Brennstoffe Wolff in Koslar besteht 125 Jahre

Brennstoffe Wolff in Koslar : Ein-Mann-Firma besteht 125 Jahre

Die Ein-Mann-Firma Brennstoffe Wolff aus Koslar feiert ein außergewöhnliches Jubiläum. Das Unternehmen wird am Samstag 125 Jahre alt. Die Kleinstfirma war immer im Familienbesitz, auch wenn die Nachnamen das nicht immer vermuten lassen.

Im vergangenen Jahr gab es laut Statistischem Bundesamt 668.724 Gewerbeanmeldungen, also neu gegründete Unternehmen. Abgemeldet wurden 636.159. 99 Prozent aller Unternehmen in Deutschland sind kleine und mittlere Unternehmen. Angesichts dieser Zahlen, die ein stetes Kommen und Gehen im Handelsregister dokumentieren, erscheint es wenigstens wie ein kleines Kunststück, was die Firma Brennstoffe Wolff aus Koslar am Samstag zu feiern hat: Das Ein-Mann-Unternehmen wird 125 Jahre alt. Und es war immer im Familienbesitz, auch wenn die Nachnamen der jeweiligen Ein-Mann-Belegschaft das nicht immer unmittelbar vermuten lassen.

Seit Anfang 2018 ist Christoph Merschen der Mann von Brennstoffe Wolff. Damals hat er die Kleinstfirma von seinem Onkel Paul Wolff übernommen. Das Unternehmen bestand meistens aus einem Mann, aber nicht immer. Beispielsweise in der Zeit vor 2018 nicht, als Merschen bereits fünf Jahre als Unterstützung für seinen Onkel gearbeitet hatte. Auch heute nicht ganz: Ehefrau Nicole kümmert sich um das Büro.

Von den alten Zeiten in der Brennstoffbranche kann Merschen nur noch aus den Erzählungen seines Großvaters Wilhelm Wolff berichten, seinem Vor-Vorgänger. „Der hat noch für eine Mark einen 50 Kilogramm schweren Sack voll mit Briketts in den Keller geschleppt“, berichtet Merschen von den Erzählungen seines Großvaters. Zuvor habe der Opa die Briketts am Bahnhof mit einer Gabel vom Waggon auf seinen eigenen Anhänger geschaufelt. Seitdem sind nicht nur die Briketts verschwunden. „Mein Opa bekäme wohl einen Schlag, wenn er heute zwei 400 PS starke Lkw sehen würde, die heute zur Firma gehören“, sagt Merschen.

Briketts waren auch die Geschäftsgrundlage bei der Firmengründung vor 125 Jahren. Johan Josef Gilsen hieß der Gründer, der aber auch zur Familie gehörte. „Mit Briketts kann man heute kein Geld mehr verdienen“, sagt Merschen und ist nicht ganz unglücklich darüber, dass die Plackerei mit den Briketts vorbei ist. Heute macht Brennstoffe Wolff in Diesel und Heizöl. Trotzdem sei das Geschäft ein Kampf, sagt Merschen. „Es ist immer eine Herausforderung, mit den Preisen der Konkurrenz mitzuhalten.“ Es sei zunehmend zu beobachten, dass Kunden nur auf Preise achten, statt auf den Service. Merschen kann damit geschäftlich nach eigener Aussage ganz gut umgehen, der Kundenstamm sei treu und wisse zu schätzen, dass sich das Ein-Mann-Unternehmen auf die Fahnen geschrieben hat, keinen Kunden im Kalten sitzen zu lassen. Im Notfall werde mit Sondergenehmigung auch mal an einem Feiertag geliefert.

Am Samstag aber nicht. Dann lädt das Unternehmen alle Kunden und Geschäftspartner zu einer Feier auf das Firmengelände ein.

(jan)