Jülich: Blick in die Vergangenheit: Preußen waren den Jülichern nicht geheuer

Jülich: Blick in die Vergangenheit: Preußen waren den Jülichern nicht geheuer

Es war keineswegs Liebe auf den ersten Blick. Als Jülich und das Rheinland die französische Besatzung hinter sich hatten, folgten unmittelbar die Preußen. Das waren 1815 „fremde Wesen“, über die im Rheinland viel gemunkelt und wenig gewusst wurde und die sich anfangs wie eine Besatzungsmacht aufspielten, da sie wiederum „den Franzosen“ an der Rur nicht trauten.

Die Skepsis wich auf beiden Seiten lange nicht, obwohl die Preußen in Jülich und Umgebung nicht nur ihre „Tugenden“ und ihren mitunter barschen Ton vermittelten, sondern unbestritten auch Positives bewirkt haben. Das „preußische Jahrhundert“ — eine Doppelausstellung im Museum Zitadelle Jülich und in der Villa Römer Leverkusen — zeigt das sehr anschaulich bis zum Jahresende. In den kommenden Wochen startet auch das Begleitprogramm.

Der berühmte Landschaftsmaler Johann Wilhelm Schirmer malte seine Heimatstadt, die am Anfang der Preußenzeit von Wäldern umgeben war, die nach einer Hungersnot in nur zehn Jahren im großen Stil in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt wurden. Foto/Abbildung: Museum Zitadelle

„Die Preußen haben die Ungleichheit zwischen Stadt und Land aufgehoben und die Schulpflicht eingeführt“, nennt Guido von Büren vom Jülicher Geschichtsverein Beispiele. Auch die Gerichtsbarkeit wurde für alle nachvollziehbar und damit transparenter als zuvor. Und sie haben eine „Tradition“ aus dem Herzogtum Jülich manifestiert: Die Stadt blieb stark befestigt und ein militärischer Stützpunkt, was unter anderem in der Unteroffiziersvorschule Am Aachener Tor zum Ausdruck kam. In der Spitze betrug der Anteil der Soldaten in der Stadt über 30 Prozent der Bevölkerung.

Ein wunderbares Beispiel für das Aufeinandertreffen sehr unterschiedlicher Mentalitäten liefern die Tagebücher des Kölners Johann Boisseree, sagt Guido von Büren. Der Kölner hat einen Konflikt zwischen einem preußischen Offizier und einem Jülicher Bauern beobachtet und in Richtung des Soldaten aus rheinischer Sicht kommentiert: „In der kurzen Zeit ihrer Herrschaft ist den Preußen etwas gelungen, was den Franzosen zuvor 20 Jahre nicht gelungen ist: Wir haben die Franzosen schätzen gelernt...“

Auch das Bild des Jülicher Landes wurde in der Preußenzeit erheblich verändert, was aber weniger Absicht als vielmehr Reaktion auf eine große Hungersnot zu Beginn der 1840er-Jahre war. Von Büren: „Im Bereich zwischen Jülich, Welldorf, Mersch und Stetternich war ein riesiger Erbwald, der sich im Besitz der Bürger der Stadt Jülich befand.“ Diese Flächen wurden innerhalb von nur einem Jahrzehnt in landwirtschaftliche Flächen umgewandelt, die im Wesentlichen von drei Jülicher Familien erworben wurden. „Immense Investitionen!“, sagt der JGV-Vorsitzende.

Die Landschaftsmalerei im preußischen Jahrhundert ist nun Thema eines Fachgesprächs am Dienstag, 20. September, ab 19.30 Uhr. Hierbei geht es um die Düsseldorfer Malerschule und — natürlich — auch um den berühmten Sohn Jülichs, den Landschaftsmaler Johann Wilhelm Schirmer. Dr. Markus Heinzelmann vom Museum Morsbroich Leverkusen spricht im Jülicher Hexenturm ab 19.30 Uhr mit Guido von Büren über „Die Landschaft als Thema und Herausforderung in der modernen Kunst“. Die Veranstaltung ist eine Kooperation mit dem Kunstverein Jülich.

Einen bilanzierenden Überblick über „Das Rheinland im Preußischen Jahrhundert“ liefert Georg Möllich beim Mittwochsclub des Jülicher Geschichtsvereins am 28. September (19.30 Uhr) in der Schlosskapelle der Zitadelle. Der Vortrag wird umrahmt von einer Darbietung des Jülicher Männer-Gesang-Vereins 1851.

Die Lesung aus dem historischen Roman „Das Spiel der Täuschung. Düsseldorf 1834“ mit Autorin Christa Holtei gehört ebenfalls zum Rahmenprogramm des „preußischen Jahrhunderts“ in Jülich: am Dienstag, 27. September, ab 19.30 Uhr in der Buchhandlung Fischer (Eintritt frei). Bewegte Bilder aus der Preußenzeit zeigt das Kino im Kulturbahnhof am Samstag, 15. Oktober, mit dem „Hauptmann von Köpenick“ (Hauptrolle Heinz Rühmann). Einlass und Frühstück um 9.30 Uhr, Vorstellung: 10.30 Uhr; Eintritt und Frühstück: 10 Euro.

Bislang ist die Preußen-Schau in Jülich gut angenommen worden, sagt Guido von Büren. Das Museum Zitadelle verzeichnet (mit allen laufenden Ausstellungen) derzeit ein Besucherplus von gut 30 Prozent gegenüber 2015. Eine Kuratorenführung folgt am Sonntag, 18. September, um 11 Uhr. Doppelausstellungsführungen durch die Schauen in Jülich und Leverkusen stehen am Sonntag, 9. Oktober, und Samstag, 17. Dezember, auf dem Plan. Beginn ist um 10.30 Uhr im Schlosskeller der Zitadelle.

Um 13.30 Uhr erfolgt der Bustransfer nach Leverkusen mit Führung ab 15 Uhr (Rückankunft Jülich um 19 Uhr/Kosten 25 Euro).

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