„Bücherherbst“ in der Jülicher Buchhandlung Fischer

Jülich : „Bücherherbst“: Gute Lektüre abseits der Bestsellerlisten

Zur achten Auflage des beliebten „Bücherherbst“ war die Jülicher Buchhandlung Fischer „bis auf den allerletzten Klappstuhl voll besetzt“. Sechs Buchhändler stellten ihre jeweils persönlichen Favoriten aus jedem Genre der Herbstnovitäten vor, wobei das Buch nach eiserner Regel „nicht auf der Spiegelbestsellerliste stehen darf“.

„Wir stellen jedes Jahr fest: Die Liebe gewinnt immer.“ So brachte Gastgeberin Eva-Behrens Hommel augenzwinkernd die Resonanz auf den Punkt. Begeisterte Buchhändler sorgten für Lebendigkeit und Schwung beim Traditionsevent, das nur zehn der über 100 Gäste zum ersten Mal besuchten.

„Ich habe den ungezähmten Roman Seite für Seite verschlungen. Das Buch kann man auch als Große noch lesen.“ Die Rede ist „Vom Suchen und Finden“ von Kenneth Oppel, präsentiert von „Kinderbuchfee“ Katja Dahmen, die ihre Ausführungen mit Alters- und Geschlechtsempfehlungen versah. So sei etwa die Fabel von Katzen, Mäusen und Ratten „Der Mond hinter den Scheunen“ von Erwin Moser „zum Vorlesen ab sieben, zum selber Lesen ab neun geeignet“.

„Der Chef“ Wolfgang Hommel überraschte das Publikum zunächst mit einem „Genrewechsel“ mit seiner Wahl „Die Söhne des Scheiks“ von Franz Kandolf, das „80 Jahre lang in den Archiven schlummerte“. Hommel zitierte „Kara Ben Nemsi“, Ich-Erzähler in den Orient-Romanen von Karl May. Kandolf zählte zu dessen Herausgeberteam und knüpft an Ereignisse aus den Bänden 2 und 3 der Gesammelten Werke Karl Mays „Durchs wilde Kurdistan“ und „Von Bagdad nach Stambul“ an. Die Pastiche „weckt für Ältere Jugenderinnerungen und ist trotzdem ein neues Buch“, unterstrich Hommel. Ferner stellte er unter anderem das teilweise recht humorvoll geschriebenes Sachbuch „Im Namen der Flagge“ vor, dessen Untertitel „Die Macht der politischen Symbole“ erklärend wirke.

„Schräge Fantasy mit viel Blut“

„So ein Buch habe ich vorher noch nie gelesen“, begeisterte sich Ellen Peters für „Nevernight — Die Prüfung“ aus der Feder des australischen Bestsellerautors Jay Kristoff. Das 700 Seiten starke Buch ist „schräge Fantasy, ungewöhnlich und spannend, mit viel Blut“ und deshalb nichts für Kinder und Jugendliche.

Guido Lips‘ Lieblingsbuch ist das beeindruckende Familienporträt „Die Liebe, die uns bleibt“ von Jenny Eclair. Der recht unverblümt und mit britischem Humor geschriebene Roman spielt in der Gegenwart, lebt aber von Erinnerungen, die ihr Haus erzählt, als Protagonistin Edwina es verkaufen will.

Eva Behrens-Hommel, die mit drei Büchern auch drei verschiedene Genres vorstellte, hat ein besonderes Faible für das „wunderbar satirische“ Buch „Hier wächst nichts“ von Jörg Pfenningschmidt und Jonas Reif. Im Gartenbuch der anderen Art finden die Autoren mit einem guten Schuss Selbstironie und Sarkasmus die Balance zwischen gärtnerischen Auswüchsen und Alternativen zur gärtnerischen Tristesse.

Persönlicher Favorit von Jürgen Schmitte ist „Ein wilder Schwan“ vom amerikanischen Pulitzerpreisträger Michael Cunningham. Dieser erzählt mit Witz und Schwung Märchen neu und aus anderem Blickwinkel und lehrt etwa Rumpelstilzchen besser kennen und verstehen. Begeisterter Applaus belohnte die engagierten Buchhändler, die nun gespannt auf das Ranking ihrer vorgestellten Bücher in der hausinternen Bestsellerliste warten.

(ptj)
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