Barmen: Bühnenkampf als neues Unterrichtsfach

Barmen: Bühnenkampf als neues Unterrichtsfach

„Schauspiel ist für viele etwas Abstraktes“, weiß René Blanche, Leiter der Aachener Schauspielschule und des Burgtheaters Overbach. „Um Hemmschwellen abzubauen und Berufsorientierung zu bieten“, öffnet die Aachener Schauspielschule seit ihrer Gründung vor sechs Jahren einmal in jedem Sommer ihre Pforten zur fünftägigen Sommer-Schauspiel-Werkstatt — „für Teilnehmer aller Couleur, aller Altersklassen“.

Das ist besonders deshalb ein reizvolles Angebot, weil die meisten Schauspielschulen strikte Altersgrenzen ziehen, die bei Frauen gewöhnlich bei 21, bei Männern bei 24 Jahren liegen. „Als private Schauspielschule sehen wir das nicht ganz so eng“, betonte Blanche. So legte eine Akteurin mit Bühnenerfahrung, die ihrer Schauspielerei eine professionelle Note verleihen wollte, unlängst in Aachen erst mit 40 Jahren die Abschlussprüfung ab, was natürlich die Ausnahme ist.

Die Sommer-Schauspiel-Werkstatt, die erstmalig in der neuen Residenz des Burgtheaters Overbach ausgerichtet wird, ist ein Gemeinschaftsprojekt der Aachener Schauspielschule und des Burgtheaters Overbach mit Haus Overbach. Sie gliedert sich in die obligatorischen Unterrichtsfächer der Talentschmiede, unterrichtet von denselben Dozenten. „Um den Schülern breites Rüstzeug mit auf den Weg zu geben“, wird neben dem Hauptfach Schauspiel auch Camera-Acting, Gesang (zur Stimmbildung), Sprecherziehung, Tanz und Bühnenkampf gelehrt — Letzteres sei bei den Schülern besonders beliebt. „Wir fangen mit Gesang an“, weiß Blanche von der Eignung des Schulfachs als „Eisbrecher“ in einem Workshop.

Der Werkstatttag gliedert sich in zwei Unterrichtsblöcke, unterbrochen von einer gemeinsamen einstündigen Mittagspause, auf die der Schulleiter großen Wert legt. „Die Leute, die sich montags treffen, haben sich noch nie gesehen. Freitags haben wir ein ganzes Ensemble zusammen“, berichtet Blanche von seinen Erfahrungen aus den Workshops, deren Teilnehmer mit „aussagekräftigen Zertifikaten“ belohnt werden. Wer die Werkstatt mindestens „mit Erfolg“ absolviert, erspart sich die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule. Ein bis zwei Plätze hält das Leitungsteam, das zweimal jährlich Schüler aufnimmt und sich „über enormen Zulauf“ freut, bis nach der Schauspiel-Werkstatt frei.

Erfahrungsgemäß werden diese Plätze belegt. 2014 wurde beispielsweise bei dieser Gelegenheit das Talent Lukas Metzinger entdeckt, der bereits ein Jahr später in der „Schneekönigin“ als „kleiner Troll“ auf der Bühne stand. Anstelle von Knebelverträgen während der Ausbildung „führen wir extra Aktionen durch, damit die Schüler während ihrer Ausbildung Engagements bekommen“, stellt der Schauspielschulleiter heraus. Beispiele für Praxisprojekte sind neben Theaterinszenierungen Berufswerbespots oder Imagefilme. Aktuell plant die Schauspielschule in Zusammenarbeit mit einer Hochschule in Thüringen eine „Hochschulausbildung mit Präsenzphasen in Thüringen“, bei der neben der eigentlichen Schauspielerei Fächer wie Vertragsrecht oder Buchführung auf dem Unterrichtsplan stehen.

(ptj)
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