Ein Tag des gemeinsamen Glaubens: Das Hochfest der Katholiken wird in Jülich ökumenisch gefeiert

Ein Tag des gemeinsamen Glaubens : Das Hochfest der Katholiken wird in Jülich ökumenisch gefeiert

Fronleichnam, das Hochfest im Kirchenjahr der Katholiken, wird 2019 in der Pfarrei Heilig Geist Jülich im Zeichen der Ökumene gefeiert. Traditionell werden diese Feierlichkeiten am zweiten Donnerstag nach Pfingsten weltweit mit Festmessen und Prozessionen begangen.

Zurück geht der Feiertag auf die Visionen der belgischen Augustinernonne Juliana von Lüttich, auf deren Anregung hin Papst Urban IV. 1264 das Fest zur Heiligen Eucharistie einsetzte. „Zur Fronleichnamsfeier unserer Gemeinde sind am 20. Juni Christen aller Glaubensrichtungen nach Krauthausen herzlich eingeladen“, sagt Pfarrer i.R. Dr. Peter Jöcken.

Um 9 Uhr beginnt in der St. Josef Kirche die katholische Festmesse mit einer Predigt des evangelischen Pfarrers Horst Grothe. „Mein Einsatz hat etwas mit Versöhnungsarbeit zu tun“, erläutert der evangelische Priester, „groß geworden bin ich noch mit den wahren Geschichten über Karfreitag und Fronleichnam als Tagen, an denen man demonstrieren musste, dass die andere Konfession auf keinen Fall wertgeschätzt wird“.

Heute gebe es in Jülich eine gute Gemeinschaft zwischen den Konfessionen. „In solch einer Gemeinschaft gehört es einfach dazu, die Traditionen eines Freundes, also auch der Schwesterkirche, wertzuschätzen“, beont er, „was einem Freund heilig ist, ist auch mir heilig. Deshalb ist es ein wahnsinniges Geschenk für mich, dass ich von Pfarrer Jöcken zum Mitgehen an Fronleichnam eingeladen wurde“.

Das so etwas endlich möglich ist, sei auch ein großes Geschenk von der katholischen Gemeinde Heilig Geist an die beiden Konfessionen. „Es ist wunderbar, einen Tag des Konfliktes zum Tag des gemeinsamen Gehens machen zu können“. Diese Ansicht vertritt auch der katholische Pfarrer Peter Jöcken, der als Mitglied der Ökumenischen Kommission des Bistums Aachen im Jahr 2005 an der Ausarbeitung des „Jahresbogens der Ökumenischen Aufmerksamkeit“ mitgewirkt hat.

Die Betonung der Gleichwertigkeit zwischen Gotteswort und Sakrament macht die ökumenische Begegnung an Fronleichnam in Jülich bereits zum vierten Mal möglich. „Die Kirche hat nur eine Zukunft, wenn sie ökumenisch ist“, zitiert Pfarrer Jöcken einen der größten deutschen Theologen des 20. Jahrhunderts, Karl Rahner. „Das finde ich richtig“, sagt er, „denn nur, wenn wir miteinander arbeiten und einander wertschätzen, haben wir eine Zukunft“.

Den eigenen Standpunkt klar zu vertreten, sich aber auf die Position eines anderen einzulassen, um einen Mittelweg für friedliche Koexistenz zu finden, ist auch für Pfarrer Grothe, unabhängig von der Konfession, die Aufgabe aller gutwilligen Menschen. Daher gehen Pfarrer Grothe mit dem Evangeliar und Pfarrer Jöcken mit dem Allerheiligsten in der Monstranz gemeinsam unter dem Baldachin den Prozessionsweg.

Die Bezeichnung Fronleichnam leitet sich vom mittelhochdeutschen „vrône“ (Herr) und „lîcham“ (Leib) ab und heißt in der Liturgie „Hochfest des lebendigen Leibes und Blutes Christi“. „Mit der Monstranz wird die leibliche Gegenwart Christi (konsekrierte Hostie) aus der Kirche heraus in die Welt hinein gebracht. Wir wollen Jesus auf die Wege tragen, die wir immer gehen“, erklärt Peter Jöcken, „diese Wege, die oft steil und mit viel Leid und Problemen behaftet sind, sollen für alle Menschen in den Segen Gottes hineinkommen“.

(mavo)
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