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Linnich: Bürgerbus fährt eine Million Kilometer auf Linnicher Straßen

Linnich : Bürgerbus fährt eine Million Kilometer auf Linnicher Straßen

Der Fahrplan hat sich nicht geändert. Seit 20 Jahren hält der Bürgerbus Linnich zur gleichen Zeit an den gleichen Haltestellen. „Das verwirrt doch sonst unsere Gäste, die seit Jahren den Bus nutzen und den Fahrplan auswendig kennen“, sagt Peter Friedrich. Er ist Kassierer des Vereins Bürgerbus Linnich und sitzt seit zwölf Jahren ehrenamtlich hinter dem Steuer.

Gegründet wurde der Verein bereits 1997 als Reaktion auf die Sparmaßnahmen der Stadt. Sie musste die Kindergartenbeförderung einstellen. Der damalige Elternratsvorsitzende in Gevenich, Reinhold Weiß, war von Beginn an von der Idee eines Bürgerbusses begeistert und steckte zusammen mit anderen engagierten Bürgern viel Energie in deren Umsetzung. Im März 1998 nahm das erste Fahrzeug schließlich den Betrieb auf.

Es dauerte einige Zeit, bis das Angebot zuverlässig von den Bürgern angenommen wurde. „Am Anfang stockte es, aber dann hat sich das rumgesprochen. Inzwischen ist der Bürgerbus eine feste Institution“, sagt Friedrich stolz.

Noch immer machen die Kindergartenkinder, die aus den umliegenden Dörfern abgeholt und zum Kindergarten gebracht werden, einen Großteil der Kundschaft aus. Aber auch ältere Menschen nutzen das Angebot. Im Gegensatz zum normalen Linienverkehr können sich die Busfahrer nach den Bedürfnissen der Passagiere richten, denn der Bus hat nur acht Sitzplätze. Die werden auch zunehmend von Menschen mit Behinderungen genutzt. Im vergangenen Jahr machten sie 28 Prozent aller Fahrgäste aus. „Wir fahren die Bürger bis vors Geschäft und holen sie dort mit ihren Einkäufen auch wieder ab, um sie bis vor ihre Haustür zu fahren“, sagt Günter Bläsen. Er ist der Geschäftsführer des Vereins und sitzt selbst seit fünf Jahren regelmäßig ehrenamtlich hinter dem Steuer.

Der Bus folgt einem straffen Zeitplan. Morgens ab 7.15 Uhr werden die Kinder zu den Kindergärten gebracht, danach folgen die Linienfahrten über Gereonsweiler, Ederen, Welz und Rurdorf und über Gevenich, Hottorf, Kofferen, Glimbach und Körrenzig, jeweils von und nach Linnich. Ab zwölf Uhr müssen die Kinder vom Kindergarten wieder nach Hause gebracht werden. Das bedeutet auch: Kindersitze anbringen, abbauen und später wieder anbringen, denn die Sicherheit der kleinen und großen Passagiere im Bus ist für die Fahrer das höchste Gebot.

Inzwischen 20 Fahrer

Begonnen hat der Verein mit nur drei ehrenamtlichen Fahrern, heute sind es 18 Männer und zwei Frauen, die sich die Fahrten aufteilen. „Die Fahrer sind zwischen 60 und 78 Jahre alt und nutzen ihren Ruhestand, indem sie sich zu engagieren“, sagt Friedrich. Ihm selbst mache besonders die Interaktion mit den Gästen Spaß. „Wir kennen fast jeden Fahrgast persönlich. Wer einmal mitkommt, kommt wieder“, erklärt er.

Täglich von montags bis freitags legt der Bus eine Strecke von etwa 150 Kilometern zurück. Das summiert sich über die Jahre: Inzwischen haben die Fahrer gemeinsam eine Strecke von knapp einer Million Kilometer auf Linnicher Straßen zurückgelegt. Alle sieben Jahre muss daher ein neuer Bus angeschafft werden. Seit Februar ist Bus Nummer vier im Einsatz. Knapp 80.000 Euro hat der Sprinter gekostet, der den neusten Sicherheitsstandards gerecht wird. Die Hälfte der Kosten übernimmt die Bezirksregierung, die andere Hälfte muss der Verein selbst stemmen. Hinzu kommen noch weitere Kosten, beispielsweise für Sprit, der im Monat circa 450 Euro kostet, und Inspektion.

Mit dem Geld von Sponsoren durch die Vermietung der Werbeflächen sowie aus dem Verkauf der Fahrkarten konnte der Verein die Kosten bisher decken.

Allerdings sind die Fahrgastzahlen in den vergangenen Jahren rückläufig. Waren es 2015 noch 5200 Fahrgäste, sind es 2017 nur 3100 Passagiere gewesen. „Ältere Menschen fahren häufiger selbst mit dem eigenen Auto“, vermutet Friedrich. Doch statt die Fahrkartenpreise zu erhöhen, hat der Verein sie gesenkt. „Senioren sind auch von Armut betroffen“, sagt Friedrich. Daher kosten Hin- und Rückfahrt nur noch drei Euro, weniger also als bei großen Linienbussen.

Damit die Rechnung trotzdem aufgeht und jedes Jahr ein Betrag für einen neuen Bus zurückgelegt werden kann, achten die Fahrer auf jeden Cent. Sie tanken, wenn der Sprit günstig ist, und den Bus waschen sie inzwischen selbst. „Wir wollen mit dem Bus nicht reich werden, aber wir müssen schon wirtschaften können“, sagt Friedrich.

Auf die Frage, was sich der Verein für die Zukunft wünscht, hat er eine eindeutige Antwort parat: „Der Bürgerbus wünscht sich immer engagierte ehrenamtliche Fahrer“, sagt Friedrich. Damit soll gesichert werden, dass der Bürgerbus auch in Zukunft die Linnicher Bürger sicher an ihr Ziel bringen kann.