Jülich: „Bunte Blumen“: Dokumentarfilmer Wisam Zureik zeichnet Flucht aus Syrien

Jülich: „Bunte Blumen“: Dokumentarfilmer Wisam Zureik zeichnet Flucht aus Syrien

„Eine bunte Welt ist schön, wie bunte Blumen.“ In Anlehnung an diese Worte des syrischen Flüchtlings Lazgen Hasano nannte der palästinensische Filmemacher Wisam Zureik seinen sehr einfühlsam gedrehten Dokumentarkurzfilm über den Menschen Lazgen mit all seinen Facetten über seine Flucht und Empfindungen „Bunte Blumen“.

Eine bunte Welt fand sich auch auf Einladung der Katholischen Studentengemeinde KSG Jülich in Kooperation mit dem Akademischen Auslandsamt der FH Aachen im Studierendencafé „Delta t“ auf dem Jülicher Campus ein, um den Film anzuschauen und miteinander ins Gespräch zu kommen. Für harmonische arabische Klänge sorgte der irakische Diplommusiker Rageed William mit Stücken auf den uralten Flöten Duduk und Rey. Gerne beteiligte er sich vor und nach dem Film an der Unterhaltung.

Weil drei Gäste aus Bangladesch und Pakistan zu wenig Deutsch sprachen, führte Pastoralreferent Alexander Peters zunächst in Englisch in die Veranstaltung ein. Filmsprache war Arabisch mit deutschen Untertiteln. Spontan bot Zureik an, seine Version mit englischen Untertiteln abzuspielen, dabei handelte es sich aber nicht um die finale Fassung. Das internationale Publikum stimmte zu und führte auch das anschließende Gespräch in Englisch.

Flucht

Wovon handelt der Film? Protagonist Lazgen wurde von den Sicherheitskräften des Assad Regimes 2011 inhaftiert. Er beschreibt unter anderem seine einen Meter große, absolut dunkle Zelle, in der die Häftlinge gebrochen werden. Er spricht über seine Flucht durch die Türkei und Bulgarien, seine Orientierungslosigkeit in Wäldern, aufgebrauchte Essens- und Trinkvorräte und eisige Kälte.

Endlich in einer freundlichen Wohnung in Sande, einem Ortsteil von Paderborn angekommen, vermisst er schmerzlich seine Frau Salma, die „Freude seines Lebens“, die in Syrien bleiben musste. „Ohne sie kann ich nicht glücklich sein.“ Schließlich fahren Lazgen und seine Flüchtlingsbetreuerin zum Flughafen, um Salma abzuholen. Die sehr emotionale Wiedersehensszene nach drei Jahren Trennung kommt vollkommen ohne Worte aus.

Erwähnenswert sind Lazgens Gründe, warum er nach Deutschland gekommen ist. Er will seinen Beruf weiter ausüben und schätzt es sehr, „dass die Menschenwürde in Deutschland respektiert wird“. Sein Resümee ist: „Krieg ist keine Lösung, er bringt nur andere Probleme mit sich.“

Die ersten Fragen der von dem bewegenden Film sehr angetanen Gäste richteten sich an den Regisseur, seine Herkunft und die Hintergründe des Films. Aus Zeitgründen verwies der 1985 geborene Zureik als Antwort auf seinen Lebensweg auf seinen erster Film, eine Abschlussarbeit seines Mediendesign-Studiums mit dem Titel „Woher kommst du?“ Der Film, der im Übrigen mit dem Kölner Designpreis nominiert wurde, ist die Identitätssuche des christlichen Arabers mit palästinensischen Wurzeln und israelischem Pass.

„Bunte Blumen“ sei kein Werbefilm, sondern als sozialer Beitrag entstanden, erklärte Zureik. Sein nächster Film zum Thema Diskriminierung sei bereits in Arbeit. Der Regisseur hat gelernt, „in jeder Kultur die besten Dinge zu schätzen“. Was schätzt er am meisten in Deutschland? „Die Pünktlichkeit“.

Der weitere Austausch bot Einblicke in diverse Länder und ihre Bewohner, ihre Regierungsformen und Religionen. „Freie Demokratie ist nicht so einfach. Wenn du frei sein willst, musst du hart dafür arbeiten“, war ein Resümee. Die andere, bereits im Vorfeld des Filmes in Worte gefasste Erkenntnis war: „Verschiedene Religionen werden erst zum Problem, wenn sie politisiert werden“.

(ptj)