Aachen/Linnich: Chef der Eros-Bar niedergestochen: Prozessauftakt

Aachen/Linnich: Chef der Eros-Bar niedergestochen: Prozessauftakt

Thomas S. aus Linnich stammt aus gutem Hause, wie er am Mittwoch vor dem Aachener Schwurgericht mehrfach betonte. Und doch entglitt dem Kaufmann und ehemaligen Berufsberater am frühen Morgen des zweiten Weihnachtstages 2015 sein Leben völlig. Laut Anklage der Staatsanwaltschaft hatte der 40-Jährige gegen 6.30 Uhr an diesem hohen Feiertag versucht, den Besitzer der Linnicher Eros-Bar zu töten.

Und dies nur, weil dieser ihn des Etablissements verwiesen hatte und ihn auch trotz heftiger Drohungen nicht wieder hinein lassen wollte. Da zückte Thomas S. ein Klappmesser mit etwa etwa acht Zentimeter langer Klinge, das er immer bei sich trage, wie er am Mittwoch dem Vorsitzenden Richter Arno Bormann versicherte.

Unter wüsten Beschimpfungen wie „ich mach dich fertig“ und „ich schieße dir eine Kugel durch den Kopf“ griff er sein Gegenüber an und versetzte ihm einen Stich seitlich in den Hals, holte sodann aus, um neuerlich zuzustechen. Doch der Barbesitzer, der als Nebenkläger dem Prozess beiwohnt, ist kein Leichtgewicht. Ihm gelang es, denn wütend schreienden Angreifer zu Boden zu ringen und seine Messerhand festzuhalten.

Bardame hilft mit High Heels

Hilfe sei dann, so hieß es in der Anklageschrift, von einer Bardame gekommen, die die Hand des Angeklagten auf dem Boden fixierte, indem sie sich mit ihren High Heels auf den Arm des Angreifers stellte. So gelang es, den wütenden Mann zu überwältigen und die Polizei zu rufen.

Weil er das Opfer erheblich am Hals verletzt hatte, lautet die Anklage auf versuchten Totschlag und gefährliche Körperverletzung. Er habe mit Tötungsabsicht zugestochen, formulierte es Staatsanwalt Sebastian Muhl am ersten Prozesstag.

Thomas S. ist geständig. Doch was er gestehen soll, das wisse er nicht so recht, gab er auf Fragen des Gerichts an. Zwar kenne er die Akten in- und auswendig, doch an die entscheidenden Minuten könne er sich nicht erinnern, sagte S. zerknirscht. Die Fakten sind klar: Nach dem Rauswurf aus der Eros-Bar dauerte es noch mehr als eine Stunde, bis er zurückmarschierte und wieder hinein wollte.

In die Bar war er gemeinsam mit einem Bekannten gekommen, den er am selben Abend in einer Linnicher Kneipe kennengelernt hatte und mit dem er in das Eros-Etablissement umzog, weil „sonst nichts offen war“.

Den ganzen Abend getrunken

Der neue Bekannte berichtete im Zeugenstand, dass man einfach gemeinsam getrunken habe, den ganzen Abend lang, und dann ging‘s weiter in der Bar.

Dort habe man an der Theke gestanden. Er, der Zeuge, habe sich mit einem Mädchen unterhalten, der Angeklagte habe weitgehend geschwiegen. Kurz vor dem Rauswurf habe der Zeuge zur Toilette gemusst. Thomas S. habe ihn am Zigarettenautomaten aufgehalten und schon dort gegen ihn das Messer gezückt. Das habe jemand mitbekommen, daraufhin sei S. aus dem Etablissement geschmissen worden.

Was draußen passierte, so wiederholte es der Angeklagte immer wieder, daran könne er sich nicht erinnern - ein Filmriss.

Nach seiner Festnahme war ihm auf der Polizeiwache Blut abgenommen worden: Drei Stunden nach dem Vorfall hatte S. noch 1,6 Promille.

Bereits in der kommenden Woche, am 24. Mai, soll ein Urteil gesprochen werden.