Jülich: Buchvorstellung: Der Untergang von Jülich und der Schützenstraße

Jülich: Buchvorstellung: Der Untergang von Jülich und der Schützenstraße

Eigentlich wollte sie kein Buch mehr schreiben, doch nachdem Prof. Dr. Günter Bers, Vorsitzender der Joseph-Kuhl-Gesellschaft, ihr gut zugeredet hatte, ihre Kindheitserinnerungen doch einmal niederzuschreiben, griff Gerta Mojert wieder zu Papier und Stift.

Und so entstand unter dem Titel „Meine Kindheit in der alten Jülicher Schützenstraße” die Nummer 21 der Kleinen Schriftreihe der Joseph-Kuhl-Gesellschaft.

„Wir haben damit ein Thema außerhalb der Geschichtswissenschaften aufgegriffen. In diesem Büchlein werden der Alltag und das Leben von Menschen wie Du und Ich beschrieben. Damit wollen wir über den Moment hinaus für die Zukunft ein Beispiel gegeben, wie sich damals das Leben gestaltet hat”, erklärte Professor Bers vor zahlreichen Gästen, die ins Dietrich Bonhoefferhaus zur Buchvorstellung gekommen waren.

Es sind vor allem die kleinen Dinge, von denen in diesem Heft erzählt wird. So werden die Schützenstraße, die Häuser und ihre Bewohner beschrieben. Gerta Mojert erzählt, wie sie als Kind in dieser Straße gespielt hat, wie ein Scherenschleifer seiner Arbeit nachging und wie ihre Familie in Kriegszeiten ums Überleben kämpfte.

Die Herzogstädterin beschreibt auch, wie sie die ersten Luftangriffe als Kind erlebte und die Evakurierung zunächst zu Verwandten in der Nähe von Bonn. Wie sich ihre Mutter und ihr Großvater ausgerechnet am 15. November 1944 noch einmal nach Jülich aufmachten, um dort noch einige Dinge zu regeln. Wie sie dort die Zerstörung der Stadt erlebten und doch wieder wohlbehalten zu ihrer Familie zurückkehren konnten. Gerta Mojert beendet ihr Buch mit dem Satz: „Nun wusste ich, das war der Abschied von meiner schönen, interessanten, glücklichen Kinderzeit. Ich ahnte, dass ich mein Jülich und meine Schützenstraße, so wie ich sie beide liebte, nie mehr wiedersehen würde.”

In dem Haus ihrer Großeltern in der Schützenstraße ist Gerta Mojert geboren worden und verlebte dort eine glückliche und wohl behütete Kindheit. In der Düsseldorfer Straße besuchte sie zunächst die Volksschule. Als die Familie aus der Evakuierung zurückgekehrt war, folgte das Mädchengymnasium. Gerne hätte sie auch Abitur gemacht, doch durch die Währungsreform war nicht mehr das nötige Geld vorhanden und sie absolvierte eine kaufmännische Lehre. Später ließ sie sich in Linnich zur examinierten Altenpflegerin ausbilden und war lange Jahre im Sozialdienst des Altenheims St. Hildegard tätig.

Mojert war Mitbegründerin der AWO Jülich und des Judoclubs. Lange hat sie für ein Denkmal der Jülicher Trümmerfrauen gekämpft und hat diesen Frauen auch ihr erstes Buch gewidmet. Für ihr vielfältiges Engagement wurde sie mit der Verdienstmedaille der Stadt ausgezeichnet.

Gerührt zeigte sie sich über das große Interesse, das ihr zweites Buch hervorrief. Sie las etliche Passagen daraus vor und betonte: „Sie werden darin viele Bilder wiederfinden, die sie sonst nirgendwo finden können”.

Das Buch ist zum Preis von sechs Euro im Jülicher Buchhandel erhältlich.