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Archäologische Funde nicht gemeldet?: Bezirksregierung verhängt Baustopp für Rurbrücke

Archäologische Funde nicht gemeldet? : Bezirksregierung verhängt Baustopp für Rurbrücke

Die Bauarbeiten an der Jülicher Rurbrücke ruhen. Die Bezirksregierung hat in der vergangenen Woche einen Baustopp verhängt. Der Grund ist ungewöhnlich.

Die Bezirksregierung Köln hat für den Bau der neuen Rurbrücke in Jülich einen Baustopp verhängt. Der Grund: Archäologische Funde in der vergangenen Woche. Wie es zu dem Baustopp kam, darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Die Kölner Bezirksregierung geht allerdings davon aus, dass der Landesbetrieb Straßen NRW als Bauherr beziehungsweise die Baufirma Bestimmungen des Denkmalschutzgesetzes ignoriert haben.

Ein ganzer Stapel von alten Holzbohlen ist es, den man noch an der Baustelle besichtigen kann. Wie alt die Bohlen sind, ob sie aus der Römerzeit stammen, aus der napoleonischen Zeit oder etwa von der Brücke, die 1903 an dieser Stelle über die Rur errichtet wurde, ist unklar. Ans Tageslicht befördert wurden die Holzbohlen am Dienstag in der vergangenen Woche von einem Baggerfahrer der Baufirma, die am Jülicher Rurufer an der Großen Rurstraße immer noch mit Abrissarbeiten beschäftigt ist.

Zwar ist der sichtbare Teil der alten Brücke längst beseitigt, aber die Reste der Widerlager müssen noch aus dem Erdreich geholt werden. Dazu müssen nach Auskunft des Landesbetriebes Straßen NRW, der für den Neubau der Brücke zuständig ist, Spundwände eingezogen werden. Bei diesen Arbeiten ist man dann auf die Holzbohlen gestoßen, die der Baggerfahrer freigelegt hat. Er hat sie aber eben nicht nur freigelegt, sondern die Holzbohlen wurden komplett entfernt. Von einer archäologischen Begleitung der Abrissarbeiten hatte man im Vorfeld Abstand genommen, allerdings galt die Vereinbarung, dass umgehend die Denkmalbehörde informiert wird, wenn man bei den Bauarbeiten auf mögliche Funde stößt.

Unklar ist, wie alt die entdeckten Holzpfähle sind. Einzelne sind mit Sechskantschrauben versehen.
Unklar ist, wie alt die entdeckten Holzpfähle sind. Einzelne sind mit Sechskantschrauben versehen. Foto: Burkhard Giesen

Ab genau diesem Zeitpunkt gibt es zwei sehr unterschiedliche Versionen dessen, was genau passiert ist. Torsten Gaber, Sprecher des Landesbetriebes sagt: „Ein Bürger ist während der Ausgrabung vorbeigekommen und hat umgehend die Stadt informiert, noch bevor wir das machen konnten.“ Die Stadt wiederum habe die Bezirksregierung informiert, die wiederum einen Mitarbeiter geschickt, der dann den Baustopp verhängt habe. Ein ganz normaler Vorgang also.

Allerdings gibt es auch eine andere Version der Geschehnisse. So sollen die Holzpfähle bereits am Montag entdeckt worden sein und die Baufirma sehr uneinsichtig gewesen sein, was die Meldung bei der Denkmalbehörde betrifft. Erst ein Jülicher Bürger habe dann tags drauf den Fund bei der Denkmalbehörde der Stadt gemeldet, nachdem er die am Rurufer abgelegten Bohlen gesehen habe. Das sieht die für den Denkmalschutz zuständige Bezirksregierung ebenfalls so.

„Am Dienstag wurde die Bezirksregierung von dem Fund unterrichtet und ein Baustopp verfügt. Am Donnerstag wurde die Lage vor Ort besprochen. Eine archäologische Fachfirma muss hinzugezogen werden. Das Gelände muss kurzfristig in Abstimmung mit dem Amt für Bodendenkmalpflege begangen werden. Danach kann die Baustelle in den uferfernen Bereichen wieder freigegeben werden“, erklärt Sprecher Dennis Heidel auf Anfrage. Der entscheidende Satz: „Das Verhalten des Bauträgers beziehungsweise der Baufirma widersprach der Verpflichtung aus § 16 Denkmalschutzgesetz, wonach Unternehmer und Leiter der Arbeiten, die zur Entdeckung von Bodendenkmälern führen, verpflichtet sind, dies unverzüglich anzuzeigen. Die Konsequenzen müssen geprüft werden.“

Herausgeholt wurden die Balken auf der Jülicher Seite des Rurufers, gestapelt auf der gegenüberliegenden Seite. Ein großer Teil der Pfähle ist angespitzt, einzelne weisen Sechskantschrauben auf, die eher nicht aus der römischen Zeit stammen dürften. Der Landesbetrieb hat inzwischen ein Unternehmen beauftragt, das nun entsprechende archäologische Untersuchungen vor Ort vornehmen soll. Zusätzlich dürfte es wohl auch Analysen des Holzes geben, um zu bestimmen, aus welcher Zeit die Pfähle stammen könnten.

Erst wenn klar ist, von wann die Holzpfähle sind, kann auch darüber entschieden werden, wie es auf der Baustelle weitergehen wird. „Wir müssen die Analysen abwarten“, sagt Torsten Gaber. Er hofft, dass das beauftragte Unternehmen die Untersuchungen schnell abschließen kann. „Wenn der Baustopp ein oder zwei Wochen andauert, wird sich das nicht weiter auswirken. Bei einem Stillstand von vier Wochen kann sich der Zeitplan allerdings verschieben.“