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Viele Leserbriefe: Das sagen die Jülicher zur spontanen Platanen-Fällung am Markt

Viele Leserbriefe : Das sagen die Jülicher zur spontanen Platanen-Fällung am Markt

Die Reaktionen unserer Leser auf die Fällung der Platanen auf dem Jülicher Marktplatz sind harsch und vor allem zahlreich.

„Es macht mich traurig und fassungslos, dass unsere wunderschönen Platanen auf dem Marktplatz in dieser Nacht- und Nebelaktion gefällt wurden“, schreibt etwa Leserin Gabi Frinken und moniert, dass Briefe, Leserbriefe und Argumente für den Erhalt der Bäume und die gesammelten Unterschriften „einfach ignoriert und jetzt Fakten geschaffen“ wurden. Frinken erinnert auch an das Versprechen von Bürgermeister Axel Fuchs bei der Informationsveranstaltung im Mai 2021, dass kein Baum auf dem Marktplatz gefällt werde. Fuchs sei „wortbrüchig“ geworden.

„Jetzt so zu tun, als wenn es nur am Stadtrat gelegen hätte, lasse ich nicht gelten. Er hat mit seinem Hinweis auf die Kosten (ca. 71.000 Euro) für die fachgerechte Verpflanzung der Platanen, diese Entscheidung entscheidend geprägt.“ Frinken spricht von einer „Ignoranz des Bürgerwillens“, durch die ihr „Vertrauen in die Jülicher Politik massiv beschädigt, wenn nicht endgültig verspielt wurde“.

Wolfgang und Karina Claßen aus Titz schreiben von einem „Frevel an der Natur, gesunde, 35 Jahre alte Bäume zu fällen, nur weil ihr Standort nicht in die Neugestaltung des Marktplatzes passt. Andernorts schmücken sich Bürgermeister sowie Ratsherren damit, Bäume für eine bessere Umwelt zu pflanzen und hier wird Natur zerstört.“ Sie kritisieren, dass der Bürgermeister die gegen die Fällung gesammelten Unterschriften nicht entgegengenommen habe, stattdessen habe man „Fakten geschaffen, um ab sofort keine Diskussionen mehr mit den lästigen Bürgern zu haben.“

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Auch Sonja Rey-Völler aus Jülich ist ob der Vorgehensweise entsetzt: „Nicht nur die Art und Weise, in einer Nacht- und Nebelaktion anzurücken und Tabula rasa zu machen, ist bestürzend, sondern auch, dass dies nur eine Woche nach Übergabe von 1600 Unterschriften passiert, die sich für den Erhalt der Marktplatz-Bäume ausgesprochen haben.“ Rey-Völler ärgert vor allem, dass es keine Gespräche mit den Gegnern der Fällung gab: „Als Anfang dieses Jahres Corona-Leugner durch die Stadt zogen, wurde diesen von Seiten des Bürgermeisters Gespräche angeboten. Menschen, die sich engagieren und für ihre Umgebung einsetzen, wurde dies verwehrt. Das zeigt, wie in Jülich gewertet wird. Die Frage bleibt, warum Baumschutz in Jülich so wenig wert ist?“, fragt sie.

Ein Gesprächsangebot gibt es übrigens immer noch, wie Stephan Völler von der Initiative „Rettet die Platanen“ deutlich macht. „Auch wenn es im Moment für uns schmerzlich ist, sind wir nach wie vor bereit, das Gespräch bezüglich der nächsten anstehenden Planungen zu suchen, um gemeinsam ein besseres, ökologisch orientiertes Jülich zu gestalten“, schreibt Völler, zumal Jülich auf einem guten Weg in Richtung alternativer Energien sei und gerade in dem Zusammenhang Bäume als natürlicher CO₂-Speicher ein wichtiger Aspekt seien, um zukünftige Probleme zu lösen.

Auch Günter Dahmen, der seit Jahren für den Erhalt der Kastanienallee auf dem Jülicher Rurdamm kämpft, ist von dem Vorgehen der Stadt enttäuscht. „Schon früh haben wir den Vorschlag gemacht, diese wunderbaren, gesunden Platanen ‚lebend‘ zu versetzen. Auch hatte ich eine geeignete Pflanzstelle an der Zufahrt zum Brainergy-Park Jülich vorgeschlagen. Und bei der Info-Veranstaltung 2021 in der ‚Muschel‘ wurde den Verantwortlichen deutlich der Unmut über die Entfernung der Platanen, oder gar eine Fällung der Bäume vorgetragen.“

Dahmen weiter: „Natürlich hätte das Umpflanzen der 35-jährigen Platanen Geld gekostet, aber das wären diese 20 Bäume wert gewesen!“ Dahmen ist aber noch aus einem anderen Grund verärgert: „Ich hätte mir eine Ankündigung der Fällarbeiten durch die Stadt gewünscht und die Verantwortlichen des Stadtrates hätten den Mut aufbringen sollen, vor Ort zu sein. So traf der Zorn die Kollegen des Bauhofes, die nur die Reste abräumen durften.“

(red)