Müntz: BSG Titz: Eine sportliche und soziale Gemeinschaft

Müntz: BSG Titz: Eine sportliche und soziale Gemeinschaft

„Die Bedeutung eines solchen Vereins für diese Menschen habe ich erst verstanden, als es mich gesundheitlich selber erwischt hat.“ Das betonte Wilfried Radermacher, Vorsitzender der BSG Titz, anlässlich deren 40-jährigen Jubiläumsfeier im Müntzer Bürgerhaus.

Unter Federführung von Peter Reuter wurde sie als „Behinderten-Sport-Gemeinschaft Titz“ am 6. Juli 1975 im ehemaligen Kloster in Ameln mit 17 Anwesenden ins Leben gerufen. Ziel war es damals, „den Kriegsopfern eine Möglichkeit zu schaffen, sich trotz ihrer Behinderung am Sport zu beteiligen“.

In dieser Intention hatte sich Reuter bereits 1972 an die Kriegsopferorganisation der Region gewandt. Obwohl die Gemeinschaft erst am 6. Januar 1976 rückwirkend ihre Anerkennung zum 15. September 75 erlangte, wählte bereits die erste Versammlung Reuter zu ihrem Vorsitzenden.

In der zweiten Zusammenkunft am 13. September 1975 wurde der Vorstand um die Positionen der zweiten Vorsitzenden Maria Radermacher und des ersten Kassierers Matthias Küpper erweitert.

Der heutige Vorsitzende zeigte sich stolz, das weiter zu führen, was seine Mutter einst begonnen hatte. Zu den Gründungsmitgliedern zählten auch Vater Radermacher und der Amelner Pfarrer Hans Robert Stockebrandt. Die Gründer waren „so um die 50 herum und hatten den Zweiten Weltkrieg aktiv miterlebt. Viele von ihnen hatten schwerere Verletzungen erlitten oder gar Gliedmaßen verloren“. Aufgrund ihrer Behinderung standen sie leicht abseits der Gesellschaft, weil sie an allgemeinen Sportaktivitäten nicht teilnehmen konnten.

In der Behindertensportgemeinschaft hingegen „war man unter Gleichgesinnten und konnte sich austauschen“. Bereits im September 1975 wurde die erste Schwimmstunde abgehalten. Die Aufgabe des Sportarztes übernahm Dr. Erika Stimmerling aus Ameln und als erste Übungsleiter ließen sich Matthias Küpper und Josef Pistel ausbilden.

Nach einiger Zeit entschloss man sich zur Änderung der Schreibweise des Vereinsnamens: Die „Behinderten-Sportgemeinschaft Titz“ sollte nunmehr allen Behinderten zur Verfügung stehen. Heute steht sie jedem Interessenten offen und versteht sich nicht nur als sportliche, sondern auch als soziale Gemeinschaft. „Es wird immer schwieriger, jüngere Menschen für uns zu begeistern oder gar als Übungsleiter zu gewinnen“, schloss der Vorsitzende sein Resümee. Diese Tatsache äußere sich auch in Aktivitäten wie Bosseln oder Kegeln, die zurzeit aufgrund zu weniger Interessenten nicht angeboten werden.

Vize-Vorsitzender Illbertz sprach über den „Reha-Sport“ als Hauptbetätigungsfeld des Vereins nach kassenärztlichen Richtlinien. In Gruppen von 15 Personen wird in 45-Minuten-Einheiten trainiert, im Regelfall sind es 50 Einheiten in 18 Monaten. Arzt und Übungsleiter begleiten die Gymnastik, in Titz ist es Allgemeinmediziner Dr. Robert Dujardin. Bewegung, Spiel und Sport sollen die Mobilität verbessern, Kraft, Koordination und Flexibilität das Selbstbewusstsein stärken.

Der von Illbertz angesprochene „supertherapeutische Aspekt“ wurde später von Dujardin auch in medizinischer Hinsicht bestätigt. Bürgermeister Jürgen Frantzen thematisierte die Wandlung der „Versehrtensportgemeinschaften der 60er Jahre“, die sich heute in den Bereichen Rehabilitation, Prävention und Interaktion hervortun.

Der Müntzer Ortsvorsteher Ulrich Goebbels sang ein Loblied auf den Sport in Gemeinschaft, der „Leben lebenswerter macht“. Bodo Neumann, Vorsitzender im BSG-Dachverband, zeigte sich dankbar für das „Sozialgefüge in der kleinen Ortschaft“.

Mit kleinen Vorträgen von Geschichten und Gedichten feierte der jubilierende Verein an der großen Kaffeetafel.

(ptj)