Jülich: Brückenkopf-Park lädt zu Zeitreise durch 1500 Jahre Geschichte ein

Jülich: Brückenkopf-Park lädt zu Zeitreise durch 1500 Jahre Geschichte ein

Ist das Mittelalter schon bekannt? Wer mehr erleben möchte, ist an Pfingstsonntag, 20., und Pfingstmontag, 21. Mai, richtig im Brückenkopf-Park. Am Lindenrondell erwartet die Gäste von jeweils 10 bis 19 Uhr eine Zeitreise mit rund 1500 Jahren Geschichte — von der Völkerwanderung bis in die Neuzeit. Ein Geschichtsunterricht der Freude macht. Geschichte zum Anfassen und Mitmachen.

Wie jedes Jahr gibt es besondere Highlights: Als Landsknecht bezeichnet man den zu Fuß kämpfenden, zumeist deutschen Söldner des späten 15. und des 16. Jahrhunderts, die Hauptwaffe nach Schweizer Vorbild war die Pike. Die Bezeichnung Landsknecht ist urkundlich erstmals in den eidgenössischen Abschieden von 1486 belegt, ihre Bedeutung wird als bewusste Abgrenzung zu den aus dem Gebirge — und nicht vom flachen Land — stammenden Schweizer Pikenieren vermutet.

Als „Lantknecht“ bezeichnete man schon im 15. Jahrhundert einen Büttel oder Gerichtsboten, der auch kriegerische Tätigkeiten übernahm. Bereits um 1500 setzte sich die irreführende Bezeichnung Landsknecht durch, welche auf die eigentlich als Langspieße einzustufenden Piken der Söldner anspielte. Obwohl Landsknechte im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation ursprünglich als kaiserlich-habsburgische Söldner angeworben wurden, kämpften sie unter den verschiedensten europäischen Fürsten.

Sie galten aufgrund ihrer fortschrittlichen und disziplinierten Kampfweise als besonders schlagkräftig, hatten aber immer auch den Ruf von Plünderern und Marodeuren, die nach ausgebliebenen Soldzahlungen und bei Eintritt von „Arbeitslosigkeit“ ganze Landstriche verheeren konnten. Am Pfingstwochenende gastiert die erste Rotte der freien Landsknechte zu Köln am Brückenkopf und stellt Landsknechte des 15. Jahrhunderts dar. Neben ihren Gegnern im Kampf stellen sie sich auch Besucherfragen und bieten Schaukampfwaffen und Rüstungen zum Anschauen und Anfassen. Schottisches Leben, Bräuche und manch sportliche Aktivität wird es ebenfalls zu bestaunen geben. Whiskytasting und Einführung in die Kunst des Kiltanlegens inklusive.

Die Epochen der Kolonisation der neuen Welt wird durch eine Gruppe holländischer Einwanderer dargestellt. Wer erfahren möchte, wie beschwerlich die Eroberung und Urbarmachung der amerikanischen Ostküste im 17. Jahrhundert war, freut sich auf die Gruppe der Pensylvania Dutch.

„Zeitreise-Akademie zu Jülich“

Federführend durch die „Preussen um 1914“ der Arbeitsgemeinschaft Festung Köln in Kooperation mit diversen anderen Darstellungsgruppen des Epochen- und Historienfestes. Bei dieser Geschichtsralley durch das Gelände am Brückenkopf erhalten Kinder- und Jugendliche die Gelegenheit, Geschichte hautnah zu erleben. Hierbei heißt es nicht nur zuschauen sondern auch selber mitmachen. Aktiv und neugierig sein ist gefragt. Der „Eingang“ der Akademie ist das Wachhäuschen am Schlagbaum des Preussenlagers. Viel Neues und interessantes Wissen erwartet Jung und Alt bei dem heiteren Geschichtsunterricht unter freiem Himmel.

In der preussischen Schreibstube geht es los. Hier erhält jeder Teilnehmende die Immatrikulation für die Zeitreiseakademie.

Als eine der ersten Stationen erlebt man die „Arbeiterküche um 1900“. Danach geht die Zeitreise munter weiter. Mongolen, Wikinger, Kelten, Landsknechte, Ritter, Germanen, Südstaatenladys, Hunnen, Seefahrer, Trapper warten freudig auf die Teilnehmenden. Ein Highlight des Festes ist die Historische Darstellung des deutschen Kaiserreiches und der Wilhelminischen Epoche! Neben der militärischen Darstellung wird es auch die Gelegenheit geben, das zivile Leben der Jahrhundertwende kennenzulernen. Kaiser Wilhelm II. wird ebenfalls „höchstpersönlich“ anwesend sein.

Eine weitere besondere Darstellung befasst sich mit dem US-Bürgerkrieg zwischen Nord- und Südstaaten mit dem „Stab des Kavalleriecorps der Armee von Northern Virginia, Brandy Station 1863“. Ergänzend wird es einen Info-Stand zum Amerikanischen Bürgerkrieg geben, wo mittels Schautafeln und Ausrüstungsgegenständen Hintergrundinfos zu dieser Epoche gegeben werden.

Wieder mit von der Partie ist auch das Keltische Handwerkerlager der Eboronen mit Wollverarbeitung, Töpfern, Brettchenweben, Lederverarbeitung, Schmiede, Bronzeschmuckarbeiten auf dem Epochenfest vertreten.

Als Kelten (lateinisch celtae, galli, griechisch keltoi, galatai die Tapferen, die Edlen) bezeichnete man seit der Antike Volksgruppen der Eisenzeit in Europa. Funde sind auf die im 4. Jahrhundert v. Chr. einsetzenden keltischen Wanderungen zurückzuführen. Die Einbeziehung Südostenglands in das Verbreitungsgebiet der archäologisch als keltisch bezeichneten Kultur ist stark umstritten. Die dortigen archäologischen Funde der mittleren und späten Eisenzeit (ca. 600 v. Chr. bis ca. 30 v. Chr.) weisen starke regionale und lokale Eigenheiten auf, welche sie stark von den zeitgleichen kontinentalen Funden unterscheiden.

Daneben existierte als Folge der keltischen Wanderungen ab dem späten 4. Jahrhundert v. Chr. ein Siedlungsgebiet der Galater in Anatolien (heutige Türkei). Im nordspanischen Galicien fanden sich ebenfalls einige La-Tène-zeitliche-Fibeln, doch kann dort nicht von einem geschlossenen keltischen Kulturhorizont im Sinne der La-Tène-Kultur die Rede sein.

Es werden erneut rund 850 aktive Darsteller teilnehmen. Wie jedes Jahr sind wieder kenntnisreiche Personen und sogar Archäologen bzw. Museumspädagogen vor Ort. Daher darf man von einem hohen Qualitätsgehalt der Darstellungen sprechen, der oft zitierten „Living History“.

Umfangreiches Aktions- und Handwerksprogramm gehört zu allen Darstellungslagern! Die gezeigten Historischen Darstellungen in den Lagern werden von Handwerksvorführungen begleitet. Erläuterungen der Akteure zu den diversen Lebensweisen ergänzen die Vorführungen. Bei allen Darstellungsgruppen finden die Besucher kompetente Ansprechpartner.

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