Linnich: Bürgermeisterwahl: Wolfgang Witkopp baut auf 20 Jahre Erfahrung

Linnich: Bürgermeisterwahl: Wolfgang Witkopp baut auf 20 Jahre Erfahrung

„Ich gehe mit der Hoffnung in die Wahl, noch einmal eine Mehrheit der Linnicher Bürgerinnen und Bürger hinter mich versammeln zu können.“ Wolfgang Witkopp wirkt gelassen. Der amtierende Bürgermeister des Städtchens an der Rur, wie sein Vorgänger es einst betitelt hatte, kann seine Kandidatur mit einem Leistungsnachweis begründen.

„Ich tue das in der Erwartung, dass die Menschen meine Arbeit in den vergangenen 20 Jahren als wertvoll für Linnich erachten.“ In dieser Hinsicht unterscheidet sich der Amtsinhaber eindeutig von den fünf Herausforderern: Sein Zeugnis hat schon Noten, die der anderen noch nicht.

Der Schulvergleich kommt nicht von ungefähr. Im „früheren Leben“ war Witkopp Lehrer. Unabhängig davon, dass er seinen persönlichen Lernanteil zu erbringen hatte, habe er in Hans-Peter Vieten und dessen Nachfolger, dem heutigen Beigeordneten Hans-Josef Corsten, zwei loyale Mitarbeiter gefunden, auf die er sich immer habe verlassen können. Die Erfahrung war offensichtlich prägend: „Jeder ist gut beraten, auf seine Mitarbeiter zu hören.“ Diese Einstellung hat ihre Wurzel in der persönlichen Charakterisierung. „Ich verstehe mich als Teamplayer.“

An dem Team würde Wolfgang Witkopp bei einer weiteren Amtszeit im Rathaus nicht viel ändern. Die Qualität der Verwaltungsmitarbeiter brauche keinen Vergleich zu scheuen. Allerdings sei dieses Team zahlenmäßig am Limit. Zusätzliche Aufgaben ließen sich also nur durch Verteilung auf vorhandene Stellen bewerkstelligen. Mehreinstellung ausgeschlossen, es sei denn aus der Not geboren, wie bei der zusätzlichen Kraft zur Bewältigung der Flüchtlingsaufgaben. Im Grunde müsste die Verwaltung sogar verschlankt werden. „Ernsthafte Einsparungen in unserem Haushalt gingen nur über Personalabbau. Aber da wären zwei Stellen schon radikal.“

Überhaupt „Geld“ — das wird eine der großen Zukunftsfragen sein. Witkopp ist skeptisch, wenn mehr Gewerbeansiedlung als Allheilmittel betrachtet wird. Jedes Mehr an Steueraufkommen werde im Grunde wieder geschluckt von steigenden Umlagen, die der Stadt abverlangt würden. Abgesehen vom Ergebnis: „Alleine eine Gewerbefläche zu vermarkten, halte ich für eine extrem schwierige Aufgabe für eine Kommune wie Linnich“, so die Einschätzung des Verwaltungschefs.

Alles düster in Linnich? Witkopp tritt diesem Eindruck entschieden entgegen. Es gebe auch viel Positives, für dessen Erhalt und Weiterentwicklung er eintreten wolle: das Glasmalerei-Museum, das Heimatmuseum und etliche andere Einrichtung beispielsweise. Die interkommunale Zusammenarbeit sei ein weiteres Feld, das schon Früchte trägt, aber durchaus noch weiter bestellt werden müsse.

Zu den harten Standortfaktoren, an denen gefeilt werde, zählt der Bürgermeister zu allererst das Integrierte Handlungskonzept (IHK) mit dem Schwerpunkt Neugestaltung der Innenstadt. Auch die Schulsituation gehöre zum Positiven. Die Gesamtschule Aldenhoven — Linnich lebt. „Ich rechne es mir mit an, dass Schüler künftig auch in Linnich Abitur machen können“, bezeichnet Witkopp seine Rolle bei dem nicht einfachen Entstehungsprozess. Real- und Hauptschule in der Stadt werden geordnet abgewickelt, und mit den beiden später völlig intakten Schulgebäuden sei Linnich bestens gerüstet, kommende Bedürfnisse aus dem Schulentwicklungsplan oder etwa von OGS oder Kindergärten zu befriedigen.

Der Rückblick auf die längste Amtszeit eines Bürgermeisters neuer Prägung in NRW gibt Wolfgang Witkopp die Kraft für die Zukunft: „Linnich braucht einen Bürgermeister mit Erfahrung, weil so viele begonnene Projekte Kontinuität erfordern.“ Dieses Rüstzeug, aus einem reichen Erfahrungsschatz schöpfen und auf wichtige Kontakte zurückgreifen zu können, sei die tragende Säule seiner Kandidatur. Einen Wahlkampf an der Haustür wird der Bürgermeister übrigens nicht führen. „Ich bin jetzt 20 Jahre unterwegs. Wer mich jetzt noch nicht kennt, soll mich zu sich einladen.“