Jülich: Bilder als Zeugnisse für den schlimmsten aller Tage in Jülich

Jülich : Bilder als Zeugnisse für den schlimmsten aller Tage in Jülich

„Bildgewaltig“ ist der Titel einer Ausstellung, die die Zerstörung im Zweiten Weltkrieg zeigt und bis zum 8. Mai im Keller der Zitadelle zu sehen ist.

Der 9. November wird ein deutscher Schicksalstag genannt, der 16. November ist dies für Jülich. Er hat sich unauslöschlich in das kollektive Gedächtnis der Stadt eingebrannt, denn vor 75 Jahren wurde sie durch schwerste Bombenangriffe getroffen. Rund Tausend deutsche Städte und Dörfer sind in Flächenbombardements zerstört worden, aber fast nirgendwo war das Ausmaß der Vernichtung so gewaltig wie in der kleinen Stadt an der Rur.

„Gewaltig“ war denn wohl auch der treffende Begriff, um den Schreckenstag zu beschreiben und an ihn zu erinnern. Das Museum Zitadelle Jülich hat sich in Zusammenarbeit mit dem Stadt- und Kreisarchiv Düren dazu entschieden, dies im Rahmen der Reihe „Zwischen Führer und Freiheit – Bombenkrieg und Befreiung an der Rur“ mit einer Fotoausstellung zu tun. „Bildgewaltig“ heißt sie, der Titel trifft es exakt, wie Marcell Perse, der Leiter des Museums, und Guido von Büren, der für die Ausstellungskonzeption verantwortlich zeichnete, jetzt bei der Ausstellungseröffnung in der vollbesetzten Schlosskapelle ausführten.

Mehr als dieser eine Angriff

Bilder seien kein einfaches Medium, sagte von Büren, weil sie nur einen gelenkten Blick zulassen, aber sie seien andererseits auch besonders beeindruckend, um das kaum fassbare Geschehen im November 1944 plastisch vor Augen zu führen. Und es war ja nicht nur dieser eine Angriff, dem die Stadt ausgesetzt war, sondern es folgte ein monatelanger Artilleriebeschuss.

Von der Gewalt der Bilder, die Jülich vor allem im totalen Bildausschnitt als einen Haufen Schutt und Asche zeigen, konnten sich die Besucher nach einem Vortrag von Thomas Hax-Schoppenhorst überzeugen, der sich dem Thema Bombenkrieg von der psychologischen Seite her näherte. Hax-Schoppenhorst ist pädagogischer Mitarbeiter an der LVR-Klinik Düren und beschreibt die Traumatisierungen der Zivilbevölkerung mit drei Worten: „In ständiger Angst“.

Das nämlich seien die Auswirkungen des „Moral Bombing“ gewesen, wie die Strategie der britischen Oberbefehlshaber hieß. Jeden Tag mit Sirenen leben, jeden Tag in Erwartung des Unheils, des Todes und vielleicht alles Hab und Gut zu verlieren – das habe auf Dauer massive physische Auswirkungen gehabt, aber auch erhebliche Verletzungen der Seele zur Folge. Es betraf, so Hax-Schoppenhorst, aber nicht nur die Kriegsgeneration, sondern auch die Kriegskinder und Kriegsenkel, die die traumatischen Erfahrungen „erbten“, wenn auch mit unterschiedlichen Akzenten. Der Krieg habe nach 1945 nicht aufgehört, fasst Hax-Schoppenhorst zusammen: „Heute tobt der 2.Weltkrieg in deutschen Altenheimen“, denn die schlimmen Erfahrungen hätten sich unweigerlich eingebrannt.

Die Ausstellung „Bildgewaltig – Fotos der Zerstörung Jülichs“ ist bis zum 8. Mai im Schlosskeller der Zitadelle zu sehen. Informationen zur Ausstellung sind unter www.juelich.de/Ausstellungen/bildgewaltig abrufbar. Die Öffnungszeiten sind bis März samstags von 14 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr, im April und Mai auch montags bis freitags von 14 bis 17 Uhr und Sa/So/Feiertag von 11 bis 18 Uhr.