Stadtwerke Jülich: Breitband? Schnell! Hallenbad? Planen!

Stadtwerke Jülich : Breitband? Schnell! Hallenbad? Planen!

Die Stadtwerke freuen sich über ein erfolgreiches Geschäftsjahr und der Stadtrat macht bei den Prioritäten einen Rückzieher. So gibt es nun doch keinen zeitlichen Rahmen für das geplante Hallenbad und auch beim Breitbandausbau wurde zurückgerudert.

Manchmal würde es reichen, sich einfach über Zahlen zu unterhalten. Etwa, wenn der Geschäftsführer der Stadtwerke Jülich (SWJ), Ulf Kamburg, das Jahresergebnis für 2018 präsentieren kann. Das sieht einen Gewinn von 2,2 Millionen Euro vor. 500.000 Euro mehr als im Jahr 2017 und nebenbei auch die Summe, die an die Stadt abgeführt wird. In Zeiten, in denen der Wettbewerb auf dem Energiemarkt härter geworden ist, eine durchaus beeindruckende Zahl, erst recht, wenn sie mit einer anderen Entwicklung einhergeht.

Der Umsatz ist um 2,5 Millionen Euro gesteigert worden, die Eigenkapitalquote von 7 Prozent 2011 auf 34 Prozent. „Es ist das beste Ergebnis der Stadtwerke seit Bestehen“, freut sich Kamburg, der seinen Mitarbeitern eine tolle Arbeit attestiert. Es ist vor allem „die Basis für Zukunftsprojekte“, denen die Stadtwerke sich stellen wollen und müssen. „Wir haben die wirtschaftlichen Grundlagen geschaffen, um den Ausbau des Glasfasernetzes entwickeln zu können“, sagt Kamburg. Immerhin will man bis zu 20 Millionen Euro allein in den Ausbau der Breitbandversorgung stecken.

Der läuft in Teilen des Stadtgebietes bereits auf Hochtouren. Etwa im Gewerbegebiet Königskamp. „Erste Anschlüsse haben wir gelegt. Im Spätsommer oder Herbst wird das Angebot verfügbar sein“, sagt Dr.-Ing. Uwe Macharey, Leiter Netze bei den Stadtwerken. Im September wollen die Stadtwerke dann auch mit einer Bedarfsabfrage in den Ortsteilen beginnen. Kamburg: „Wir werden sukzessive durch die Ortschaften gehen, können aber natürlich nicht überall gleichzeitig bauen.“

Zumal die Arbeiten koordiniert werden müssen. So soll beispielsweise vermieden werden, dass erst Rohre für Glasfaserleitungen verlegt werden, Monate später erneut Straßen oder Bürgersteige aufgerissen werden müssen, um Arbeiten am Wasser- oder Gasnetz durchzuführen. „Unser Vorteil ist, dass wir die Infrastruktur in einer Hand haben, also können wir das auch integriert abarbeiten“, erklärt Kamburg.

Selbst eine hohe Nachfrage im Innenstadtbereich könnten die Stadtwerke relativ unproblematisch befriedigen, weil schon in den letzten Jahren Leerrohre mitverlegt wurden.

Weil es aber eben nicht immer nur um Zahlen geht, sondern auch um Prioritäten, um Befindlichkeiten, sitzt Uwe Kamburg am Mittwoch in Jülich im Rat und hört bei zwei Themen besonders aufmerksam zu. Zum Beispiel bei besagtem Thema Breitbandausbau. Die JÜL-Fraktion hatte beantragt, den Ausbau im gesamten Stadtgebiet zu forcieren. „Ziel muss dabei sein, diese Versorgung in den nächsten drei bis fünf Jahren vollends erfüllt zu haben“, hieß es da. Die Zeitvorgabe fiel im Beschluss unter den Tisch und selbst die Reihenfolge, in welchen Ortschaften die Stadtwerke starten sollten, wurde gestrichen.

Auch beim zweiten wichtigen Thema, dem Neubau eines Hallenbades am Standort des Freibades, machte der Rat einen entscheidenden Rückzieher. „Die Geschäftsführung der Stadtwerke wird beauftragt, in die Planungen zum Bau eines Hallenbades am Standort des Freibades einzusteigen“, heißt es jetzt ohne konkrete Zeitvorgabe noch. Dabei wollte man ursprünglich den Umzug in den Brainergy-Park und den dann nötigen Neubau des Kundencenters am Schlossplatz zurückstellen, Hallenbadneubau und Breitbandausbau mit einer höheren Priorität versehen. Kamburg ist nicht der Mann, der Ratsbeschlüsse kommentiert. Differenzen sieht er nicht. „Ich kann mit den Ratsbeschlüssen gut leben“, sagt er dazu nur. Zumal sie in seinem Sinne ausgefallen sind.

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