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Bunte Fläschchen vermitteln fatale Coolness

Bunte Fläschchen vermitteln fatale Coolness

Kreis Düren. Sie heißen Rigo, Bacardi-Breezer oder Smirnoff-Ice: Die so genannten Alcopops, Mix-Getränke mit hohem Alkoholgehalt, die bei Jugendlichen zurzeit enorm angesagt sind. Doch die bunten Dinger haben es in sich.

Auf kaum einer Party, egal ob zu Hause oder in der Disco, fehlen die bunten Getränke in den kleinen Glasflaschen, die etwa sechs Prozent Alkohol aufweisen.

Alkoholische Getränke gab es zwar schon früher auf jeder Party, auf denen auch „härtere Sachen” als Bier getrunken wurden, Problem der neuen Trendprodukte jedoch ist, dass der darin enthaltene Schnaps durch Süßungsmittel kaum noch zu schmecken ist.

Geschmack erinnert an Gummibärchen

„Der Geschmack der Getränke erinnert eher an Gummibärchen. Die Jugendlichen merken gar nicht, dass sie mit einer Flasche fast soviel Alkohol zu sich nehmen, wie bei einem doppelten Schnaps”, beschreibt Wilfried Pallenberg von der Drogenberatungsstelle der Caritas in Düren (DroBs) die Gefahr der Alcopops.

Jugendliche, die Alkohol eigentlich nicht mögen und nur wenig oder gar keinen trinken, würden durch die Alcopops eher zur Flasche greifen. Zudem erzeugen die Hersteller durch gezielte Werbekampagnen ein positives Image, so Pallenberg weiter: „Die Hersteller vermitteln Coolness und Lässigkeit. Das kommt bei den Jugendlichen gut an. Und das Image ist heute für die Kids sehr wichtig, um dazu zu gehören.”

Alkohol ohne Grimasse

Laut Pallenberg haben die Mix-Getränke die Jugenddrogenszene verändert: „Früher war Saufen nicht in. Beim Trinken verzog es einem das Gesicht, das war uncool. Heute, durch den süßen Geschmack der Getränke, muss keiner mehr eine Grimasse ziehen und kann lässig mit einer Flasche in der Hand rumstehen.”

Pallenberg weist auch darauf hin, dass schon 14- oder 15-Jährige oft ohne Probleme an den „Stoff” gelangen, obwohl die Getränke gesetzlich erst an 18-jährige verkauft werden dürfen. Bestätigt wurde dieser Vorwurf durch einen Testkauf, den die DZ mit zwei 17-jährigen Schülern in der Dürener Innenstadt durchführte: In zwei von vier Geschäften konnten die Jugendlichen ohne Probleme Alcopops kaufen, wurden nicht einmal nach ihrem Alter gefragt. Zweimal war für sie jedoch an der Kasse Endstation. Auch die Ausrede, „den Ausweis habe ich vergessen”, half hier nicht weiter, die Flaschen mussten an der Kasse zurück bleiben.

Strafsteuer?

Und auch die Politik scheint das Problem mit den Alcopops nun erkannt zu haben und arbeitet an Lösungswegen. Ein Gedanke ist dabei, die Mix-Getränke mit einer „Strafsteuer” zu belegen und den Preis auf diese Art zu verdoppeln. Das, so die Überlegung der Experten, würde vor allem junge Menschen, bei denen das Geld knapper sitzt, davon abhalten, Alcopops zu konsumieren.

In Frankreich wurde diese Methode schon 1997 angewendet, mit dem Erfolg, dass der Markt für derartige Getränke fast zusammengebrochen ist. Wilfried Pallenberg ist da etwas skeptischer: „Über den Preis allein wird man das Problem nicht lösen können. Die Hersteller werden Wege finden, die Strafsteuer zu umgehen. Wichtig ist daher auch eine gute Prophylaxe.”