Jülich: Blues-Professor Bottleneck spielt Lieder vom Alltag des Lebens

Jülich: Blues-Professor Bottleneck spielt Lieder vom Alltag des Lebens

Ein Koffer voller Mundharmonikas, eine Gitarre, ein Bass und ein Schlagzeug, dazu die rauchige Stimme des Sängers, die Freude am Improvisieren und die Liebe zum Blues — mehr brauchen Professor Bottleneck (Jahrgang 1948) und seine Band nicht, um auf die Bühne zu gehen und ihren Zuhörern die Begeisterung für diese Musik zu übermitteln.

„The Man — the Band — The Blues“ steht dann auch auf ihrem Transparent zu lesen, das sie von Ort zu Ort mitnehmen.

„Blues, das ist der kleine schmutzige Onkel des Jazz“, sagt der Professor, alias Rolf Heimann (Gitarre, Gesang). Dieser Stilrichtung haben er, der „Ry Cooder des Niederrheins“, und Frank Born mit seiner Mundharmonika sich seit vielen Jahren verschrieben.

Seit einiger Zeit ebenfalls mit dabei sind Rado Valjak, Bass, und Ronald Jeurissen, Schlagzeug. Sie alle vier haben eines gemeinsam. Sie lieben diese Musik aus dem Süden der Vereinigten Staaten, die Grundlage für so viele verschiedene Musikrichtungen ist. Sie gibt ihnen den Raum, den sie zum Improvisieren brauchen, und es ist gute echte handgemachte Musik.

Zumeist sind es eigene Stücke, die die Handschrift des Professors tragen. Sie erzählen von all den alltäglichen Dingen, die den Blues ausmachen, von Liebe, Eifersucht, von Frustbewältigung wie zum Beispiel „Wishing Blues“ oder von der Geschichte, warum ein Weißer den Blues spielt. Vorbilder sind dabei für ihn Leddbelly (1888 — 1949 und Robert Johnson (1911 — 1938).

In den Südstaaten

Auf ihren Spuren wandelte er schon mehrmals durch die Südstaaten und erntete Lob und Anerkennung auch von so manchem schwarzen Bluessänger.

So hielt sich der Blues-Professor 1996, 1998 und 2011 in den Südstaaten der USA auf, wo er unter anderem mit dem Mundharmonikavirtuosen Juke Joint Johnny Auftritte absolvierte und die dortige Szene mit seinem ehrlichen „Feeling“ ziemlich beeindruckte.

Doch Bottleneck spielt einen weißen Blues, der sich afro-amerikanischer Wurzeln bedient. Aber auch originelle Bearbeitungen von Südstaaten-Klassikern gehören zum Markenzeichen vom Professor Bottleneck.

Auch in Jülich wissen die Blues-Freunde, was sie an ihrem Professor Bottleneck und seinen Juke Kings haben.

Zwar hielten der letzte schöne Sommerabend und das Fußball-Länderspiel doch einige Zuhörer zurück, doch die, die gekommen waren, erlebten einen wunderbaren Abend auf Einladung des Jülicher Jazzclubs.

Mit Gershwins „Summertime“ und dem Boogieman startete das Quartette den Abend, um dann schon bald zu eigenen Stücken überzugehen.

Herausragend wie stets war der Mann an der Mundharmonika Frank Born, der mit seinen Soloeinlagen wie seine übrigen Mitstreiter die Zuhörer zu begeistern wusste.

(Kr.)
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