte. Dazu kam das Engagement des Kreises Düren in Zusammenarbeit mit der Stadt Jülich und die ausschließliche Finanzierung mit Hilfe von Sponsoren.

Es ist ein außergewöhnliches Schiff, dessen Geschichte viel früher begann, wie Landrat Wolfgang Spelthahn (CDU) ausführte, der bei strahlendem Sommerwetter viele Ehrengäste , aber auch Hunderte von Besuchern begrüßte, die die Attraktion sehen wollten. Gewöhnlich braucht ein Schiff Wasser, um sich fortbewegen zu können, dieses Schiff nicht. Es schwimmt auf seiner Botschaft, 2005 entwickelt von dem russischen Künstlerehepaar Emilia und Ilya Kabakov als Kunst- und Kulturprojekt. Die Idee: Ein Zeichen zu setzen für Toleranz und Menschlichkeit mit dem Ziel, Menschen unterschiedlicher Kontinente, Kulturen und Identitäten zu verbinden, indem sie aktiv in den Prozess eingebunden werden.

Dabei, erläuterte Spelthahn sei nicht der Schiffsrumpf entscheidend, sondern das Segel, das aus 120 Einzelteilen besteht. „Hunderte von Kindern und Jugendlichen im Alter von drei bis 18 Jahren haben es künstlerisch unter dem Zeichen von Menschlichkeit und Toleranz gestaltet.“ Schon in der Entstehungsphase wertvoll als ein Signal von Verständigung und Zusammenarbeit, sei das Projekt heute angesichts von Versuchen vieler Länder, sich als Nation abzugrenzen und andere Menschen auszugrenzen umso wichtiger und wertvoller.

Das „Ship of Tolerance“ ist in viele „Häfen“ dieser Welt eingelaufen. Unter anderem in Moskau, New York, Rom, London und Havanna habe es vor Anker gelegen, führte der Landrat aus, um sichtlich stolz hinzuzufügen: „Und jetzt hat es sich weiter nach vorne bewegt, nämlich nach Jülich.“  Es klingt vielleicht ein wenig vermessen, Jülich in einem Atemzug mit Metropolen dieser Welt zu nennen, aber Bürgermeister Axel Fuchs (parteilos), hatte eine einleuchtende Erklärung: „Wenn es irgendwo ein Zeichen für Toleranz und Menschlichkeit gibt, dann in Jülich, wo Menschen aus mehr als 120 Nationen vertreten sind.“

Künstlerin Emilia Kabakov war eigens aus New York angereist, um den Heimathafen ihres Schiffes kennenzulernen. Sie machte deutlich, Jülich als eine bemerkenswerte internationale Stadt entdeckt zu haben.

Für einen gelungenen Start in die Willkommensfeier hatte eine Performance gesorgt, die von der Musiktheatergruppe „exArt“ vom Gymnasium Vossenack gestaltet wurde. Sie wurde mit viel Beifall bedacht. Der war aber noch größer, als Landrat Spelthahn endlich das Kommando zum Setzen des Segels gab, das bis dahin gerafft nur einen kleinen Teil des Gesamtkunstwerkes preisgegeben hatte. Voll aufgebläht und begleitet von Hunderten Luftballons wurde die Botschaft in die Welt gesetzt, dass nur Menschlichkeit und Toleranz zu einer friedlichen Welt führen. Das Schiff hingegen bleibt vor Anker und ist ab sofort eine weitere Attraktion im Park.

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