Jülich: Bravo-Rufe nach Opernpremiere im Jülicher Park

Jülich: Bravo-Rufe nach Opernpremiere im Jülicher Park

Durch die Problematik des geplanten Aufführungsortes und das Bangen um die Durchführung der Veranstaltung waren die Erleichterung und Freude groß, dass Jülich nun dank des Brückenkopf-Parks seine Opernaufführung genießen konnte. Die große Freiluft-Opernbühne war bereit für die Festspieloper Prag und „Nabucco“, die Plätze unter dem Zeltdach waren fast voll besetzt von dem erwartungsvollen Publikum.

Die musikalische Leitung des Abends lag in den bewährten Händen von Martin Doubravsky, der mit Souveränität und Charme das große Ensemble aus Orchester, Chor und Solisten durch den Abend führte.

Verdis Oper „ Nabucco“ wurde 1842 mit großem Erfolg für den Komponisten an der Mailänder Scala uraufgeführt. Auch die Nation fühlte sich vom Schicksal des Volkes Israel angerührt und übertrug das Streben nach Freiheit und Selbstbestimmung auf das eigene Land. Auszüge aus der Geschichte des Volkes Israel, das der Verfolgung und Versklavung ausgesetzt war, wurden in ausladenden statischen Blöcken in biblischen Szenen präsentiert, die von der Gefangenschaft des jüdischen Volkes erzählen, von Machtkämpfen um die Krone, von persönlichen Schicksalen und der Macht der Liebe.

Schlicht, aber atmosphärisch

Das Bühnenbild war schlicht, aber atmosphärisch und äußerst funktional und ließ so Raum für die Fantasie der Zuschauer, die sich leicht in die jeweilige Szenerie eindenken konnten. Die Kostüme symbolisierten durch die Farbgestaltung die Charaktere und ihre Intentionen. Wohltuend war der Verzicht auf viele Requisiten. Ein Thronsessel, Stufen, ein Wanderstab reichten völlig aus und ließen keine Ablenkung zu.

Verdi stellt die individuelle Gestaltung der Charaktere zugunsten der Gesamtwirkung in den Hintergrund. Eine besondere Rolle im Geschehen kommt dem Chor zu. Natürlich und ungekünstelt kamen die Stimmen der Sängerinnen und Sänger zur Geltung. Die Bedeutung des Chores ist in Verdis Komposition nicht nur szenisch oder dekorativ, sondern für die Handlung unabdingbar. Neben dem berühmten „Va, pensiero, sull‘ali dorate“, dem Chor der gefangenen Hebräer, gibt es innerhalb der Oper noch viele bedeutende Chorpartien. Der Komponist weiß die Massierung der Stimmen besonders originell einzusetzen.

In der Szene des ersten Aktes vervollständigt beispielsweise der Chor die letzte Phrase des Gesangssolisten Zacharias, wobei praktisch Solo- und Chorgesang gleichgesetzt werden. Die vom Komponisten so bedeutende Rollenzuweisung erfüllte der Chor der Festspieloper Prag mit großem Bravour und bewundernswertem Stimmvolumen. Die Stimmen des Abends waren allerdings besonders gefordert, da die Akustik unter dem Festzelt doch problematisch ist. Mit den Gesangssolisten allerdings wurde der Abend allerdings auch zum Genuss für Freunde der klangvollen Arien.

Besonders die tragende Rolle des Nabucco füllte der Bariton Nikolaj Nekrasov mit kräftiger, wohltönender Stimme. Zwischen lyrischer Zartheit und frevelhaftem Machtmissbrauch variiert seine stimmliche Ausdruckskraft am Ende des zweiten Aktes in einer großartigen Demonstration der widerstreitenden Gefühle.

Kontemplativer Augenblick

Auch die Sopranistin Dana Koklesova als seine Tochter gab mit stimmlicher Aggressivität ihrer Rolle als machthungriger Anwärterin auf die Krone Ausdruck, sie beherrschte aber auch perfekt die leiseren Töne, als sie zu Beginn des zweiten Aktes mit „Anch‘io dischiuso un giorno“ einen kontemplativen Augenblick zauberte.

Auch die Besetzung der Fenena mit Sarka Hrbàcková, des Ismaele mit Dusan Ruzicka, des Gran Sacerdote mit Oldrich Kriz wies großartige Gesangsleistungen auf. Jurij Kruglov wurde in seiner Rolle als Zaccharias in Jülich besonders bejubelt. Seine gewaltige Bassstimme und seine Interpretation der Rolle waren von überragendem Format.

Das begeisterte Publikum dankte stehend mit Applaus und Bravo-Rufen für die großartige Open-Air-Aufführung und wurde mit der Zugabe des Gefangenenchores belohnt.