Jülich: Bürgermeisterwahl: Peter Ullrich steigt in Wahlkampf ein

Jülich: Bürgermeisterwahl: Peter Ullrich steigt in Wahlkampf ein

Frank Peter Ullrich funkt jetzt auf allen Kanälen. Der Bürgermeister-Kandidat von CDU und SPD in Jülich ist seit Dienstag in Facebook zu finden, auf seiner Kandidaten-Homepage, aber vor allem auch: auf der Straße.

Schon am vergangenen Wochenende stieg er in den Nah-Wahlkampf ein, besuchte den Mai-Umzug in Barmen oder die Feuerwehrfeste in Lich-Steinstraß und Mersch/Pattern. Das war so etwas wie der Startschuss eines Rennens, zu dem nicht nur der 45-Jährige aus Arnoldsweiler antritt. Er aber wird von der amtierenden Jülicher „Regierung“ unterstützt. Das gab es Jahre nicht.

CDU-Stadtverbandschef Elmar Fuchs bringt Ziel und Aufgabe auf diesen Punkt: „Wir müssen der Bevölkerung sagen, warum wir den Besten haben.“ Der Christdemokrat ist zutiefst überzeugt, den besten Personalvorschlag bei der Wahl am 13. September zu unterbreiten, denn die Anforderungen an den Bürgermeister einer Stadt wie Jülich sind nicht ohne.

Das erforderliche Profil reicht vom Juristen über den Betriebswirt bis zum einfühlsamen Personalmanager. Natürlich mit Herz, Visionen, Bodenhaftung. Die Sprache der „Leute an der Theke“ in einem Festzelt muss der Erste Bürger eines Mittelzentrums genauso sprechen können wie die diplomatischen Floskeln beim möglichen nächsten Besuch eines Bundespräsidenten (im Forschungszentrum).

„Wer kandidiert, muss das gesamte Spektrum beherrschen“, sagt Frank Peter Ullrich beim Redaktionsbesuch diese Woche. Ihn ficht nicht an, ob sich auch der Amtsinhaber erneut zur Wahl stellt, was weiterhin unklar ist. „Ich wäre auch bei einem Kandidaten Stommel angetreten.“ Von dem Mann, der seit fast zwei Jahrzehnten an der Spitze der Verwaltung steht, spricht er mit Respekt. „Wer das so lange macht, hat sich Verdienste erworben.“

Schlagen will er ihn natürlich trotzdem, wenn es dazu kommen sollte. Das sei auch zweitrangig, sagen die beiden Großkoalitionäre Marco Maria Emunds (SPD) und Elmar Fuchs. Im Koalitionsvertrag sei der Wechsel an der Spitze der Jülicher Stadtverwaltung ein wichtiges festgeschriebenes Ziel — Punkt. Daher sei die Suche nach einem gemeinsamen Kandidaten folgerichtig gewesen und auch von den Mitgliedern beider Parteien gebilligt worden.

Bislang gibt es neben Ullrich nur einen „sicheren“ weiteren Bewerber um den Chefsessel im Jülicher Rathaus: Axel Fuchs. Er ist parteilos und hat mit 400 Unterstützer-Unterschriften die erforderliche Zahl doppelt erfüllt. Donnerstagabend schickte sich die zweitgrößte Kraft im Stadtrat, die UWG Jül, an, einen ihrer führenden Köpfe zum Kandidaten zu küren. Das wäre dann Bewerber drei.

Um die Unterstützung von Grünen und Liberalen wollen sich Ullrich und die große Koalition noch bemühen. Der Kandidat aus dem Dürener Stadtteil wird vor deren Mitgliedern sprechen, dann sieht man weiter.

Ullrichs inhaltliche Positionen sind auf diese kurzen Nenner zu bringen: Er möchte Jülich wirtschafts- und bürgerfreundlicher aus dem Rathaus heraus gestalten, die Infrastruktur im Zentrum und auch den Dörfern erhalten, die 420-köpfige Belegschaft der Verwaltung weniger frustriert und effektiver arbeiten lassen. Vor allem aber darf man sich darauf einstellen, dass der Koalitionskandidat (Motto: „Gemeinsam für Jülich“) den Haushalt gründlich durchforstet und nach Möglichkeit konsolidiert.

Denn darin kennt sich der 45-jährige Familienvater, der im Moment beim Bundesrechnungshof arbeitet, aus. Ist im Falle einer Wahl der „Ober-Sparminister“ am Ruder, fragte die Redaktion. Ullrich antwortet lachend: „Man wird das Geld sinnvoll einsetzen müssen, aber nur das, was man hat. Die Stadt kaputtzusparen, ist aber bestimmt nicht mein Ziel.“

Wie er sich den Spagat zwischen Konsolidierung und Investitionen genau vorstellt, fragt man ihn am besten selbst: am Samstag von 10 bis 12 Uhr in der Kölnstraße — einer der vielen nächsten Termine im Nah-Wahlkampf. Vielleicht sind auch noch weitere Kandidaten unterwegs. Es ist sogar wahrscheinlich.

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